Frauengruppe im Türkischen Erziehungszentrum
Hinter der Gardine

Borghorst -

Männer- und Damenwelt sind klar voneinander getrennt. Durch einen weißen, halb durchsichtigen Vorhang mitten im großen Versammlungsraum. Jeden Mittwochnachmittag wird er zugezogen. Nicht aus Mentalitätsgründen.

Donnerstag, 30.10.2014, 16:10 Uhr

Einmal in der Woche sind die türkischen Frauen im TEZ unter sich. Und dabei wird nicht nur gekockt oder gebacken. Die Damen haben sich auch eine Menge zu erzählen.
Einmal in der Woche sind die türkischen Frauen im TEZ unter sich. Und dabei wird nicht nur gekockt oder gebacken. Die Damen haben sich auch eine Menge zu erzählen. Foto: Axel Roll

„Nein, wir wollen einfach unter uns sein, und auch mal in Ruhe über die Männer quatschen“, zwinkert Emine Kaya vielsagend. Die Türkin ist jede Woche im Türkischen Erziehungszentrum am Kroosgang. „Unsere Gruppe ist für viele so etwas wie Familie“, erläutert die Türkin, die vor 30 Jahren ihre Heimat verlassen und nach langen Jahren in den Niederlanden jetzt in Borghorst lebt.

Eine Frauengruppe in einem türkischen Begegnungszentrum? „Das ist nichts Außergewöhnliches mehr“, betont Hatun Ensan . „Es ist schon lange nicht mehr so, dass die Türkinnen nur zu Hause sitzen und Fernsehen gucken.“ Kochen, backen, aber auch feiern oder einfach nur quatschen – die Aktivitäten der bis zu 30 Frauen unterscheiden sich unwesentlich von denen ihrer deutschen Geschlechtsgenossinnen. Dabei ist das TEZ in einem Punkt doch ganz wesentlich anders als vergleichbare deutsche Einrichtungen. „Hier werden die türkischen Traditionen gepflegt“, sagt Emine Kaya. Das sei besonders für die Kinder wichtig, die natürlich an diesen Nachmittagen auch immer mit dabei sind. „Zu Hause werden unsere Feiertage meistens nicht mehr begangen. Das machen wir hier“, so die Wahl-Borghorsterin. Beispiel: das türkische Kinderfest am 23. April. An dem Tag wird im TEZ gesungen, getanz und es werden Geschichten vorgelesen. Und natürlich gibt es für die Kleinen Berge von süßen Überraschungen.

Im Sommer ist der Garten am Kroosgang bei den Besucherinnen besonders beliebt. Sevcan Öperli schwärmt: „Viele Freundinnen haben zu Hause keinen Balkon oder einen Garten. Darum grillen wir hier dann immer gerne.“ Aber auch an diesem nasskalten Mittwoch zieht der Geruch von gebratenem Fleisch durch den Raum. Kebab-Spieße liegen draußen unter dem Abdach auf dem offenen Feuer. Daneben backen die Frauen Fladenbrot – was von den Kindern lieber mit Nutella als mit Fleisch gegessen wird.

„Wir hoffen natürlich alle, dass uns das TEZ noch lange erhalten bleibt“, drückt Hatun Ensan die Sorge der türkischen Familien aus. Die Stadt wollte das Gebäude ursprünglich einmal verkaufen. Der türkische Verein musste aus finanziellen Erwägungen einen Rückzieher von seiner Kaufabsicht machen. Jetzt ist eine Nutzung als Asylbewerberunterkunft im Gespräch. Die türkischen Frauen hoffen darauf, dass ihre kleine Welt hinter dem weißen Vorhang trotzdem noch lange für sie erhalten bleibt.

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