Nitrat bedroht das Trinkwasser
„Billiges Fleisch oder teures Wasser“

Emsdetten/Kreis Steinfurt -

Noch ist die Nitratbelastung gering, dennoch sorgen sich die Stadtwerke Emsdetten langfristig um die Qualität des Trinkwassers. Vor allem die Gülle aus Massentierhaltung führe zu einer Belastung des Grundwassers. Widerspruch kommt von den Landwirten.

Freitag, 21.08.2015, 17:08 Uhr

Sauberes Trinkwasser ist bei uns eine Selbstverständlichkeit, doch wie lange noch? Die Nitratbelastung steigt
Sauberes Trinkwasser ist bei uns eine Selbstverständlichkeit, doch wie lange noch? Die Nitratbelastung steigt Foto: dpa

Die 3,5 Millionen m³ Wasser, das die Stadtwerke Emsdetten jährlich 70 000 Kunden in Emsdetten, Laer, Horstmar, Schöppingen, Saerbeck und Metelen liefern, seien nur mit 2 mg Nitrat pro Liter belastet, also weit, weit unter dem Grenzwert von 50 mg/l. Trotzdem warnte Jürgen Schmidt , Geschäftsführer der Stadtwerke: „Wir machen uns zu recht Sorgen um das Trinkwasser .“ Verursacher sei die Landwirtschaft: „Fleisch wird exportiert, die Gülle bleibt hier“. Man müsse sich entscheiden: „Billiges Fleisch oder teures Wasser“.

Das sah Johann Prümers , der als WLV-Kreisvorsitzender am Donnerstag bei der Diskussion „Unser Wasser: sauber und sicher?“ die Sicht der Landwirtschaft vertrat, ganz anders. „Wir gehen nicht auf Masse, wir gehen auf Qualität“, verwies er auf die vorwiegend bäuerlichen Familienbetriebe im Kreis Steinfurt. Eine Landwirtschaft „wie vor 50 Jahren“ könne es heute aber nicht mehr geben, ebenso wenig wie die Betriebe auf den Export ihrer Produkte verzichten könnten. Dass von den Behörden bis zu 70 Prozent der Kreisfläche in Sachen Nitratbelastung als Risikogebiet bewertet würden, liege an der „Messstellenproblematik“, die, vereinfacht gesagt, belastete Brunnen höher bewerte als unbelastete. Seiner Einschätzung nach seien nur 30 Prozent der Fläche Risikogebiet – „immer noch zu viel“, wie er zugab. Aber: Die Landwirte arbeiteten generell „wassersensibel“, schon weil jede Überdüngung ja auch Geld koste. Prümers appellierte auch an die Geduld: Die Grundwasserkörper reagierten erst nach „10, 20 oder 25 Jahren Vorlaufzeit“. Die seit vielen Jahren bestehenden Wasserkooperationen zwischen Landwirten und Wasserwerken seien „der richtige Weg“.

Das bezweifelte Dr. Michael Harengerd vom BUND. In Ahaus etwa hätten solche Kooperationen „überhaupt nichts“ gebracht, die Nitratbelastung steige generell und natürlich sei die Massentierhaltung eine der Hauptursachen.

Die noch gute Qualität des Trinkwassers erklärte Martin Bäumer, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Emsdetten mit dem Schutz durch den Boden. Das darin enthaltene Eisensalz Pyrit wandele Nitrat in Härte um, die von den Wasserwerken über eine Enthärtungsanlage entfernt werde, was heute schon den Wasserpreis verteuere. Niemand könne aber sagen, wie lange dieser natürliche Bodenschutz noch funktioniere und ob es noch 5 oder 500 Jahre dauere, bis das Pyrit aufgebraucht sei. „Der Zusammenhang zwischen Nitrat im Wasser und Gülle ist nicht zu leugnen“, unterstützte ihn Schmidt. Nicht leugnen, aber doch relativieren, wollten das manche Stimmen aus dem Publikum: Nitrat werde auch beispielsweise durch die Kläranlagen in den Boden eingebracht. Sogar die Theorie wurde bemüht, die Wasserwerke selbst verursachten einen Teil der Nitratbelastung, weil sie durch die Wasserförderung und den Eintrag von Sauerstoff in die Lagerstätten „jahrmillionenalten fixierten Stickstoff“ zu Nitrat aktivierten.

Zwischen den rund 100 Diskussionsteilnehmern und dem Podium entspann sich so bald eine muntere, teilweise hitzige, zweistündige Diskussion. Dabei verliefen die Fronten weitgehend zwischen den SPD-Anhängern, die der Einladung der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik, SGK, zu dieser Veranstaltung gefolgt waren, und einigen Landwirten, die sich gegen „pauschale Verunglimpfungen“ wehrten.

Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen von der Uni Kassel, der in seinem Einführungsreferat auch die komplizierten und teuren Möglichkeiten einer technischen Nitrat-Reduzierung dagestellt hatte, appellierte am Ende an alle, den eingeschlagenen Weg des Dialogs und der Kooperation fortzusetzen. Das tat auch der eher zuhörende SPD-Landratskandidat Dr. Stefan Giebel, der ansonsten an die Landwirtschaft appellierte, verstärkt auf hochwertige Produkte zu setzen und auf Massentierhaltung zu verzichten.

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