Borghorster Stiftskreuz gestohlen
Unglaublich

Borghorst -

Pfarrer Heinrich Wernsmann will es nicht glauben: „So etwas passiert am helllichten Tag. Und dann auch noch bei uns.“ Gerade eben haben drei unbekannte Männer das wertvolle Borghorster Stiftskreuz aus der Pfarrkirche gestohlen. Ein vierter wartete im Fluchtauto. Das hat eine Zeugin beobachtet. Ihr kamen die etwa 25 bis 30 Jahre alten Männer auffällig vor. Deshalb hat sie auch hingeschaut. Genauso wie eine Caritas-Mitarbeiterin, die von ihrem Büro aus die Männer gesehen hat – und sich geistesgegenwärtig das Kennzeichen notierte. Beide geben der Polizei für die eingeleitete Ringfahndung wertvolle Hinweise.

Dienstag, 29.10.2013, 17:10 Uhr

Als gestern Mittag um 13.24 Uhr das Handy von Thomas Leser Alarm schlug, ging der Bestatter zunächst davon aus, dass Küsterin Monika Badde vergessen hatte, ihn zu benachrichtigen: „Wenn es an der Glasvitrine irgendetwas zu tun gibt, bekomme ich normalerweise vorher Bescheid.“ Um sicher zu gehen, machte sich Leser eilig auf in Richtung Pfarrkirche. Von weitem hörte er bereits die Totenglocke – ein weiteres Alarmsignal. Robert Badde, ehemaliger Küster der Pfarrgemeinde, kam zeitgleich mit seinem Rad angefahren.

Entsetzt stehen die beiden vor der leeren Vitrine als Pfarrer Wernsmann und Küsterin Monika Badde dazukommen. „Die haben die Blende gelöst und genau richtig reingefasst, damit sich das Türchen öffnet“, erkennt Robert Badde sofort.

Die Polizei ist schnell am Tatort. Dank der Zeugen wird nach einem schwarzen Mercedes-Kombi mit dem Kennzeichen „HB“ für Hansestadt Bremen gesucht. „Der Wagen ist Richtung Emsdettener Straße davongefahren“, berichtet eine der Zeuginnen. Ein bisschen beschreiben kann sie die Männer auch. Einer hat eine Mütze getragen. Und miteinander gesprochen haben sie: „Das war auf keinen Fall Deutsch.“ Als sie raschen Schrittes aus der Kirche kamen, hatte keiner der Männer offensichtlich das mit Gold belegte und Edelsteinen besetzte Kreuz in der Hand, da ist sich die Zeugin sicher. Vermutlich habe einer den Kunstschatz unter seiner Jacke versteckt gehabt.

Pfarrer Heinrich Wernsmann und Küsterin Monika Badde schauen schweigend den Spezialisten der Spurensicherung zu. Vielleicht gibt es ja Fingerabdrücke? Doch dazu wollen die Beamten vorerst nichts sagen. Genauso wenig wie der Pfarrer, wenn es um den Wert des Reliquienkreuzes geht: „Der lässt sich nicht beziffern.“ Auch über die Versicherungssumme möchte der Pfarrer nicht gerne reden. Schließlich muss die Pfarrgemeinde die Prämie auch aufbringen können. „Sechs bis sieben Millionen Euro“, das könnte passen, sagt Wernsmann. Allerdings nur, wenn das Kreuz auf Reisen geht und in Ausstellungen zu sehen ist.

Monika Badde kämpft noch immer mit den Tränen. Der Schock sitzt bei ihr tief: „Da hat das Kreuz mehrere Kriege überstanden und nun ist es weg.“ Die Nachricht von dem spektakulären Kunstdiebstahl verbreitet sich blitzschnell in der Stadt. Immer mehr Gemeindemitglieder kommen in die Pfarrkirche, um nachzuschauen, ob das Unglaubliche stimmt, was im Ort erzählt wird.

► Die Polizei bittet Zeugen, die Hinweise geben können, sich unter Telefon 0 25 51/15 41 15 zu melden. Sie fragt: Wer hat den schwarzen Mercedes gesehen? Wer kann Angaben zu den 25 bis 30 Jahre alten Männern machen?

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