150 Jahre Marienhospital
Mut zur Moderne

Borghorst -

Dass Magnus Striet in seinem Festvortrag (fast) auf Fremdworte verzichtet, ist erst einmal freundlich gemeint, seine Vergleiche mit einem fürs Münsterland typischen Doppelkopfspiel ebenso. Die Thesen des Professors für Fundamentaltheologie an der Universität Freiburg sind umso gewagter, sogar ein bisschen revolutionär. Zumindest für seinen gestrigen Zuhörerkreis. Der gebürtige Rheinenser fordert die geladenen Gäste beim Festakt aus Anlass des 150-jährigen Bestehens des Marienhospitals zum Nachdenken auf – über politisches und wirtschaftliches Handeln, über die Identität eines christlichen Krankenhauses und über Gott.

Freitag, 24.05.2013, 17:05 Uhr

Rund 120 geladene Gäste waren gestern zum Festak t aus Anlass des 150-jährigen Bestehens des Borghorster Marienhospitals in das Festzelt am Rathaus gekommen. Am Abend feierten an gleicher Stelle ehemalige und jetzige Mitarbeiter des Krankenhauses ein Betriebsfest.  
Rund 120 geladene Gäste waren gestern zum Festak t aus Anlass des 150-jährigen Bestehens des Borghorster Marienhospitals in das Festzelt am Rathaus gekommen. Am Abend feierten an gleicher Stelle ehemalige und jetzige Mitarbeiter des Krankenhauses ein Betriebsfest.   Foto: Gudrun Niewöhner

Bei allen seinen Aussagen ist Striet stets in der Moderne angekommen. Ein Rationalist, der der Vernunft folgt: „Vielleicht müssen mündige Christen akzeptieren, dass Gott nicht ins Geschehen eingreift, sondern der Mensch selbst tätig werden muss.“ Striet will nicht demoralisieren, auch wenn er betont, dass „in der modernen Welt niemand weiß, wie das Spiel ausgeht“. Gewinnen könne nur, wer sich mutig auf das Spiel einlasse, sagt der Theologe.

Ökonomische Zwänge, so Striet weiter, machen vor Krankenhäusern mit christlicher Identität nicht Halt. Auch ein solches Haus müsse effizient, profitabel und exzellent sein. Eine christliche Identität, die hält der Professor sowieso für überholt. Es gelte generell, so lange die Mehrheit sich dazu bekenne, Artikel eins des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der Patient, selbst der religiöse, suche heute die bestmögliche medizinische Versorgung. Seinen knapp halbstündigen Vortrag nennt Striet am Ende lediglich ein Angebot. Das eindrucksvoll war.

Nachfolgend hatte es Schwester M. Angelinis nicht leicht anzuknüpfen. Die ehemalige Oberin und Pflegedienstleiterin war eingeladen, um von ihrer Zeit im Marienhospital zu berichten. Für die Ordensfrau war der gestrige Morgen nach neun Jahren aber auch ein Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern. Unter ihnen Pfarrer em. Karl Holthaus, dem der stellvertretende Bürgermeister Heinz Hille in seinem Grußwort besonders dankte: „Wenn er nicht gewesen wäre, hätten wir das Krankenhaus heute wahrscheinlich nicht mehr.“ Das sahen die anderen Gäste genauso – und applaudierten.

Nach einem Gottesdienst in der St.-Nikomedes-Pfarrkirche hatte der medizinische Geschäftsführer der CKT, Dr. Andreas Eichenauer , die Begrüßung im Festzelt übernommen. Gekommen waren unter anderem der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, die Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking, Klaus Schoch, Abteilungsleiter Gesundheitshilfe beim Caritasverband für die Diözese Münster , der stellvertretende Landrat Bernhard Hembrock, Pfarrer Heinrich Wernsmann, Vertreter der Steinfurter Ratsfraktionen, des Kirchenvorstandes von St. Nikomedes und natürlich Ärzte und Vertreter des Pflegepersonals aus dem Marienhospital.

Vor allem für letztere Gruppe gab es viel Wertschätzung: „Kompetenz und Haltung hängen von den Mitarbeitern ab“, betonte Eichenauer eingangs. Wie sehr Schwestern und Pfleger „ihren Beruf lieben und leben“, Christina Schulze Föcking hat es kürzlich bei einem Praktikum im Marienhospital erlebt: „Danke für so viel Herzblut.“

Mit der für den Sommer geplanten Fusion der drei CKT-Krankenhäuser in Borghorst, Emsdetten und Greven werde das Marienhospital „bestandsfähig gemacht“. Wie später Prof. Striet richtete auch Pfarrer Wernsmann als stellvertretender Vorsitzender der CKT-Gesellschafterversammlung den Blick an diesem Morgen nicht zurück, sondern mutig nach vorne.

Zischen den Grußworten, Erinnerungen und Interviews sorgte das Jugendorchester mit seinem Leiter Thomas Blanke für musikalische Unterhaltung.

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