Jugendhilfe sucht Pflegeeltern
Ein Ort der Geborgenheit

Steinfurt -

Die Evangelische Jugendhilfe sucht Familien, die bereits sind, ein Pflegekind aufzunehmen. Das Zusammenleben mit diesen Kindern ist manchmal schwierig, oft aber auch eine Bereicherung für das Leben – für die betroffenen Jungen und Mädchen allemal.

Donnerstag, 12.06.2014, 20:06 Uhr

Das Schicksal dieser Kinder macht betroffen. Die Familienstrukturen sind zerrüttet. Oftmals sind es Alkohol, Drogen , Gewalt und eine angeknackste Psyche, die nicht nur die Eltern, sondern auch die emotionalen Beziehungen zu ihren Kinder und damit deren Persönlichkeit zerstören. Ein halbwegs normales Aufwachsen ist für sie in diesem Milieu kaum möglich.

Die sehr persönlichen Geschichten, die Pflegeeltern gestern Vormittag im Verlauf eines Frühstücks im Kompetenzzentrum Pflegefamilien an der Kreuzstiege 11 in Burgsteinfurt (seit einem Jahr Standort der Evangelischen Jugendhilfe ) schilderten, vermitteln nur einen kleinen Eindruck, wie es wirklich um das Seelenleben dieser oftmals traumatisierten Kinder steht. Ohne Hilfe sind sie kaum in der Lage, ihrem Teufelskreis zu entfliehen.

Allein an den drei Standorten der Evangelischen Jugendhilfe in Burgsteinfurt, Hörstel und Coesfeld werden zurzeit rund 185 Pflegekinder in rund 140 Pflegefamilien betreut. „Die Nachfrage der Jugendämter steigt“, beschreiben die Sozialpädagogen Maria Weißberg, Willi Paulsen und Heidi Lütke-Uhlenbrock die Situation. Es wird immer schwieriger, Väter und Mütter zu finden, die bereit sind, für diese Kinder Verantwortung zu übernehmen.

Andrea und ihr Ehemann haben zum Beispiel vier Kinder aufgenommen, Martin und Frau einen Jungen und ein Mädchen, Bärbel und Wendel haben eine leibliche und eine Pflegetochter, Claudia ein Mädchen, das längst zur Familie gehört, wie alle anderen Mitglieder auch. Alle berichten davon, wie der „Rucksack“, den die Pflegekinder mitgebracht haben, zunächst eine schwere Last war. Aber das neue Zusammenleben, den Kindern wieder Sicherheit, verlässliche Bezugspersonen und einen geordneten Alltag zu bieten, sei auch eine Herausforderung und Bereicherung. „Wir haben es geschafft, als Familie zusammenzuwachsen“, sagt Andrea. „Die Entscheidung für ein Pflegekind stellt das eigene Leben noch einmal auf den Kopf“, fügt Martin an. „Wir sind gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen. Aber es lohnt sich, immer wieder zu kämpfen und ein Kind aufzunehmen“, macht Claudia Eltern Mut, die sich mit dem Gedanken beschäftigt haben, sich auf diesen Schritt einzulassen.

Wie andere Träger auch, bietet die Evangelische Jugendhilfe professionelle Hilfe an. Sie achtet darauf, dass die Kinder in die Familie und die Familien zu den Kindern passen. Die zukünftigen Pflegeeltern werden in einem Kurs auf die neue Situation vorbereitet. Die Angst vor einem Seelenstriptease sei völlig unbegründet, fügt eine Pflegemutter in diesem Zusammenhang an.

Es folgt eine Zeit der Anbahnung und des Kennenlernens, und wenn die Kinder dann einmal in den Familien aufgenommen worden sind, gibt es regelmäßige Angebote der Betreuung und Unterstützung sowohl für die Kinder als auch die Eltern, um Probleme zu lösen. „Das“, so sagt Wendel, „sind sehr hilfreiche Instrumente für alle, die täglichen Herausforderungen zu meistern.“

Zum Thema

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie man Pflegeeltern wird, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, welche Rechte und Pflichten damit verbunden sind, der ist von der Evangelischen Jugendhilfe zu einem Infoabend am 24. Juni (Dienstag) um 19 Uhr ins Kompetenzzentrum Pflegefamilien, Kreuzstiege 11, eingeladen. Weitere Infos gibt Maria Weißberg, Telefon 0 25 51/7 04 20 15 oder E-Mail an ­weissberg@ev-jugendhilfe.de.

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Die Entscheidung stellt das eigene Leben noch einmal auf den Kopf.

Martin

Es lohnt sich, immer wieder zu kämpfen und ein Kind aufzunehmen.

Claudia
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