Heimatverein stellt neues Buch über Marken vor
Ein Spiegelbild bäuerlicher Kultur

Burgsteinfurt -

Nach mehr als drei Jahren Forschung über die Marken Hollich, Sellen und Veltrup hat Silvia Dertwinkel ihre Forschungsergebnisse in einem Buch zusammengefasst. Der Heimatverein stellte das Werk jetzt der Öffentlichkeit vor.

Dienstag, 29.12.2015, 16:12 Uhr

Großer Bahnhof gestern auf dem Hof Knöpker: Mitglieder der Heimatvereine Burgsteinfurt und Borghorst, des Landwirtschaftlichen Ortsvereins sowie Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer und Leader-Geschäftsführer Ulrich Ahlke waren zur Buchpräsentation gekommen.
Großer Bahnhof gestern auf dem Hof Knöpker: Mitglieder der Heimatvereine Burgsteinfurt und Borghorst, des Landwirtschaftlichen Ortsvereins sowie Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer und Leader-Geschäftsführer Ulrich Ahlke waren zur Buchpräsentation gekommen. Foto: Drunkenmölle

Zugegeben: Das, was Silvia Dertwinkel in ihrem Buch über die „Geschichte der Marken in Hollich, Sellen und Veltrup von den Anfängen bis zur Auflösung“ und damit über eine Zeitspanne von etwa 100 Jahren zusammengetragen und auf über 160 Buchseiten niedergeschrieben hat, ist sehr speziell. Aber, und da waren sich gestern bei der Buchpräsentation auf dem Hof Knöpker in Hollich alle Redner einig, ohne diese Arbeit würde wohlmöglich ein Teil lokaler Historie für immer verloren gehen. Ulrich Ahlke, Geschäftsführer des Leader-Projekts beim Kreis Steinfurt, brachte es auf den Punkt: „Eine Beschäftigung mit ländlicher Entwicklung funktioniert nur, wenn wir wissen, woher wir kommen. Wir brauchen genau dieses Wissen, um uns nachhaltig weiterentwickeln zu können.“

Mehr als drei Jahre hat sich Dertwinkel (sie hat Geschichte, Volkskunde und Kunstgeschichte studiert) mit den Burgsteinfurter Marken auseinandergesetzt. Sie hat in Archiven gestöbert, alte Karten und Protokolle ausgewertet, Hofakten studiert und sich durch Geschichtsbücher gearbeitet. „Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto spannender wird es“, schildert sie, wie sich ihre Neugier und Begeisterung für diesen Teil der Ortsgeschichte immer weiter gesteigert hat. „Das Bild, das sich viele Menschen vom Leben auf dem Land machen, ist von der historischen Realität weit entfernt. Und das, was man zu wissen glaubt, hält einer historischen Überprüfung häufig nicht stand“, gab Dertwinkel ein Ergebnis ihrer Arbeit wieder.

Dabei ist es Dertwinkel gelungen, nicht nur die Geschichte der Marken, die untrennbar mit dem bäuerlichen Leben und Wirtschaften verbunden waren, aufzuzeigen. An vielen weiteren Konstanten wie beispielsweise der rechtlichen Stellung der Bauern, der Haltung der Grund- und Landesherren oder den Besitz- und Eigentumsverhältnissen lassen sich Einflüsse auf die bäuerliche Welt und damit auch soziale Entwicklungen ablesen. „Marken“, so erläutert Dertwinkel, „sind ein Brennglas für die Geschichte er ländlichen Bevölkerung: Sie geben Aufschluss über die Organisation der Bauern, aber auch über die Bedingungen sowie über das soziale Gefüge innerhalb der Bauerschaften. Sie spiegeln eine bäuerliche Kultur wider und zeigen das bäuerliche Selbstverständnis zu Grundherrschaft und Adel.“ So sei aus der Geschichte der Steinfurter Marken auch eine kleine Geschichte der Steinfurter Bauern geworden.

Genau darin haben gestern auch Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer und Henning Stoyke, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, den besonderen Wert dieses Buches gesehen. Neben einer großzügigen Förderung durch Leader-Mittel hatten sowohl die Stadt als auch der LOV das Projekt unterstützt. Angestoßen hatte die ganze Sache der Burgsteinfurter Heimatverein. Dessen Vorsitzender Dr. Reinhold Dankel dankte in diesem Zusammenhang zunächst der Autorin für ein seiner Meinung nach sehr wichtiges und lesenswertes Buch, sondern auch den Vereinsmitgliedern Hans Knöpker, Wilhelm Alff, Rainer Menebröcker, Bernd Hoffmann, die insbesondere auf der Zielgeraden des Projekts alle Hürden aus dem Weg geräumt hätten. Hans Knöpker verband mit der Buchpräsentation auch den Wunsch, dass sich die Gemeinden im Umland anregen lassen, vergleichbare Forschungen anzustellen.

Das Buch hat eine Auflage von 1000. Zunächst soll es an die Hofbesitzer in den Bauerschaften ausgegeben werden. Wer darüber hinaus Interesse hat, kann sich an den Heimatverein wenden.

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