„Ich hatte einfach nur Angst“
36-jähriger Borghorster wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Steinfurt/Rheine -

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs an einem 13-jährigen Mädchens aus Steinfurt musste sich gestern der 36-jährige ehemalige Nachbarn vor dem Jugendschöffengericht in Rheine verantworten. Er soll die Jugendliche im Sommer 2011 beim Säubern seiner Wohnung, nachdem er die Tür abgeschlossen habe, unsittlich berührt und entkleidet haben. Anschließend soll er beischlafähnliche Handlungen an ihr vorgenommen haben. Dabei habe das Mädchen am ganzen Körper gezittert. Auf seine Frage, was mit ihr los sei, habe das Kind mit den Schultern gezuckt und sich abgewendet, berichtete der Borghorster dem Gericht. Danach habe er sie in Ruhe gelassen, sei in ihre elterliche Wohnung gegangen und habe ein paar Bier getrunken.

Montag, 25.06.2012, 20:06 Uhr

Der Angeklagte räumte die Tat im Gerichtssaal „im Großen und Ganzen ein“, behauptete aber, die Tür nicht abgeschlossen zu haben. „Ich war durch den Alkohol enthemmt“, antwortete er auf die Frage des Richters nach dem Warum. Seit acht Monaten habe er in dem Haus gewohnt und gewusst, dass die Geschädigte erst 13 Jahre war. Das bestritt er nicht. Auf die Frage des Richters nach einem Alkoholproblem erklärte er, zehn halbe Liter pro Tag zu trinken. 2006 habe er eine dreimonatige Therapie gemacht. Schon 1999 war er wegen fahrlässigen Vollrausches verurteilt worden. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und gab anschließend ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Borghorsters in Auftrag. Auch die zwangsweise Unterbringung in einer Suchtanstalt wurde angesprochen. Die Verteidigung wollte das Gutachten abbiegen und plädierte für eine Bewährungsstrafe mit Therapieauflage. Doch das Gericht hielt wegen der Schwere der Tat daran fest. „Das ist ein Grenzfall“, argumentierte der Richter, „den ich nicht ungeklärt lassen möchte.“ Auf Antrag der Verteidigung wurde das inzwischen 14 Jahre alte Mädchen als Zeugin gehört. Dabei ging es um die Frage, ob der Angeklagte die Tür nur zugemacht oder abgeschlossen habe. „Abgeschlossen“, antwortete sie, das habe er gesagt, als er aufgestanden und zur Tür gegangen sei. „Haben Sie nicht übers Weglaufen nachgedacht?“, wollte der Richter sie. „Doch, aber ich wusste, dass das nichts bringt. Ich hatte einfach nur Angst“, berichtete die Schülerin. Juristisch spiele es in der Bewertung der Tat eine große Rolle, ob die Tür abgeschlossen war oder nicht, sagte der Richter, bevor der Prozess vertagt wurde.

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