Steinfurt anno 1604
Ein mittelalterliches Spectaculum

Burgsteinfurt -

Die von den Steinfurter Gästeführern initiierte Zeitreise „Steinfurt anno 1604“ ist zu einer gelungenen Premiere geworden, lokale Geschichte greifbar zu machen. Die historische Altstadt hat dazu einmal mehr eine tolle Kulisse geboten.

Sonntag, 26.08.2012, 18:08 Uhr

Steinfurt anno 1604 : Ein mittelalterliches Spectaculum
Auf dem Markt wurde von Richter Eberwin das Urteil über ein Schandmaul gesprochen, das zum Gespött der johlenden Menge auf dem hölzernen Esel durch die Stadt getrieben wurde. Foto: Hermann-Josef Pape

31 Laiendarsteller und rund 70 Statisten waren an diesem Schauspiel von Bürgern für Bürger eingebunden, rund 1000 Zuschauer dabei, die Szenen, die auf wahren Begebenheiten beruhten, zu verfolgen. Große Anerkennung fand die schauspielerische Leistung und die Mühe, die man sich bei der Gestaltung der Standorte, mit den Kostümen und damit gegeben hatte, Geschichte mit dem nötigen Respekt vor der Vergangenheit, aber auch mit Charme und Witz zu vermitteln. Es gab viel zu sehen und zu lernen über das, wie es in der alten Hochschul- und Residenzstadt einst zugegangen ist. Auch Handwerker, Gastronomen und Geschäftsleute trugen dazu bei, dass das Spectaculum zu einem Erlebnis werden konnte.

An insgesamt acht Schauplätzen wurde das Leben nachempfunden, wie es sich im späten Mittelalter zugetragen hat. „Alles, was Sie sehen und erleben werden, ist nicht der Fantasie entsprungen, sondern historisch belegt, wenn auch nicht alles in Steinfurt stattgefunden hat“, erklärte Bürgermeister Andreas Hoge im Alten Rathaus. Jeder Gast erhielt zur Begrüßung ein Kerbholz. Hoge: „Passen Sie auf, dass Sie nicht mehr als fünf Kerben bekommen.“

Haus Sallandt war die erste Station. Dort hatte Bierbrauer Johann vom Venn (alias Marcel ter Steege, Braumeister bei Rolinck) eigens ein „Bräu der vergangenen Tage“ hergestellt. Vorbei am Schweinepferch ging es in die Hahnenstraße, wo hinter Misthaufen und zwischen Ziege und Hühnern Schreiner Hinrich Krechting (Frank Menzel ) werkelte. Seine Frau und Wehmutter Anna (Vera Menzel) hatte für das Kinderkriegen und -verhüten Kräuter gemixt und für manche Geschlechtsgenossin einen guten Tipp, wie sie das Herz ihrer heimlichen Liebe gewinnen kann.

Vor dem Rathaus stellte Richter Eberwin (Heinz Epker) ein Schandmaul an den Pranger. Stine (Christa Jessing), Frau des ehrbaren Schuhmachers Bernhard, wurde der Prozess gemacht. Sie musste zum Spott aller auf dem hölzernen Esel über den Markt reiten.

Auch Bäckermeister Hiärm Grothus (Hermann Lindhof), der sein Brot zu leicht gebacken und verkauft hatte, musste sich vor dem Gericht verantworten. Wer betrogen worden war, durfte mit Eier auf ihn werfen. Eberwin: „Nur zu, auch Ihr Fremdlinge, nehmet Ihr keine Rücksicht, ihn der Schmach auszusetzen.“ Die Menge johlte. Die Eier flogen.

Durch die Gassen ging es weiter zur Burg, wo Kammerfrau Gese (Sieglinde Neumann) mit den Gräfinnentöchtern Magdalena und Amöna Einblicke in das höfische Leben gewährte. „Ich bin zuständig für alles, was das Wohlergehen meiner gnädigen Herren angeht“, sagte sie, erzählte davon, dass neben Löffeln und Messern am Hofe jetzt auch mit Gabeln gespeist werde, die drei Zinken allerdings von der katholischen Kirche als Teufelszeug gegeißelt werden.

Weiter ging’s zur Kirchgasse. „Willkommen im Hause Gottes. Hier, in der Kleinen Kirche, wird nicht nur die Liturgie gefeiert, hier wird auch der Bürgermeister gewählt. Neunmal im Jahr findet hier die Armenspeisung statt. Jeder Bürger der Stadt hat anderthalb Scheffel Weizen beizusteuern“, ließ Kreisdechant Markus Dördelmann (im Talar der evangelisch unierten Kirche) die Besucher von dem Brot kosten. Weitere Station war das Geisthaus, wo eine Zimmerwirtin einiges über das Studentenleben berichtete.

Herrenspeis und Gebräu wurden schließlich im Lesegarten der Hohen Schule aufgetischt. Das Duo Lucas und Felix Althoff unterhielt die Gäste mit der Sackpfeife und der Davul – ein gelungener Abschluss eines Schauspiels, von dem sich die Zuschauer gerne eine Wiederholung wünschten und allen Mitwirkenden für kurzweilige und durchaus auch informative Unterhaltung dankten – beste Werbung für Burgsteinfurt.

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