EGST wehrt sich
„Alle Bohrschlamm-Werte sind völlig harmlos“

Kreis Steinfurt -

Bohrschlämme auf der Zentraldeponie Altenberge? Für Franz Niederau, Geschäftsführer der kreiseigenen Entsorgungsgesellschaft EGST, ist das kein Problem: Alle gemessenen Werte seien „völlig harmlos“.

Freitag, 08.04.2016, 16:04 Uhr

Geschützt: Noch unter dieser Schutzfolie wurden die Bohrschlämme im Zuge der Oberflächenabdeckung deponiert.
Geschützt: Noch unter dieser Schutzfolie wurden die Bohrschlämme im Zuge der Oberflächenabdeckung deponiert. Foto: egst

Franz Niederau kann die Aufregung um auf der Deponie Altenberge gelagerte rund 4000 t Bohrschlämme nicht nachvollziehen. „Alle Werte sind völlig harmlos“, sagte der Baudezernent des Kreises und Geschäftsführer der kreiseigenen Entsorgungsfirma EGST gestern im Gespräch mit unserer Zeitung und warf insbesondere dem WDR vor, eine „Riesen-Welle mit nichts dahinter“ provoziert und „Sachverhalte völlig falsch“ dargestellt zu haben.

Von der EGST vorgelegte vier Kontrollanalysen des Umweltlabors Dr. Wessling beweisen: In keinem Fall seien zulässige Grenzwerte von Schwermetallen oder flüchtigen Kohlenwasserstoffen (BTEX, eine Abkürzung für die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und die Xylole) auch nur ansatzweise erreicht oder gar überschritten worden.

Das in Rede stehende Material, so die EGST, stamme aus dem Rückbauvorhaben der Alt-Deponie Gölenkamp in der Grafschaft Bentheim. Dort seien Bohrschlämme aus Bohrungen zur Erkundung von Gasvorhaben abgelagert worden. Das Material sei in Niedersachsen als gefährlich deklariert worden, weil dort nach einem Erlass des niedersächsischen Umweltministeriums bereits BTEX-Werte ab 1 mg/kg als gefährlich eingestuft werden müssten. Außerhalb Niedersachsens würden BTEX-Werte aber erst ab 1000mg/kg als gefährlich deklariert. Laut der Deponiegenehmigung dürften in Altenberge Abfälle mit BTEX-Gehalten bis zu 50 mg/kg abgelagert werden. Sowohl bei den Deklarations- wie den Kontrollanalysen der in Altenberge deponierten Bohrschlämme seien BTEX-Werte zwischen 0 und maximal 2,05 mg/kg gefunden worden. Niederau: „Das könnte man auf einen Teller tun und essen“.

Die Bohrschlämme seien auch nicht zur Oberflächenabdeckung der Deponie Altenberge benutzt worden, sondern nur zum Ausgleich von Unebenheiten. Das bedeute, die Schlämme seien nicht über, sondern unter der Schutzfolie platziert worden und damit Teil des Deponiekörpers; eine Gefahr von Auswaschungen sei nicht gegeben.

Auf die Frage, ob die EGST auch künftig vergleichbare Bohrschlämme für die Deponie Altenberge annehme werde, meinte Niederau: „Wenn einer kommt, können wir nicht ablehnen“. Der Einzugsbereich der Deponie sei nicht auf den Kreis begrenzt und die Deponie müsse letzten Endes ja auch refinanziert werden. Allerdings schränkte er auch ein: „Gerne würde ich das aber nicht mehr machen“. Auf jeden Fall seien die Schlämme in Altenberge besser aufgehoben „als irgendwo im Wald“. Natürlich müsse man aber differenzieren: Bohrschlämme sein nicht Bohrschlämme und ölverseuchte Schlämme müssten natürlich auf speziell dafür geeigneten Sonderdeponien entsorgt werden. Der Anlieferer der Bohrschlämme habe aber „richtig differenziert, als er das Material uns angedient hat“, sagte Niederau.

In der Kreisausschusssitzung am kommenden Dienstag (öffentliche Sitzung ab 17 Uhr im Kreishaus) werde er auch die Politik über diese Sicht der EGST informieren.

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