Umstrittenes Pflanzengift
„Glyphosat muss vom Markt genommen werden“

Westladbergen/Kreis Steinfurt -

Das Pflanzengift Glyphosat, Wirkstoff vieler Unkrautvernichtungsmittel, sei für die menschliche Gesundheit gefährlicher als bisher angenommen plädierte jetzt in Westladbergen die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Krüger von der Uni Leipzig für ein Verbot der Chemikalie.

Freitag, 08.05.2015, 16:05 Uhr

Seit vielen Jahren forscht die Veterinärmedizinerin und Bakteriologin Prof. Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig über Glyphosat und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Wirkstoff vieler Unkrautvernichtungsmittel alles andere als ungefährlich ist.
Seit vielen Jahren forscht die Veterinärmedizinerin und Bakteriologin Prof. Dr. Monika Krüger von der Universität Leipzig über Glyphosat und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Wirkstoff vieler Unkrautvernichtungsmittel alles andere als ungefährlich ist. Foto: Achim Giersberg

Autismus, Fettsucht, Demenz, Zöliakie, Morbus Crohn, Nierenversagen, Krebs und eingeschränkte Fruchtbarkeit: Bei all diesen (und noch mehr) Krankheiten spielt Glyphosat , Wirkstoff in „Roundup“ und vielen anderen Unkrautvernichtungsmitteln, eine entscheidende Rolle. Das zumindest behauptet die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Krüger .

Es fällt schwer, ihr das nicht zu glauben. Die Leiterin des Instituts für Bakteriologie und Mykologie an der Universität Leipzig und anerkannte Glyphosat-Expertin, kann jede Aussage mit der entsprechende Quelle belegen, zu vielem hat sie selbst geforscht. Und immer mehr unabhängige Einrichtungen bestätigen ihre kritische Sicht des weltweit meistgenutzten Breitband-Herbizids. So stufte erst vor wenigen Wochen die Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeigend beim Menschen“ ein.

Am Donnerstagabend referierte Krüger auf Einladung der Vereine „Ecovillage“ und „Regionale Landwirtschaft Münsterland“ im Hotel Stegemann in Westladbergen über das umstrittene Pflanzengift . Rund 150 Zuhörer füllten den Saal bis auf den letzten Platz und wurden mit einem detaillierten, sehr wissenschaftlich ausgerichteten 90-minütigem Vortrag gefordert.

Der Wirkstoff Glyphosat, seit 2000 nicht mehr patentgeschützt, wird heute hauptsächlich in China produziert und ist weltweit das meistverbreitete Pestizid. Alleine in Deutschland kommen jedes Jahr über 6000 Tonnen zum Einsatz – in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in Kleingärten, auf Terrassen und Wegen. Sogar zur Beschleunigung der Erntereife von Getreide und Kartoffeln wird der Stoff benutzt.

Über die Äcker, vor allem aber durch den Import von genveränderten Futtermitteln (die gegen Glyphosat resistent sind und damit den großflächigen Einsatz des Gifts erlauben) gelangt es in die Nahrungskette. 70 Prozent der Deutschen, so Krüger, hätten das Zellgift Glyphosat im Urin. Auch bei Tieren verursache die Chemikalie Fehlgeburten und Missbildungen, sei höchstwahrscheinlich für die Botulismus-Krankheit bei Rindern verantwortlich. Sogar über die Luft und den Regen werden das Gift verteilt.

„Glyphosat muss vom Markt genommen werden. Wir müssen einen Weg finden, eine pestizidfreie Landwirtschaft zu etablieren“, zog Prof. Krüger schließlich ein Fazit. Immerhin: Die Grünen bemühen sich derzeit in einigen Bundesländern um ein Verbot der Substanz. Und spätestens seit der WHO-Alarmmeldung ist auch die breitere Öffentlichkeit aufgeschreckt. Bis zum Jahresende läuft die 2002 erteilte EU-Zulassung aus. Glyphosat-Gegner hoffen, dass auch das Bundesamt für Risikobewertung im Lichte neuer Erkenntnisse seine bisherige Einschätzung revidiert, dass Glyphosat unterhalb gewisser Grenzwerte gesundheitlich unbedenklich sei.

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