Joachim Frank und sein Buch „Wie kurieren wir die Kirche?“
Keine strenge Gouvernante

Burgsteinfurt -

Der gebürtige Burgsteinfurter und studierte Theologe Joachim Frank kommt am 21. Januar in die Buchhandlung Brümmer & Woltering, Steinstraße 15, und stellt sein Buch „Wie kurieren wir die Kirche?“ vor. Mit WN-Redakteurin Gudrun Niewöhner sprach der heute als Journalist tätige 48-Jöhrige im Vorabinterview über die Botschaft seines Buches.

Freitag, 17.01.2014, 20:01 Uhr

Er hat Hoffnung, weil die Kirche ihm am Herzen liegt. Joachim Frank , in Burgsteinfurt groß geworden, hat sich in seinem ersten Buch mit der Frage beschäftigt: „Wie kurieren wir die Kirche?“ Bei der Suche nach Antworten helfen dem 48-jährigen Journalisten und Theologen, der verheiratet ist und in Köln lebt, Frauen und Männer, die sich in der Kirche auskennen. Über die Botschaft seines Buches und was die Kirche für ihn bedeutet, sprach WN-Redakteurin Gudrun Niewöhner mit dem ehemaligen Priester des Bistums Münster.

Sie fragen in Ihrem Buch: „Wie kurieren wir die Kirche?“ Woran krankt die Kirche denn überhaupt? Und gibt es ein Allheilmittel?

Joachim Frank: Leider nein. Ihre Krankheiten, besser gesagt, die Reizthemen, wir kennen sie alle: Pflichtzölibat, Priesteramt für Frauen, Ausschluss Wiederverheirateter von den Sakramenten. Als mein Verleger, Alfred Neven DuMont, kurz nach der Wahl von Papst Franziskus seine Idee eines Buches an mich herantrug, war ich anfangs eher zögerlich. Ich dachte, über die Zukunft der Kirche ist das Allermeiste längst geschrieben.

Warum haben Sie sich doch des Themas angenommen?

Frank: Weil ich das „Wir“ spannend fand. Nicht einer alleine kann etwas verändern, schon gar nicht von oben bestimmen. Das Buch lässt interessante Menschen zu Wort kommen zu lassen, die verantwortlich mit und in der Kirche leben. So steht es auch in der Bibel: „Lasst euch aufbauen zu einem Haus aus lebendigen Steinen.“ Einige meiner Interviewpartner kannte ich bereits vorher persönlich, wie den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Aber auch die anderen haben mir dankenswerter Weise mit großer Offenheit geantwortet.

Papst Franziskus überrascht mit seiner unkonventionellen Art. Glauben Sie, er wird den Vatikan und damit die Weltkirche reformieren, vielleicht sogar revolutionieren?

Frank: Ich bin mir da nicht ganz sicher. Vieles, was er macht, hat starke Symbolkraft. Er spricht eine neue Sprache. Doch was er wirklich will, wo es mit ihm hingehen wird, das vermag ich noch nicht zu beurteilen. Ich denke nicht, dass er den Pflichtzölibat aufheben oder Wiederverheiratete generell zu den Sakramenten zulassen wird, nur um zwei Beispiele zu nennen. Aber seine Haltung zu den bekannten Reizthemen ist eine andere. Er sieht immer auch den Einzelfall. Er versucht, sich einzufühlen. Ein bisschen habe ich die Sorge, dass ihm mit seinen 77 Jahren die Zeit für große Veränderungen fehlt.

Sie fordern drei Attribute von der Kirche: Glaubwürdigkeit, Realitätssinn und Bescheidenheit.

Frank: Nichts trifft die Kirche mehr als der Vorwurf der Scheinheiligkeit, so hat es der Trierer Bischof Stephan Ackermann formuliert. Das lässt sich auch auf Standards übertragen, die zwar längst in der Gesellschaft gelten, aber in der Kirche immer noch nicht fest verankert sind, wie die Gleichberechtigung der Frau.

Was ist mit Realitätssinn?

Frank: Die Kirche muss die Welt so sehen, wie sie ist.

Und Bescheidenheit?

Frank: Damit meine ich mehr als nur den Lebensstil des Papstes, den „Bergoglio-Chic“. Bescheidenheit bedeutet für die Kirche auch, sich insgesamt zurückzunehmen, die Kirche darf keine strenge Gouvernante sein. Sie sollte eine positive Lebensbegleiterin sein.

Sie haben unter anderem in Rom Theologie studiert, wurden dort zum Priester geweiht. Inzwischen sind Sie verheiratet, arbeiten als Journalist in Köln. Haben Sie mit der Kirche gehadert?

Frank: Nein. Als Priester aufzuhören, das war meine ganz persönliche Entscheidung. Ich sage schon auch: das Scheitern an einem Entwurf für mein Leben, für das nicht die Kirche verantwortlich ist. Ich bin aus Überzeugung Priester geworden im Wissen um die damit verbundenen Verpflichtungen. Gerne wäre ich im Amt geblieben, wenn ich in einer Partnerschaft hätte leben dürfen. Mein Verbundenheit mit der Kirche ist geblieben. Ich bin heute mit ihr und mit mir im Reinen.

Was bedeutet die Kirche heute für Sie?

Frank: Man darf die Kirche nicht auf Moralpredigt reduzieren. Sie ist eine Gemeinschaft im Glauben an Gott, der von der Angst befreien, Geborgenheit geben, letztendlich das Leben gelingen lassen will. Zu alledem kann die Kirche beitragen.

Zum Thema

Am Dienstag (21. Januar) stellt Joachim Frank sein Buch „Wie kurieren wir die Kirche?“ bei Brümmer & Woltering in Burgsteinfurt, Steinstraße 15, vor. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro. Es wird um eine Anmeldung gebeten.

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