Zwei Traglufthallen im Sonnenschein
Notunterkunftfür 600 Flüchtlinge

Burgsteinfurt -

Im Gewerbegebiet „Sonnenschein“ wird in den kommenden Wochen eine Notunterkunft eingerichtet. In zwei winterfesten Traglufthallen sollen ab Mitte Januar bis zu 600 Flüchtlinge untergebracht werden. „Mit der Inbetriebnahme werden uns keine weiteren Asylsuchenden mehr zugewiesen, für die wir als Kommune Wohnungen beschaffen müssen“, sagte Steinfurts Erste Beigeordnete Maria Lindemann gestern – und es klingt wie ein Befreiungsschlag für die Stadt: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir können nicht anders handeln.“

Donnerstag, 15.10.2015, 14:10 Uhr

An der Dornierstraße im Burgsteinfurter Gewerbegebiet „Sonnenschein“ werden zwei winterfeste Traglufthallen aufgestellt, in denen die Stadt im Auftrag des Landes eine Notunterkunft für insgesamt 600 Asylsuchende einrichtet.  
An der Dornierstraße im Burgsteinfurter Gewerbegebiet „Sonnenschein“ werden zwei winterfeste Traglufthallen aufgestellt, in denen die Stadt im Auftrag des Landes eine Notunterkunft für insgesamt 600 Asylsuchende einrichtet.   Foto: Drunkenmölle

Bis zu 130 Asylsuchende kommen zurzeit monatlich in Steinfurt an. Ein Ende sei nicht in Sicht. Alleine im Oktober waren es bislang 60. „Wir wissen nicht, wo wir die Menschen noch einquartieren sollen.“ Weitere Sporthallen zu belegen, sei keine Lösung, so Bürgermeister Andreas Hoge . Deshalb reagiere die Stadt nun auf das Amtshilfegesuch des Landes. Ein Vertrag wurde geschlossen, der erst einmal für ein Jahr gelte. Die Kosten für Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden übernehme das Land, anders als bei der regulären Zuweisung. Die Stadt sei nur Betreiber. Eingeschlossen ist ein Sicherheitsdienst, der sich mit Sozialarbeitern um die Menschen in den Hallen kümmern wird.

Wie lange die Flüchtlinge jeweils bleiben, ist unterschiedlich. Die Verwaltung geht von Aufenthalten zwischen wenigen Tagen und einigen Monaten aus. Die Kinder sind nicht schulpflichtig. Von Steinfurt aus werden die Asylsuchenden in andere Gemeinden gebracht.

Weil nur im „Sonnenschein“ ein entsprechend großes Areal zur Verfügung steht, werden die Hallen in Burgsteinfurt aufgestellt. Den Verantwortlichen im Rathaus ist bewusst, dass schon jetzt 75 Prozent der Flüchtlinge in diesem Teil der Stadt leben: „Wir haben aber nirgendwo ein vergleichbares Grundstück gefunden.“

Maria Lindemann hofft, durch die Notunterkunft Zeit gewinnen zu können. Zeit, um festen Wohnraum für die Menschen aus den Kriegsgebieten zu schaffen: „Unser Ziel bleibt es, die Asylsuchenden dezentral zu verteilen.“ Unter anderem durch Neubauten an der Elisabeth- und der Langhans­straße sowie im Grottenkamp IV.

Die Anwohner rund um die Dornierstraße sind gestern bereits über die aktuellen Pläne informiert worden. Die Bezirksregierung will bald einladen, um Fragen zu beantworten.

Franz-Josef Niehoff von der Polizei sieht der Notunterkunft mit 600 Flüchtlingen gelassen entgegen: „Erfahrungsgemäß geht von einer solchen Einrichtung keine gesteigerte Kriminalität aus.“ Außerdem wollen die Beamten eng mit der Stadt zusammenarbeiten.

Die Erste Beigeordnete ist indessen zuversichtlich, dass die erwarteten Neuankömmlinge freundlich aufgenommen werden: „Vor Ort haben wir eine wunderbare Willkommenskultur“, weiß Maria Lindemann: „Wir wünschen uns, dass dies so bleibt.“

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