„Eisblumen“ in der Stadtbücherei
Frostige Lesung

Burgsteinfurt -

Zur Jahresauftaktveranstaltung im Jahr 2014 luden die Stadtbücherei in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Steinfurt am Wochenende zu einer Autorenlesung ins Weinhaus. Die drei lokalen Jung-Autoren David Wonschewski, Matthias Engels und Jan-Tobias Kitzel lasen dabei aus ihren Werken. Die Veranstaltung fand in Anlehnung an die Titel der Texte unter dem Motto „Eisblumen“ statt.

Montag, 27.01.2014, 14:01 Uhr

Es gibt sie also auch hier im Kreis. Junge Schriftsteller, die frei nach unserem Bundespräsidenten Joachim Gauck versuchen, die „Bürger der unsichtbaren Welt des Geistes“, zu erreichen.

Als Jahresauftaktveranstaltung fand am Sonntagnachmittag in der Stadtbücherei in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Steinfurt eine Autoren-Lesung statt. Die junge Gitarristin Ellen Speckjohann lockte mit Tangoklängen die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Vortragsbühne, bevor David Wonschewski, Matthias Engels und Jan-Tobias Kitzel das Publikum durch Werke unterschiedlichster Gattung führten.

Mit dem jüngsten Autor, Jan-Tobias Kitzel, Jahrgang 1980, Sohn von Monika Frieling, Leiterin der Stadtbücherei, startete der literarische Nachmittag „ Eisblumen .“

Science Fiction zu schreiben ergab sich für den passionierten Blogger aus der Mitarbeit an virtuellen Rollenspielen. Seine spannende, ins Mark gehende Geschichte „Froststurm“ spielt in einer neuen Eiszeit, die die Welt erfasst hat. Nur wenige Menschen überleben. Seine Protagonistin Britta und ihre Tochter Merlinda wollen nach Afrika. Kitzels Personen sind mit präziser Sprache und psychologischem Einfühlungsvermögen entworfen, sodass für den Hörer Einfühlung in das Szenario der Klimakatastrophe möglich ist.

Matthias Engels, 1975 geboren, ist vielen Zuhörern in der Stadtbücherei bekannt. Als gelernter Buchhändler arbeitet er bei Poertgen & Herder, nebenbei ist der in Borghorst wohnhafte Autor als Referent an der VHS in Steinfurt tätig.

Engels las aus einem Lyrikband, dessen Inhalt nach Bildern von Walter Brusius entstanden ist. Wie die Bilder sind auch die Texte Collagen, Zitate, Anspielungen und meist verschlüsselt: „Zum Glück wird alles dunkler unterm Licht“ oder eine andere Zeile: „. . . Dumpf fällt der Schnee auf das Trommelfell“. Zum Schluss gab es noch ein kleines Märchen, das sich als eine Ansammlung von Andeutungen rund um den Begriff Märchen entpuppte. Hier fiel es den Zuhörern schwer, sich spontan zu äußern.

Ganz anders bei dem letzten Autor, dem 1977 in Nottuln geborenen David Wonschewski. Seit Jahren lebt er in Berlin als Musikjournalist. Auch er entstammt der neuen Generation der Blogger.

Seine Hauptfigur ist ein depressiver Mann, der in Selbstreflexion seine Freitodsehnsüchte Preis gibt. Die Figur beobachtet und bewertet Menschen, Kollegen, Freunde. Teilweise zynisch, teilweise traurig und teilweise abwertend. Für den Zuhörer ist das eine Gratwanderung über Abscheu und Amüsement. Besonders das Frauenbild seines Helden scheint Störungen unterworfen zu sein. Die Art seiner fast szenischen Lesung, seine Form zu intonieren, seine Gestik und Mimik trugen jedoch sehr zur Unterhaltung bei. So fragte eine Zuhörerin sofort nach der Lesung: „Gibt es das auch als Hörbuch?“

Literatur- und Kunstfreunde erlebten einen dichten, zuhörenswerter Nachmittag, der nach Wiederholung ruft.

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