Eisenbahner-Treffen in Hollich
Einmal Bahner, immer Bahner

Steinfurt -

Schrankenwärter, Fahrdienstleiter, Rangierer, Verwaltungsmitarbeiter und Aufsichtsbeamte – wenn sich ehemalige Eisenbahner so wie am vergangenen Mittwoch treffen, dann haben sie sich jede Menge zu erzählen. Es gilt die Devise „Einmal Bahner, immer Bahner“.

Freitag, 17.06.2016, 16:06 Uhr

Erinnerungen austauschen: Dazu trafen sich 20 frühere Kollegen jetzt an der Hollicher Mühle. Ganz in der Nähe, am Posten 51 in Hollich, hat Franz-Josef Epping (r.) früher als Schrankenwärter gearbeitet.
Erinnerungen austauschen: Dazu trafen sich 20 frühere Kollegen jetzt an der Hollicher Mühle. Ganz in der Nähe, am Posten 51 in Hollich, hat Franz-Josef Epping (r.) früher als Schrankenwärter gearbeitet. Foto: Linda Braunschweig

43 Kurbelrunden waren es. Das weiß Franz-Josef Epping noch ganz genau. Dabei ist es schon eine ganze Weile her, dass der Altenberger eine Eisenbahnschranke per Hand heruntergelassen hat.

Ende der 1990er Jahre sind nahezu alle Schrankenposten der Deutschen Bahn auf Automatik umgestellt worden. Zehn Jahre lang habe er zuvor sein Geld „im Handumdrehen“ verdient, sagt Epping schmunzelnd. Damit meint er das Rauf- und Runterkurbeln.

An diesem Mittwochnachmittag in der Hollicher Mühle versteht jeder den Scherz sofort. 20 ehemalige Eisenbahner haben sich dort eingefunden, auf Einladung des Bundesbahnsozialwerks. Da sind Schrankenwärter, Fahrdienstleiter , Rangierer, Verwaltungsmitarbeiter und Aufsichtsbeamte. Organisiert hat den Tag Ingrid Hünseler aus Borghorst . Die 71-Jährige, die aus Kassel stammt, hat jahrzehntelang bei der Bahn gearbeitet, unter anderem für die KVB, die Krankenversorgung für Bahnbeamte.

Und auch die versteht an diesem Tag an der Mühle jeder: die unglaubliche Fülle an Abkürzungen im Kosmos Bahn. Hunderte gibt es, zum Beispiel die Blifü (Blinklichtanlage fernüberwacht), DKW (doppelte Kreuzungsweiche) oder auch RiZ (Reisendenzählung im Zug).

„Bahner sind ein ganz eigener Schlag“, sagt Ingrid Hünseler mit Blick auf die Runde. Wenn sie jemanden kennenlerne, der bei der Bahn arbeite, „entsteht sofort eine Art Gemeinschaftsgefühl“. Das verbinde eben. Dabei hatten manche Bahner nur recht wenig Kollegenkontakt während ihrer Arbeitszeit. Franz-Josef Epping etwa bediente den Posten in der Bauerschaft Hollich während seiner Schicht allein.

Etwa 18 Mal am Tag musste die Schranke hoch und runter gekurbelt werden. Das dauerte ein paar Minuten. Daneben galt es, die gesamte Anlage instand und sauber zu halten, das Fernsprechbuch zu führen und Meldung beim Fahrdienstleiter zu machen. Und dazwischen? Langeweile? Epping schmunzelt und schweigt. Vor dem Posten als Schrankenwärter war er jahrelang als Rangierer tätig gewesen – eine schwere körperliche Arbeit. Dann kamen die Jahre an der Kurbel. Bis zur Schließung der Strecke Quakenbrück – Oberhausen hatte Epping den Posten 51 inne, anschließend wechselte er unter anderem nach Hansell in Altenberge. Insgesamt arbeitete der Altenberger 35 Jahre bei der Bahn.

Vieles hat sich geändert. Fahren die ehemaligen Bahner eigentlich heute noch gerne Zug? „Klar“ kommt es sofort. Und ärgern sie sich genau wie alle anderen über Verspätungen? „Nein“, sagt Johannes Schmitz aus Borghorst. „Wir wissen ja, warum das passiert“, so der 71-Jährige. Die Pünktlichkeit sei sogar besser geworden. Da ist er wieder, der Zusammenhalt bei der Bahn.

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