Regionalwährung
Plädoyer für den Landtaler

Steinfurt/Kreis Steinfurt -

Mit einer Regionalwährung wollen die Bürgermeister der Gemeinden Steinfurt, Horstmar und Laer Kaufkraft in der Region binden.

Dienstag, 28.04.2015, 17:04 Uhr

Der Landtaler  (oben rechts) wäre der bessere „Chiemgauer“: Davon sind die Bürgermeister (v.l.) Detlev Prange, Andreas Hoge und Robert Wenking überzeugt, ebenso wie Ulrich Ahlke, Leiter des Amts für Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt. Ganz rechts: Christian Gelleri, Erfinder des Chiemgauers.
Der Landtaler  (oben rechts) wäre der bessere „Chiemgauer“: Davon sind die Bürgermeister (v.l.) Detlev Prange, Andreas Hoge und Robert Wenking überzeugt, ebenso wie Ulrich Ahlke, Leiter des Amts für Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt. Ganz rechts: Christian Gelleri, Erfinder des Chiemgauers. Foto: Achim Giersberg

Robert Wenking, Bürgermeister der Stadt Horstmar brachte es auf den Punkt: „Es geht um regionale Wertschöpfung und Kaufkraftbindung und es geht um regionale Identität“. Und Landrat Tomas Kubendorff, der sich als Verweigerer von Online-Einkäufen outete, pflichte ihm bei: „ Landtaler , das klingt ein bisschen verschnarcht, hat aber viele Vorteile.“ Eine regionale Parallel-Währung, darin war sich die große Mehrheit der Teilnehmer eines Infoabends im Steinfurter Martin-Luther-Haus am Montagabend einig, könnte dem ländlichen Raum neue Perspektiven geben.

Mit Andreas Hoge , Bürgermeister der Stadt Steinfurt und Detlev Prange, Bürgermeister von Laer, hat Wenking zwei Mitstreiter, die ebenfalls entschlossen sind, das Experiment Regionalwährung umzusetzen. Notfalls auch ohne den unterstützenden Rahmen eines LEADER-Projekts, besser aber mit dem LEADER-Segen. Dann könnte sogar ein professionelles Management für das Regionalgeld eingesetzt werden. Ideal wäre auch eine breitere Beteiligung, idealerweise des gesamten Südkreises.

In der Praxis kann sich das Bürgermeister-Trio so einige unkonventionelle Maßnahmen vorstellen. Zuschüsse an Vereine, so Hoge, könnten in Landtalern (so der Arbeitsbegriff für die neue Währung) ausgezahlt werden. Vorteil: Das Geld bleibt vor Ort. Vom Wunsch nach beispielsweise neuen Sportschuhen profitiert der Händler vor Ort und nicht das nächste Oberzentrum oder ein Online-Dienst. Wenking kann sich sogar den Verkauf von städtischen Grundstücken auf Landtaler-Basis vorstellen. Die Kommunen ihrerseits könnten Landtaler als Zahlungsmittel akzeptieren – für die Grundsteuer wie fürs Parkknöllchen. Das würde entscheidend dazu beitragen, einen Markt für die neue Währung zu schaffen.

Und wäre ein wichtiger Unterschied zum „Chiemgauer“ (CH), ein im Süden Oberbayerns seit 13 Jahren etabliertes Regionalgeld, Christian Gelleri, Erfinder des „Chiemgauers“ hatte zwar ausführlich Entstehungsgeschichte und Funktionsweise des Chiemgauers vorgestellt, so richtig konnte er das fast hundertköpfige Publikum aber nicht überzeugen. Auch, weil der CH auf rein ehrenamtliche Strukturen ohne jegliche politische Unterstützung setzt.

Auch der „eingebaute Alterungsprozess“ des CH stieß auf Skepsis. Alle drei Monate muss die Gültigkeit des CH mit einer Wertmarke verlängert werden. So soll erreicht werden, dass die CH schnell wieder ausgegeben werden und den regionalen Kreislauf von Kaufen und Verkaufen beschleunigen. Als sinnvoll erachtet wurde dagegen die Umtauschgebühr von fünf Prozent, die anfällt, wenn CH in Euro getauscht werden und von der drei Prozent als Spende an Projekte oder Vereine gehen, zwei Prozent für das Management verwandt werden. Ein solches Vorgehen könnte auch beim Landtaler greifen. Ziel ist es, eigene Kreisläufe und Anreize für die Regionalwährung zu schaffen. Rein rechtlich gesehen wären Chiemgauer wie Landtaler übrigens Gutscheine.

In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmer Chancen, Risiken und Startbedingungen für den Landtaler. Ein Vorschlag war, den Landtaler-Begriff als Dachmarke einzuführen: Landtaler-Brot, Landtaler-Bier, Landtaler-Wurst wäre ebenso möglich wie eine örtliche Differenzierung: Steinfurt-Landtaler, Saerbeck-Landtaler etc. Marketingvereine und „prominente Gesichter“ könnten in eine Landtaler-Kampagne eingebunden werden. Sogar ein bargeldloser-Zahlungsverkehr mit Landtalern könnte mit Hilfe von Sparkassen und Volksbanken ermöglicht werden.

Eine Arbeitsgruppe soll jetzt die weiteren Schritte planen: Vor allem Unternehmer und Einzelhändler sind eingeladen, sich zu beteiligen. Kontakt: Kristin Neumann, Telefon 02551/69 21 23 oder Emailkristin.neumann@kreis-steinfurt.de.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3222131?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F4852168%2F4852177%2F
Akono trifft für Preußen beim 1:0-Heimsieg über Großaspach
Fußball: 3. Liga: Akono trifft für Preußen beim 1:0-Heimsieg über Großaspach
Nachrichten-Ticker