Sprachkursus des Jugendmigrationsdienstes
Zwölf Frauen, ein Ziel

Borghorst -

„Möchten Sie einen Kaffee?“ Flora muss kurz überlegen, dann kommt ihr der Satz aber flüssig über die Lippen. Dabei ist die junge Frau aus dem Kosovo erst seit einigen Monaten in Deutschland. Dass sie bereits einige Sätze sprechen kann, hat sie auch dem Frauen-Kursus des Jugendmigrationsdienstes der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland zu verdanken.

Montag, 07.03.2016, 13:03 Uhr

Deutsch lernen, das wollen die Frauen beim Jugendmigrationsdienst möglichst schnell. Aber auch das gegenseitige Kennenlernen steht bei den Teilnehmerinnen im Mittelpunkt.
Deutsch lernen, das wollen die Frauen beim Jugendmigrationsdienst möglichst schnell. Aber auch das gegenseitige Kennenlernen steht bei den Teilnehmerinnen im Mittelpunkt. Foto: Linda Braunschweig

Seit einigen Jahren gibt es das Angebot speziell für Frauen im Haus am Kroosgang 41. Aber seit gut einem Jahr ist die Nachfrage stark angestiegen. „Wir könnten jetzt eigentlich noch einen zweiten Kurs anbieten“, sagt Barbara Schonschur, Mitarbeiterin des Jugendmigrationsdienstes. Doch so leicht ist zusätzliches Personal nicht zu bekommen.

Ein Dutzend Frauen hat an diesem Morgen rund um den Tisch Platz genommen. Sie kommen aus dem Libanon, aus Albanien, dem Kosovo, Pakistan, Syrien, China und Algerien. Kursleiterin Christine Schewe hat Unterlagen verteilt. Sie muss die Anforderungen sehr niedrig halten. Alle Frauen sprechen eine andere Sprache, manche können nicht lesen und schreiben. Wenn doch, dann ist ihnen zumindest das lateinische Alphabet fremd. „Ich spreche mit allen Deutsch, manchmal geht auch Englisch ganz gut. Ansonsten arbeiten wir mit Bildwörterbüchern, Arbeitsblättern und Aufgaben“, erklärt Schewe. Es sei das beste, wenn alle miteinander sprächen. Oft geht es in den zwei Stunden auch um Alltagssituationen, Gespräche beim Arzt, Einkaufen.

Jede Woche zwei Stunden, das ist nicht viel. Aber oft lernten die Frauen auch zu Hause, weiß Schewe. Schon seit mehreren Jahren kommt Hiyam aus dem Libanon zum Sprachkursus. Für gehören die zwei Stunden im Kreis der Frauen aus aller Welt einfach dazu. Neben der Sprache ist da auch das Kennenlernen der anderen.

Barbara Schonschur sagt, dass es manchen der Teilnehmerinnen auch wichtig sei, dass ausschließlich Frauen in dem Kursus sind. In manchen Kulturen sei es wichtig, den Frauen einen geschützten Rahmen zu bieten. Teilnehmerinnen hätten berichtet, dass sie sich in gemischten Kursen von den Männern angestarrt fühlten, erzählt Schonschur.

Für die Teilnehmerinnen ist der Kursus kostenfrei, er wird mit kirchlichen Mitteln finanziert. Er dient mancher Migrantin als Überbrückung zum vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geforderten Sprach- oder Integrationskursus, manche Frau bekommt so aber auch die Gelegenheit zum Sprachenlernen, die sie sonst vielleicht gar nicht erhalten hätte. Denn je nach Herkunftsland und Chance auf Bleiberecht haben nicht alle Flüchtlinge einen Anspruch auf einen Kursus.

Deutsch, da sind sich die Teilnehmerinnen einig, ist schwer. „Aber man kann das schaffen“, sagt Flora.

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