Puppenabteilung des Landschulmuseums
Der Zauber des Kindlichen

Burgsteinfurt -

Susi, Marie, Moni, Brigitte und weitere vornehme „Damen“ – sie alle sitzen dekorativ auf Sofas, auf Bänken und Sesseln oder sind mit häuslicher Arbeit beschäftigt. Der Besucher in der Puppenabteilung oberhalb der Schulklasse des Landschulmuseums Sellen tritt in eine ganz eigene Welt. Eine Welt, die verzaubert.

Freitag, 02.01.2015, 22:00 Uhr aktualisiert: 05.01.2015, 15:26 Uhr

Annegret Arning ist die Schöpferin dieses einzigartigen Mikrokosmos, sie hat ihre Puppensammlung von einigen hundert Exemplaren dem Förderverein des Museums zur Ausstellung zur Verfügung gestellt. Im Puppenraum, in den ein Großteil ihrer Lieblinge eingezogen ist, herrscht drangvolle Enge. Dass die Sammlerin einen Blick für Puppengesichter hat und „was draus macht“, sieht man den vielen Exemplaren an. „Sie stellen das Leben der Kinder der unteren und der Mittelschicht dar. Damals wie heute hatte Spielzeug vor allem einen pädagogischen Wert. Spielend sind die Kinder in ihre zukünftigen Rollen eingewiesen worden“, weiß Annegret Arning.

Kein Zweifel, ihre Sammlung hat einen kulturhistorischen Anspruch. Ausgehend vom Biedermeier über den Jugendstil bis in die Neuzeit dokumentiert die Präsentation den Wandel des Wohnstils und gibt ein anschauliches Bild bürgerlichen Familienlebens in dieser Zeit. Die ältesten Puppen sind aus der Zeit um 1900. „Sobald wir die Tür zur Puppenabteilung für die Besucher öffnen, hören wir ein staunendes ,O‘. Sie sind begeistert von der Puppenvielfalt“, erzählt die „Puppenmutter“.

Auf einen Prinzen, der es wach küsst, scheint das Puppenmädchen mit den großen Augen zu warten. Wer sich von dem niedlichen Puppenkind mit den langen goldblonden Kringellocken und den roten Wangen ins Reich der Fantasie entführen lässt, glaubt die unbewegliche Gestalt fröhlich herumtollen zu sehen. Charakterpuppen erinnern an den Zauber und Charme vergangener Kindheitsträume. Puppenmädchen, schick herausgeputzt in einem rosa Samtmantel, die Hände in weißen Muff gesteckt, mit Gretchenfrisur und mit einer Spitzhaube, die nach alten Vorlagen angefertigt wurden, schauen die Besucher an. Lausbuben albern ausgelassen.

„Die meisten Besucher blicken nach einer Führung ungläubig auf die Uhr – und haben ein Lächeln auf den Lippen“, berichtet Arning. Wer die Puppen anschaut, müsse automatisch lächeln, weil sie immer gute Laune verbreiten und Kummer und Sorgen vertreiben, weiß Arning und ergänzt: „Jede Puppe hat ihr eigenes Gesicht.“ Mundwinkel, Augenaufschlag, Grübchen, Gesichtsfalten, darauf kommt es laut der Sammlerin an. „Das Gesicht muss mir gefallen, es muss alles miteinander harmonieren.

Jede Puppe sei ein Unikat. Natürlich müssten die Knirpse gepflegt und in der Mode der Zeit gekleidet werden. Bei Mädchen ginge die Liebe zu Puppen meistens schon im Kinderalter los. „Mit vier Jahren fing meine Sammelleidenschaft an“, erinnert sich die „Puppenmutter“ und gesteht: „Viele Leute wissen, dass ich eine leidenschaftliche Sammlerin bin, und den Fundus fast jedes Jahr um einige Bereiche erweitere. Die meisten meiner Puppen können nicht sprechen, aber durch ihre lebendige Einbeziehung in kleine künstliche Wohnwelten dennoch viel sagen.“

Zum Thema

Wer einen Blick in die Puppenwelt werfen möchte, ist im Sellener Landschulmuseum willkommen. Weitere Infos und Terminvereinbarung bei Annegret Arning, Telefon 0 25 51/54 18, Heinz Epker, Telefon 0 25 51/ 45 24 oder Wilhelm Bocker, Telefon 0 25 51/38 33.

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