Schwimmmeister vermitteln Flüchtlingen Baderegeln
Neue Badegäste, neue Herausforderung

Steinfurt -

Für die Schwimmmeister im Kombibad Borghorst hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert. Regelmäßig besuchen auch Flüchtlinge das Bad – meist ohne die Regeln zu kennen, häufiger ohne Badebekleidung und manchmal ohne Schwimmkenntnisse. Bei Sprachbarrieren helfen Bildertafeln und Übersetzungskarten. Aber: Während Familien und Einzelpersonen sich schnell einfinden, müssen sich die Mitarbeiter bei Gruppen junger Männer aus Nordafrika erstmal Respekt verschaffen.

Freitag, 04.03.2016, 16:03 Uhr

Was geht und was nicht: Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen stellt Bildtafeln und Übersetzungskarten zur Verfügung. Die Schwimmmeister wie Carsten Reck müssen sich für deren Durchsetzung bei Gruppen junger Männer aber erstmal Respekt verschaffen.
Was geht und was nicht: Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen stellt Bildtafeln und Übersetzungskarten zur Verfügung. Die Schwimmmeister wie Carsten Reck müssen sich für deren Durchsetzung bei Gruppen junger Männer aber erstmal Respekt verschaffen. Foto: lb

Die Schwimmmeister im Kombibad stehen vor einer neuen Herausforderung: Regelmäßig kommen nun auch Flüchtlinge ins Bad. Den meisten von ihnen ist nicht bekannt, wie man sich dort verhält, berichten die Mitarbeiter. Immer häufiger müssen sie deshalb Badevorschriften erklären statt Aufsicht führen.

Und: Während Familien oder Einzelpersonen aus den Flüchtlingsunterkünften sich schnell einfinden, bereiten vor allem größere Gruppen Nordafrikaner dem Bad-Personal Kopfzerbrechen, macht Carsten Reck, stellvertretender leitender Schwimmmeister, deutlich. Die jungen Männer zeigten bisweilen wenig Interesse daran, sich an die Regeln zu halten – zu denen beispielsweise das Tragen richtiger Badebekleidung gehört. Statt Badehose komme mancher in Straßenkleidung. Mit Erklärungen ist es dann oft nicht getan: Häufiger als sonst muss sich das Bad-Team bei diesen Gruppen erst einmal Respekt verschaffen, berichten die Schwimmmeister.

Aber da wäre auch der Punkt Sicherheit: Anfangs habe man einige Gäste herausfischen müssen, weil sie ohne richtig schwimmen zu können, ins tiefe Becken gesprungen seien, berichtet Reck. Dass das nicht geht, hätten die Besucher schnell verstanden. Aber in einigen anderen Punkten müsse die Aufsicht mit den zumeist jungen Männern diskutieren, so Reck. Dabei entwickele sich mitunter eine unangenehme Gruppendynamik: Die Schwimmmeister sehen sich mit vielen Gästen auf einmal konfrontiert, die nicht verstehen – oder nicht verstehen wollen – warum sie sich anders verhalten sollen, so die Mitarbeiter. In solchen Situationen hätten es vor allem die Frauen im Team nicht leicht sich durchzusetzen. „Das ist alles zu händeln, ist aber anstrengend“, sagt Malte Franke, Techniker und Badeaufsicht. Denn das Team hat darüber hinaus auch alle anderen Badegäste zu betreuen und die Sicherheit im Auge zu behalten.

Auch sprachliche Barrieren spielen eine große Rolle. Um den Umgang mit der neuen Klientel zu erleichtern, stellt die Deutsche Gesellschaft für Badewesen Hilfsmittel zur Verfügung: Im Kombibad finden sich inzwischen an allen wichtigen Punkten Regeln in bildlicher Form. Sie geben unter anderem vor, dass die Schwimmer sich duschen müssen und dass Frauen nicht belästigt werden dürfen – auch wenn sie einen knappen Bikini tragen. Die Mitarbeiter verfügen über Karten, auf denen auch in Englisch und Arabisch Anweisungen aufgedruckt sind. Sie reichen von der Aufforderung, eine Badehose zu kaufen bis zu der Anweisung, das Bad zu verlassen.

Reck betont: Sorgen bereiteten nur größere Gruppen junger nordafrikanischer Männer. „Die Kinder freuen sich sehr über das Angebot hier und die Syrer sind meistens richtig schüchtern“, hat er beobachtet. Reck fürchtet aber, dass die Situation mit Öffnung des Freibades schwieriger wird, denn dann sind deutlich mehr Gäste zu betreuen. Am liebsten wäre es den Schwimmmeistern, wenn – wie jüngst auch in Rheine – präventiv ein Sicherheitsdienst engagiert würde, der das Team unterstützt.

Davon, einen solchen Dienst einzuschalten oder gar Badeverbote auszusprechen, ist man laut Rolf Echelmeyer, Geschäftsführer der Stadtwerke Steinfurt, die das Bad betreiben, aber weit entfernt. „Und ich hoffe, dass wir da nicht hinkommen“, sagt Echelmeyer. Auch er sieht zwar „starke kulturelle Differenzen“, aber das manchmal nicht ganz leichte Durchsetzen der Regeln „haben wir bei allen Badegästen“. Die Akzeptanz sei deutlich besser geworden und „die allermeisten verhalten sich vernünftig“.

Es werde jeden Tag besser, „weil wir besser kommunizieren“, sagt Echelmeyer, dem bewusst ist, „dass das ein sehr, sehr sensibles Thema ist“.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3847926?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F4852155%2F4852165%2F
Nachrichten-Ticker