Premiere der Campus-Dialoge zum Thema Cannabis
Ja zum Joint?

Steinfurt -

Sollte der Genuss von Haschisch oder Marihuana, gewonnen aus der Cannabis (Hanf)- Pflanze, legalisiert werden? Schwierige Frage, doch eher wohl nicht. Mit einem seit Jahrzehnten kontrovers diskutierten Thema startete die drei Termine umfassende Veranstaltungsreihe „Steinfurter Campus-Dialoge“ am Mittwochabend im Hörsaal S1 der Fachhochschule Münster auf dem Campus Steinfurt. Wissenschaftsthemen sollen dabei anschaulich und für den Laien verständlich präsentiert werden. Die Campus-Dialoge sind aus der Kooperation zwischen FH und KulturForum Steinfurt entstanden. Prof. Dr. Richard Korff, FH-Vizepräsident und Kulturforumsdirektorin Dr. Barbara Herrmann moderierten die Veranstaltung.

Donnerstag, 05.11.2015, 14:11 Uhr

Obschon eine „Never ending Story“, füllte die Cannabis-Diskussion den Hörsaal. Unter den Teilnehmern fanden sich zahlreiche Studenten. Erfreulich war die hohe Diskussionsbereitschaft des Publikums. Das „Dialog-Experiment“ ist also geglückt.

Ein eindeutiges Votum konnte jedoch nicht erreicht werden. Zu facettenreich ist das Thema, zu unübersichtlich die Forschungslage, über die Prof. Dr. Thomas Schupp vom Fachbereich Chemieingenieurswesen informierte.

So hat die Cannabis-Pflanze zunächst einmal durchaus ihre positiven Eigenschaften. Entsprechend verarbeitet soll sie gegen Übelkeit und Erbrechen helfen, ebenso bei Krämpfen oder chronischen Schmerzen und anderen Übeln. Ihren Kultstatus hat die Pflanze jedoch ihrer Rauschwirkung zu verdanken. Auch hier soll sie „meistens angenehme Erlebnisse“ hervorrufen. „Probleme scheinen oft kleiner und beherrschbarer zu werden“, beschrieb Schupp eine der Wirkungen, „alles scheint intensiver und klarer wahrgenommen zu werden.“

Auch das oft zitierte „Lachen über jeden Sch…“ gehört wohl bei vielen zu den Reaktionen auf die Droge. Was so lustig klingt, ist es in Wahrheit nicht. Alles nur schöner Schein. Bleibende psychische Schäden sind, je nach Intensität und Häufigkeit des Genusses, ebenso möglich wie die Beeinträchtigung der Lernfähigkeit und des Immunsystems, schwindende Motivation und Einiges mehr.

Nicht zuletzt ist es die Suchtgefahr, die den Cannabis-Konsum so bedenklich macht. Im schlechtesten Fall dreht sich bei den Betroffenen alles nur noch um die Beschaffung des Rauschmittels. Und: Je jünger ein Konsument ist, desto größer die Gefahr, abhängig zu werden. Jugendschutz ist dabei ein ernstzunehmendes Thema.

Hochkarätige Gäste gestalteten die Podiumsdiskussion. Ihr stellten sich Hubert Wimber , Münsters Polizeipräsident Münster a. D., Prof. Dr. phil. Martin Wallroth vom Fachbereich Sozialwesen und Nils Schmerer vom „eve&rave e. V.“ in Münster. Beim „Schädlichkeits-Ranking“, so wurde deutlich, steht auf einer Skala von 0 bis 100 Cannabis auf Platz 8. Alkohol und Tabak sind offenbar weitaus brisanter. Eine Legalisierung von Hasch und Marihuana würde wohl der organisierten Drogenkriminalität einen herben Schlag versetzen, aber: „Illegale Drogen werden generell nicht verschwinden“, prognostiziert Schupp. „Für mich ist bei der Kriminalisierung nicht entscheidend, wie schädliche eine Substanz ist, für mich ist entscheidend, dass die Kriminalisierung Leute davon abhält, Cannabis zu konsumieren,“ so Wimber. Doch das sei nicht der Fall. Sollten einschlägige Substanzen also besser in einem „Drogen-Laden“ unter staatlicher Kontrolle verkauft werden? Die Diskussion wird so bald nicht enden. . .

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