Ende im Stiftskreuz-Prozess
Angeklagte spielen auf Zeit

Borghorst/Münster -

Dem Vorsitzenden Richter reicht, was er weiß. Schneller als geplant sollte deshalb der Stiftskreuz-Prozess vor der 9. Großen Strafkammer am Landgericht in Münster beendet werden. Doch jetzt spielen Angeklagte und Verteidiger auf Zeit.

Montag, 05.10.2015, 16:10 Uhr

Im Prozess um den Diebstahl des Borghorster Stiftskreuzes könnte es schon schneller ein Urteil geben als geplant.  
Der Prozess um den Diebstahl des Borghorster Stiftskreuzes könnte sich durch Anträge der Verteidigung verzögern.   Foto: Axel Roll

Wegen der Klärung mehrerer Anträge wurde der für Dienstag (6. Oktober) festgesetzte Fortsetzungstermin am späten Montagnachmittag kurzfristig abgesetzt. Erst am Freitag (9. Oktober) geht es weiter. Ob die drei jungen Männer, die Ende Oktober 2013 das wertvolle Reliquiar aus der Nikomedeskirche gestohlen haben sollen, der Tat überführt und bestraft werden, ist vor der Urteilsverkündung völlig offen. Seit Prozessbeginn schweigen die Bremer. So auch am Montag.

Für Unruhe sorgten am Montag Fotos und ein Video, die der Polizei in Steinfurt zugespielt worden sind. Auf den Bildern sollen die Angeklagten zu sehen sein, wie sie im November 2013 in Hamburg zusammen möglicherweise einen Diebstahl begangen haben. Die Verteidigung lehnte die offizielle Inaugenscheinnahme der Fotos und des Videos ab. Darauf ließ sich die Kammer aber nicht ein – einem entsprechenden Antrag gab sie nicht statt. Mit der Folge, dass die Angeklagten und einer der drei Verteidiger dem Gericht Befangenheit vorwarfen – und einen weiteren Antrag stellten.

Über diesen musste die 12. Große Strafkammer als Vertretung beraten, was den Verhandlungsverlauf unerwartet zurückwarf. Erst nach über drei Stunden stand fest, dass die 9. Große Strafkammer das Verfahren fortsetzen kann und es nicht zu einem Wiederaufrollen des Prozesses durch eine andere Kammer kommen muss, wie Maximilian Tecklenburg, Sprecher des Landgerichtes, erklärte: „Besonders Befangenheitsanträge sind häufig eine Taktik, um das Ende hinauszuzögern.“

Zwei Zeugen, die am Montag aussagten, brachten den Prozess nicht wirklich weiter. Ein Polizist aus Bremen hatte einen der drei Tatverdächtigen zwar öfter in seiner Freizeit im Fitnessstudio gesehen, Näheres wisse er über die Person trotzdem nicht. Dienstlich habe er noch mit keinem der angeklagten Männer zu tun gehabt, versicherte der Beamte.

Der andere Zeuge, der nach eigenen Aussagen mit zwei der drei Angeklagten bekannt ist und früher öfter mit ihnen gemeinsam Fußball geschaut hat, machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Er selbst war im Zuge der Suche nach den Stiftskreuz-Dieben ins Visier der Fahnder geraten. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn sei jedoch eingestellt worden, erklärte er gestern im Beisein seiner Anwältin. Zum möglichen Verbleib des Kunstschatzes wollte er sich nicht äußern. 

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