Karl Josef Laumann
Das Gesicht für die „kleinen Leute“

Rheine/Kreis Steinfurt -

Karl Josef wird Staatssekretär für Pflege und Patientenrechte und damit Mitglied der Bundesregierung. Seinem Image als Anwalt der kleinen Leute will er dabei ebenso treu bleiben wie seinem ehemaligen Wahlkreis. Dafür richtet er er sogar eine neue Sprechstunde pro Quartal ein, zusätzlich zu seiner „Offenen Tür“ am Sonntagvormittag zu Hause in Riesenbeck.

Montag, 03.02.2014, 17:12 Uhr

Die Entscheidung sei ihm schwer leicht gefallen, und wenn es nur darum gegangen wäre „mich aus Düsseldorf weg zu kriegen, hätte ich‘s nicht gemacht“, sagt Karl- Josef Laumann. Aber schließlich sei die Bundeskanzlerin „ja nicht irgendwer“ und so eindringlich sie ihn gebeten habe, das Amt eines Staatssekretärs für Pflege und Patientenrechte zu übernehmen – „Ich will, dass wir Dein Gesicht für die kleinen Leute haben“ – habe er nicht Nein sagen können und wollen.

Die „Frage der Pflege“, davon ist Laumann überzeugt, werde angesichts der demografischen Entwicklung eine immer wichtigere Rolle spielen. Deshalb habe ihn das neue Amt gereizt. Dass man von seinem Amtsvorgänger in der Vergangenheit so gut wie nichts gehört hat, wertet er als „Chance, das zu ändern.“ Bisher habe er sich mit Interviews noch zurückgehalten, habe erst einmal sein neues Büro aufgebaut, wichtige Leute kontaktiert und sich inhaltlich vorbereitet. Auch wenn er mit der Sozialpolitik vertraut sei, so habe er doch zuletzt in Düsseldorf andere Arbeits-Schwerpunkte gehabt.

Ob man ihn demnächst verstärkt in den Talkshows sehen werde? „Warten Sie‘s ab“, sagt Lauman, weiß aber, dass er den medialen Auftritt braucht, um „die öffentliche Debatte anzuschieben“, wie er seine Rolle sieht. Zumal er im Bundestag kein Rederecht hat, nur über die Gesetzesvorlagen des Gesundheitsministerium Einfluss nehmen kann.

Strebt er nochmals ein Bundestagsmandat an? Da wolle er „nie Nie sagen“, gesteht Laumann, stellt aber auch „ganz klar“: „Ich werde Frau Karliczek nicht ihr Mandat nehmen. Das haben wir damals so entschieden und zu dieser Entscheidung stehe ich.“

Dass er aus heutiger Sicht damals, als Dieter Jasper nicht mehr antrat, besser für den Bundestag kandidiert hätte – Laumann wischt das weg, will lieber nach vorne schauen. Allerdings: So wie er damals auch aus Verantwortung für seinen Wahlkreis auf den Wechsel nach Berlin verzichtete, so ist ihm auch heute wichtig, dass er nach wie vor für den Wahlkreis da ist. „Die Leute können nach wie vor am Sonntag Vormittag bei mir zu Hause anrufen oder vorbei kommen“, sagt er. Und kündigt in seiner neuen Funktion eine zusätzliche Sprechstunde an, die einmal im Quartal stattfinden soll. Auftakt ist schon am Donnerstag ( 6. Februar) von 17 bis 19 Uhr in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Rheine, Bahnhofsstraße 10. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber unter 05971/50044 möglich. Bei konkreten Anliegen sollten Unterlagen mitgebracht werden.

„Er wird den Wahlkreis so beackern, als ob er noch im Landtag wäre“, freut sich die CDU-Kreisvorsitzende Christina Schulze Föcking, dass Laumann der Kreis-CDU als Aushängeschild erhalten bleibt. Und der ist entschlossen, auch ohne Mandat seinem Wahlkreis treu zu bleiben, ebenso wie dem Image als „Gesicht für die kleinen Leute“. In der Vergangenheit sei viel für die Ärzte und Fachärzte getan worden, meint er und kündigt an, dass jetzt das Pflegepersonal an der Reihe sei. Dessen Arbeitsbedingungen seien in Teilen Deutschlands „nicht akzeptabel“. Und: „Wir müssen Image, Bezahlung und Arbeitsbedingungen so gestalten, dass junge Leute nicht abgeschreckt werden.“ Sonst werde es unmöglich, die 600 000 zusätzlichen Pflegekräfte zu finden, die in der Zukunft gebraucht würden. Auch das Thema „Hausärzte auf dem Land“ steht ganz oben auf seiner Agenda. Es müssten mehr Ärzte ausgebildet werden, der Numerus Clausus dürfe nicht die Studienplatzvergabe entscheiden. Großen Einfluss habe der Bund bei diesen Themen allerdings nicht, gibt Laumann zu. Aber: Die Bevölkerung stehe hinter der Aufwertung des Pflege-Komplexes. Das zeige sich nicht zuletzt im fehlenden Protest gegen die Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung.

Wobei die Mehrheitsmeinung für Laumann nicht immer entscheidend ist. So lehnt er eine aktive Sterbehilfe, anders als die Mehrheit der Bundesbürger, entschieden ab, setzt eher auf eine „vernünftige Palliativmedizin“ und die Hospiz-Betreuung. „Ich will nicht, dass es Organisationen gibt, die Leuten helfen,ihr Leben zu beenden“, stellt er klar. Aber er weiß auch, dass es eine Grauzone gibt, in der „der Rechtsstaat schweigt“. Das solle auch so bleiben.

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