Steinfurter Geschichtstag
Von den Hoffnungen der Auswanderer

Steinfurt -

Zum dritten Mal veranstaltete das KulturForum die „Steinfurter Geschichtstage“. Während das Programm am Samstag im Borghorster Heimathaus präsentiert wurde, startete es am Sonntagvormittag im Burgsteinfurter Behördenhaus. Alles drehte sich um das Thema „Auswanderung“, wie der Titel „Von Steinfurt in die Welt“ bereits verrät.

Montag, 11.04.2016, 17:04 Uhr

Zum Nachlesen: Viele Dokumente gehören zur Ausstellung, die mit den Geschichtstagen im Behördenhaus eröffnet wurde.
Zum Nachlesen: Viele Dokumente gehören zur Ausstellung, die mit den Geschichtstagen im Behördenhaus eröffnet wurde. Foto: Rainer Nix

Doch war es wirklich immer der Aufbruch in ein besseres Leben? Beamer-Präsentationen und eine Ausstellung im Stadtmuseum beleuchteten Hintergründe, Archivmaterial aus beiden Stadtteilen zeigte und erläuterte Stadtarchivar Achim Becker . Die Programmpunkte stießen auf reges Interesse. Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer hob bei der Eröffnung die Aktualität des Themas Migration hervor. Heimatvereinen, Evangelische Jugendhilfe, Kreis Steinfurt , Stadtarchiv, Stadtbücherei und DNL Business unterstützten die Veranstaltung.

Projektleiter Dr. Peter Krevert von der Volkshochschule stellte das Programm vor. Er begrüßte auch Wilhelm Alff , einen Experten auf dem Sektor Auswanderungen in Steinfurt, der sich um das Thema besonders verdient gemacht hat. Udo Röllenblech, Chefkoordinator für Flüchtlingsfragen beim Kreis Steinfurt und jahrelang Interessenvertreter des Kreises bei der Europäischen Union (UN) in Brüssel führte in das Thema ein. „Bei den deutschen Überseewanderungen bis 1945 hofften viele, in Amerika eine bessere Existenz gründen zu können“, erläuterte Röllenblech. Manche wollten sich auch der Militärpflicht entziehen, andere hatten Furcht vor Strafe aufgrund eines Verbrechens oder Vergehens. „Winkelagenten“, vielleicht mit heutigen „Schleppern“ vergleichbar, lockten mit Versprechungen, die nicht eingehalten wurden. Auch die gegenwärtige Migrationswelle resultiere aus der Hoffnung auf ein besseres Leben. Auslöser seien oftmals Krieg und Verfolgung.

„Zwischen 1830 und 1900 sind zirka 835 Personen aus Burgsteinfurt und 355 aus Borghorst in die USA ausgewandert“, erläuterte Elisabeth ten Berge vom Museumskreis. Sie führte in die Ausstellung ein, die bis September zu den Öffnungszeiten oder auf Anfrage im Stadtmuseum zu sehen ist. Vor dem Jahr 1800 waren die Niederlande Ziel der Steinfurter. Gezeigt werden unter anderem Dokumente wie das Familienbuch der Familie Pilat, ein Plakat der Destillerie van Zuylekom/Lefert vom Anfang des 20. Jahrhunderts und vieles mehr. Eine große von Hermann Lünnemann aus Holz gezimmerte Schiffsansicht erinnert an die Auswanderer, die auf dem Wasserweg in die neue Welt aufbrachen. Hermann-Josef Pape gestaltete eine Multivisionsschau, die auf einem Monitor im Rumpf des Schiffes in Endlosschleife zu sehen ist.

„Ich habe zur Anschauung zwei Abteilungen eingerichtet“, sagte Stadtarchivar Achim Becker. In seinem Archiv gab es Dokumente wie Reisepässe von Auswanderern zu sehen.

Bei der Mehrheit der Steinfurter, die im 19. Jahrhundert in die USA aufbrachen, überwogen wirtschaftliche Motive. „Die größte Auswanderungswelle setzte nach 1866 ein“, beschrieb Alff. Als in Amerika die zweite große Rezession ausbrach, ebbte der Auswanderungsstrom wieder ab. Monika Frieling und Cornelia Eissing von der Stadtbücherei präsentierte Medien zum Thema, ein Filminterview mit Alff rundete das Programm des Tages ab.

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