Evangelische Jugendhilfe schließt Bürostandort in Burgsteinfurt
Familienhilfe auf dem Rückzug

Burgsteinfurt -

Die Evangelische Jugendhilfe hat ihren Bürostandort der Sozialpädagogischen Familienhilfe am 30. April in der Kupferstraße aufgegeben. Ein wirtschaftlicher Betrieb dieses Hilfsangebotes für einen Flächenkreis ist an diesem Standort nicht mehr möglich.

Montag, 19.05.2014, 20:05 Uhr

Nachdem sie sich in den vergangenen zwei Jahren zunächst aus Ochtrup und dann auch aus Borghorst zurückgezogen hat, gibt die Evangelische Jugendhilfe Münsterland nun auch ihren ältesten Bürostandort für ihr Angebot Sozialpädagogischer Familienhilfe an der Kupferstraße in Burgsteinfurt auf. Die elf Mitarbeiter, die bislang im Steinfurter Einzugsbereich Familien nicht nur in Erziehungsfragen, sondern ihnen auch in weiteren Problemlagen wie bei Arbeitslosigkeit, starker Verschuldung, psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen geholfen haben, konnten in anderen Aufgabenbereichen der Gesellschaft untergebracht werden. Gerd Dworok ist froh, dass wenigstens keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden mussten. Der Geschäftsführer der Jugendhilfe kündigte gestern in einem Pressegespräch an, dass der Träger dennoch auch weiterhin umfangreiche und unterschiedliche Unterstützungsangebote für Familien vorhalten und durchführen werde. Diese würden dann allerdings von anderen Projektstandorten koordiniert und geplant.

Insbesondere der deutliche Rückgang an Fällen und die nachlassende Anfragesituation durch das Kreisjugendamt hätten zu diesem, wie Dworok und seine pädagogische Leiterin Brigitte Lysk bedauerten, schmerzhaften Schritt geführt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei eine Fortsetzung der Arbeit dieses Fachdienstes aber nicht länger möglich gewesen. Damit würde so etwas wie die Keimzelle der Familienhilfe aufgegeben, die seit Mitte der 1980er Jahren im Auftrag des Kreisjugendamtes mehrere hundert Familien, Kinder und Jugendliche begleitet und unterstützt habe. Eingebettet in ein Netzwerk der sozialen Hilfsangebote vor Ort sei es den sozialpädagogischen Fachkräften in vielen Fällen gelungen, die betreuten Familien wieder zu befähigen, ihre Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen.

Tilmann Fuchs , Leiter des Kreisjugendamtes, würdigte im Verlauf des Gesprächs wiederholt Qualifikation und Kompetenz der Jugendhilfe und zeigte Verständnis für die allgemein schwierige Situation. Betroffen sei noch ein weiterer großer Träger in Steinfurt. Insgesamt waren in diesem Arbeitsfeld bislang neun vergleichbare Anbieter tätig.

Fuchs erklärte, dass es Ziel der Kreispolitik und des Kreisjugendamtes mit einer 2012 vollzogenen Neustrukturierung und Systemumstellung gewesen sei, ein niedrigschwelliges Betreuungs- und Unterstützungsangebot näher an die eigenen Fachdienste im Kreishaus anzubinden. Dafür sei das Personal aufgestockt worden. „Wir wissen aber auch“, so fügte Fuchs an, „dass wir auch weiterhin auf die Einzelfallhilfe der bisherigen Träger angewiesen sind.“

Ein wirtschaftlicher Betrieb war an diesem Standort nicht mehr möglich.

Gerd Dworok

Wir wissen, dass wir weiter die Einzelfallhilfen durch die Jugendhilfe brauchen.

Tilmann Fuchs
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2461407?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F2591415%2F2591418%2F
So will das Münsterland die Raupenplage bekämpfen
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen.
Nachrichten-Ticker