240 % mehr Anträge
Wohnbauförderung boomt

Kreis Steinfurt -

Höhere Fördersätze und kräftige Tilgungsnachlässe verhelfen der Wohnbauförderung im Kreis Steinfurt zu einer Renaissance. Trotzdem gibt es immer weniger preisgebundenen Wohnraum, der dringend benötigt wird.

Mittwoch, 16.03.2016, 16:03 Uhr

Gebaut wird auch im Kreis Steinfurt kräftig – dennoch fehlt preisgebundener Wohnraum.
Gebaut wird auch im Kreis Steinfurt kräftig – dennoch fehlt preisgebundener Wohnraum. Foto: Jürgen Peperhowe

Einen extremen Zuwachs an Anträgen zur Wohnungsbauförderung erlebt derzeit das Bauamt des Kreises Steinfurt. Wie dessen Leiter Lorenz Rustige in der vergangenen Woche vor dem Bauausschuss ausführte, betrage das derzeit allein für das Jahr 2016 bereits beantragte Fördervolumen für bisher geplante 596 Wohnungen (ohne Eigenheime, Bestandsinvestitionen etc.) bereits 54 Millionen Euro. Das entspreche einer Steigerung um rund 240 Prozent.

Zum Vergleich: 2014 und 2015 konnte der Kreis 35,5 Mio. Euro Fördermittel, verteilt auf 504 Wohnungen bewilligen. Grund für den derzeitigen Boom sind anscheinend angepasste Fördersätze und eine Erhöhung des Tilgungsnachlasses auf bis zu 30 Prozent. Diese Rahmenbedingungen, so Rustige, führten zu großem Interesse bei Wohnungsvereinen, Genossenschaften, privaten Investoren, Banken und auch Gemeinden. Es gehe um den Neubau von Mietwohnungen, Gruppenwohnungen und Flüchtlingsunterkünften. Vom bisher beantragten 54-Mio.-Euro-Fördervolumen belaufe sich der Tilgungsnachlass auf 9,5 Mio. Euro.

Bei der Wohnbauförderung gehe es immer um preisgebundenen Wohnraum, erklärte Rustige. Das Defizit an preisgebundenem Wohnraum sei groß und werde durch den Flüchtlingszustrom noch größer. Anders als früher beantragten deshalb jetzt auch viele Kommunen Fördermittel für Flüchtlingsunterkünfte. Grundsätzlich sei das Fördersystem jedoch umstritten räumte Rustige ein. Es gebe 54 Prozent Fehlbelegungen, beispielsweise den Studenten, der später Professor werde, aber immer in der selben Wohnung bleibe. Eine Fehlelegungsabgabe gebe es nicht. Eine Erhöhung des Wohngeldes sei durchaus eine sinnvolle Alternative zur bisherigen Form der Wohnbauförderung.

Reinhard Lah (FDP) empfahl eine Senkung der Grunderwerbssteuer, um den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln. Baudezernent Franz Niederau zeigte sich skeptisch, um die Impulse ausreichten. Trotz Tilgungszuschüssen von bis zu 30 Prozent rechne sich der soziale Wohnungsbau selten für Investoren. Nach Modellrechnungen werde der Bestand preisgebundener Wohnungen (500 000 in NRW) alleine im Kreis Steinfurt bis 2025/30 aufgrund auslaufender Bindungen um ca 35Prozent einbrechen. Besonders Alleinerziehende und Rentner seien Leidtragenden.

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