Münsterland-Sparkasse
„Nein“ zur Fusion mit der Domstadt

Kreis Steinfurt -

Aus dem Kreis Steinfurt kommt ein klares „Nein“ zu Plänen für eine Münsterland-Sparkasse, nachdem es anscheinend bereits Avancen aus Münster an die Verbundsparkasse Emsdetten/Ochtrup gegeben hat. Die Vorstandsvorsitzenden der vier Sparkassen-Institute im Kreis senden damit ein klares Signal nach Münster.

Freitag, 07.08.2015, 16:08 Uhr

Fusion – ein Wort mit Potenzial für die Zukunft der Sparkassen. Fusion – auch ein Wort mit Sprengkraft. Spätestens seit die Sparkasse Münsterland-Ost (Hauptsitz Münster ) ihre Fühler aktiv in die Region ausstreckt und auf Partnersuche ist, herrscht Aufregung in den Vorstandsetagen. Auch im Kreis Steinfurt.

Kein Wunder: Hat Münster doch aktiv versucht, die Sparkasse Gronau zu schlucken. Durch eine Fusion mit der Sparkasse Westmünsterland Coesfeld/Borken wurde das verhindert. Avancen aus Münster soll es in mehrere Richtungen, unter anderem nach Emsdetten /Ochtrup gegeben haben. Dr. Peter Eckhardt , Vorstandsvorsitzender der dortigen Verbundsparkasse , bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es eine Fusions-Ansprache aus Münster gab. Und zwar auf der politischen Schiene: Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe hat seine Bürgermeisterkollegen Kai Hutzenlaub (Ochtrup) und Georg Moenikes (Emsdetten) kontaktiert. Was Dr. Eckhardt nicht wundert: „Es ist eine politische Entscheidung, was mit den Sparkassen passieren wird.“

Weil aber durch die münstersche Sparkassen-Offensive in Gronau „einiges an Porzellan zerschlagen worden ist“ hat es laut Eckhardt bisher keine Gespräche gegeben. Und das, obwohl man sich in Emsdetten in Sachen Fusion immer schon sehr offen zeigte: Mit Ibbenbüren gab es vor vielen Jahren Gespräche, in Richtung Rheine gleich zwei Mal intensive Bemühungen, die aber zurückgewiesen wurden. Und durch das Zusammengehen mit Ochtrup realisierte Emsdetten sogar die erste „Sprungfusion“ räumlich über ein fremdes Geschäftsgebiet hinweg von Sparkassen bundesweit. „Wir sind nicht fusionsfeindlich, reden muss man immer miteinander“, sagt Eckhardt. Er sieht sein Institut „sehr gut aufgestellt und für die nächsten fünf Jahre wirtschaftlich überlebensfähig.“ Sollte es perspektivisch um Fusionen gehen, könnte sich Eckhardt „veränderte Strukturen“ im Kreis vorstellen. Darüber hinaus jedoch nicht: „Wenn wir mit Münster fusioniert hätten, wären wir von der Landkarte verschwunden.“

Dem Thema Fusion kann man in Lengerich nichts abgewinnen: „Eine Münsterland-Sparkasse sehe ich nicht mal als Vision“, so beurteilt das Achim Glörfeld , der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse. Auch dort ist nichts zu holen für die Domstadt: „Regionalität, Dezentralität und Kundennähe sind das Fundament einer erfolgreichen Sparkasse“, sagt Glörfeld. In einer Münsterland-Sparkasse, die vom Geschäftsgebiet her zweimal so groß wie das Saarland wäre, könnte man davon nicht reden. So kann sich Glörfeld „nicht vorstellen, dass eine Sparkasse aus dem Kreis Steinfurt einer Lösung nähertritt, eine Partnerschaft außerhalb des Kreises einzugehen.“

Ähnlich sieht es Rainer Langkamp, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse. „Wenn es um Fusionsüberlegungen ging, war es bisher logisch, dass wir über den Kreis und die vier Sparkassen vor der Haustür sprechen. Nun gibt es aus Münster Angebote in unsere Region hinein.“ Eine neue Dimension: „Wenn versucht wird, aus dem Kreis eine Sparkasse herauszulösen entsteht ein Flickenteppich. Und irgendwann wäre dann eine Münsterland-Großfusion logisch.“

Aber Größe automatisch gleich Erfolg zu setzen, das Argument zieht für Langkamp nicht: „Ich bin davon überzeugt, dass aus Sicht des Kreises die Avancen aus Münster keinen Sinn machen. Sie erschweren nur alle möglichen Fusionsverhandlungen hier vor Ort. Bei einer Fusion würde die Power, soll heißen Mitarbeiter, Investitionen, Steuern oder Spenden aus der Region nach Münster gesaugt.“ Stattdessen möchte die Kreissparkasse künftig stärker mit anderen Häusern kooperieren: „Wir arbeiten an dem Ziel, die Einheit im Kreis Steinfurt zu intensivieren. Auch ohne Fusionen ist es möglich, durch Kooperationen Kräfte zu bündeln.“

Den Blick aus Rheine auf mögliche Fusionen im MS-Land formuliert Thomas Prochmann, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse, sehr deutlich: „Das mag eine Vision sein. Wir teilen das aber nicht. Wir wünschen uns keine große Einheit. Und wir brauchen auch keine Zentralität für unser Geschäftsmodell.“

Prochmann betont, dass Rheine als eines der erfolgreichsten Institute im Verband exzellent aufgestellt und wirtschaftlich erfolgreich ist. „Als ein Anhängsel einer Münsterland-Sparkasse würde neben Arbeitsplätzen ein Großteil der persönlichen Nähe für die Menschen und die Unternehmen vor Ort verloren gehen.“

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