Türkisches Erziehungszentrum fürchtet um das Vereinshaus am Kroosgang
Hoffen auf „Papa Bürgermeister“

Borghorst -

„Der Bürgermeister ist unser Papa, er wird uns schon irgendwie helfen.“ Ergün Ensan macht nach außen hin in Zweckoptimismus. Aber eigentlich geht es dem Vorstandsmitglied des Türkischen Erziehungszentrums (TEZ) wie allen Vereinsmitgliedern. Sie machen sich große Sorgen um ihre Zukunft.

Dienstag, 18.11.2014, 17:11 Uhr

Der TEZ-Vorstand und Reinhard Hülsmann (l.) von den „Eifrigen“ wollen für den Erhalt des TEZ-Hauses kämpfen.
Der TEZ-Vorstand und Reinhard Hülsmann (l.) von den „Eifrigen“ wollen für den Erhalt des TEZ-Hauses kämpfen. Foto: l

„Das Haus hier ist ein Stück Heimat für uns“, sagt Vorsitzender Senol Kocöz . Und dieses Stück Heimat ist in ihren Augen Gefahr. Die Stadt als Eigentümerin der Immobilie am Kroosgang 41 hat zwar die Gedanken an Verkauf schon wieder verworfen. Aber die Nutzung als Asylbewerberunterkunft, die steht im Raum. „Entschieden ist aber noch nichts“, betont Andreas Meyer aus der Kämmerei. Und aktuell sei auch keine Kündigung in Vorbereitung. Das bestätigte auf Anfrage auch die Erste Beigeordnete Maria Lindemann. „Und sollte es irgendwann einmal akut werden, suchen wir natürlich nach einer Lösung für den Verein.“ Generell bemühe sich der Stadt, die Asylbewerber in Wohnungen dezentral unterzubringen. Sie will jetzt das Gespräch mit dem TEZ suchen, um den „Mitgliedern Ängste zu nehmen“.

Für die Türken wäre der Verlust ihres Vereinsheimes zum jetzigen Zeitpunkt besonders bitter. Ergün Ensan: „Wir haben es gerade geschafft, Ordnung in das TEZ zu bringen. Die Leute kommen wieder gerne. Das Haus ist für viele Familien Anlaufstelle Nummer eins.“ Das war nicht immer so, wie er betont. Der alte Vorstand habe die Zügel schleifen lassen, jahrelange wurden weder Miete noch Nebenkosten an die Stadt gezahlt.

„Damit ist aber lange Schluss“, so Senol Kocöz. Von den 13 000 Euro Schulden habe der Verein nach drei Jahren schon 9000 Euro zurückgezahlt. „Und wenn wir nicht so hohe Energiekosten wegen mangelnder Isolierung zahlen müssten, wären wir schon viel weiter.“

Der Verkauf des Hauses, Preis 141 000 Euro, ist vor einigen Monaten geplatzt. 14 Geldgeber hatte der TEZ-Vorstand zusammengetrommelt. „Die Stadt ist uns aber null entgegengekommen“, ärgert sich der Vorsitzende. Weder bei den Preisverhandlungen noch bei den Gesprächen, bei denen es zum Beispiel nur darum ging, Pläne von dem Haus zu bekommen. „Das allein hat vier Monate gebraucht“, so Senol Kocöz.

45 Jahre existiert das Türkische Erziehungszentrum , damals gegründet von Textilarbeitern. Seit 1980 nutzen die Mitglieder das Haus am Kroosgang. „Die zentrale Lage und der große Garten, den wir zum Grillen nutzen können, sind für uns zwei entscheidende Gründe, dass wir nicht ausziehen wollen“, so Ergün Ensan.

Stolz ist der Vorstand auf die Tatsache, dass er trotz des finanziellen Engpasses viel für die Familien tun konnte. Senol Kocöz: „Es kommen nicht nur Männer. Wir feiern mit den Familien hier unsere Feste, außerdem haben die Frauen mittlerweile einen festen Termin, um hier zu kochen und sich ungezwungen zu unterhalten.“

Betroffen von einer Aufgabe des Hauses wäre auch noch zweiter Verein: „Die Eifrigen.“ Seit drei Jahren sind die Fahrradfreunde um Reinhard Hülsmann Untermieter im TEZ. „Wir pflegen hier eine super Nachbarschaft“, betont der Vorsitzende der Pedalritter.

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