Projekt „Grünes Gold“
Wenn aus Bioabfall Öl wird

Steinfurt/Enschede -

Aus Bioabfall Öl gewinnen – das grenzüberschreitende Projekt „Grünes Gold“ soll es möglich machen. Aus Steinfurt mit im Boot bei der von der EU mit einem Millionenzuschuss geförderten Innovation sind DNL-Contact als Organisator und Vermittler sowie die FH.

Dienstag, 12.07.2016, 16:07 Uhr

Stellten das Projekt „Grünes Gold“ vor: Simon Hagemann (Saxion), Johannes Reef (DNL), Frederik Wanink (DNL), Elmar Brügging (FH Münster) und Patrick Reumerman (BTG Enschede).
Stellten das Projekt „Grünes Gold“ vor: Simon Hagemann (Saxion), Johannes Reef (DNL), Frederik Wanink (DNL), Elmar Brügging (FH Münster) und Patrick Reumerman (BTG Enschede). Foto: s

Die Idee ist so einfach wie genial: Man nehme organischen Abfall wie zum Beispiel Straßenkehricht oder Kompost und wandle ihn in einem chemischen Prozess so um, dass ein universell einsetzbarer und vermarktbarer Ausgangsstoff für eine ganze Palette neuer Produkte entsteht. Konkret: Öl.

Geht nicht, denken Sie? Geht doch! „Grünes Gold“ heißt das Projekt unter organisatorischer Federführung des Steinfurter Unternehmens DNL-Contact, das die Idee nun in die Wirklichkeit umsetzt. Dafür bedurfte es viel Arbeit und noch mehr Zeit: „Zwei Jahre hat der Vorlauf allein für den Förderantrag in Anspruch genommen“, sagt Dr. Johannes Reef von DNL, dem Spezialisten für wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden am Montag bei der Projektvorstellung. Mit im Boot beim „Grünen Gold“ sind zudem der Fachbereich Energie-Gebäude-Umwelt der Fachhochschule in Steinfurt und die Saxion Hogeschool Enschede als Partner in der Forschung, die Biomass Technology Group (BTG) aus Enschede als Technologieträger sowie weitere Unternehmen aus der Umwelt- und Abfalltechnik im Kreis Steinfurt.

Nach intensiven Abstimmungsgesprächen und einem mehrfach überarbeiteten Zuschussantrag für das Interreg-Programm der EU , das Ende vergangenen Jahres schließlich in eine 70-Prozent-Förderzusage mündete, hat das 2,2-Millionen-Euro-Projekt jetzt Fahrt aufgenommen. „Wir sind sehr stolz darauf, eine solche Summe nach Steinfurt und Umgebung geholt zu haben“, so Reef. Und sein Kollege Frederik Wanink ergänzt: „Ohne die EU-Förderung wäre das Projekt so nicht zustande gekommen.“

Die beteiligten Unternehmen diesseits der Grenze stellen die Rohstoffe, die benötigte Technologie kommt aus den Niederlanden – so lautet vereinfacht gesagt der Deal, der hinter dem Projekt steht. Die benötigte „Hardware“, eine so genannte Pyrolyse-Anlage, steht direkt hinter der Grenze in Hengelo. „Es ist die einzige Stand-Alone-Anlage, die europaweit existiert“, sagt Patrick Reumerman vom Mitbetreiber BTG.

Damit aus minderwertigen Biomassenresten universell verwendbares Öl wird, bedarf es viel wissenschaftlichen Know-hows. Dieses steuern die beiden beteiligten Hochschulen bei, die ganz nebenbei durch das Projekt neue Kontakte über die Grenze knüpfen. „Auch das ergibt einen Mehrwert“, sagt Dr. Elmar Brügging von der FH Münster und erntet Zustimmung vom Kollegen Simon Hagemann von der Saxion Hogeschool.

Dass das Verfahren bereits grundsätzlich funktioniert, zeigten die Proben, die der Wissenschaftler zur Projektvorstellung mitgebracht hatte. Jetzt gelte es, die geschaffenen Grundlagen zu optimieren, um die Marktfähigkeit herzustellen. Denkbar ist zum Beispiel der Einsatz bei der Herstellung von Farben oder in der Klebstofftechnik.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4156131?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F4852155%2F4852161%2F
Nachrichten-Ticker