Manchmal hilft die Tageszeitung
Romanus Krick sammelt Unterschriften aus Politik und Kirche

Borghorst -

Er weiß es noch wie heute. Die Leidenschaft für die großen Namen der Weltgeschichte wurde im zarten Alter von elf Jahren bei ihm geweckt. Seitdem sammelt der Borghorster Romanus Krick Autogramme. In seiner Sammlung finden sich Prominente von Pep Guardiola über Arafat bis zum Dalai Lama...

Dienstag, 19.07.2016, 19:07 Uhr

Michail Gorbatschow hat Romanus Krick gleich mehrfach in seiner Sammlung von 5000 Autografen.
Michail Gorbatschow hat Romanus Krick gleich mehrfach in seiner Sammlung von 5000 Autografen. Foto: Axel Roll

„Das war ein vorläufiger Schlusspunkt nach fünf Monaten Wahlkampf“ – als Alexander Van der Bellen am 28. Juni 2016 diese Zeilen schrieb, wusste der frisch gewählte Bundespräsident der Österreicher noch nicht, welch besondere Bedeutung das Wörtchen „vorläufig“ einmal haben würde. Keine Woche später erklärte der Verfassungsgerichtshof die Wahl für ungültig. Am 2. Oktober 2016 muss sich Van der Bellen erneut dem Volkswillen der Alpenrepublik stellen.

Adressat dieser prophetischen Zeilen ist der Borghorster Romanus Krick . Der 71-Jährige sammelt Unterschriften bekannter Persönlichkeiten aus Politik und Kirche. Und hält mit diesem Autograf – so werden solche Widmungen in Fachkreisen genannt – ein ganz besonderes Sammlerstück in Händen.

Die Autogrammsammlung von Romanus Krick

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Van der Bellen hat einen gelben Bogen Tonpapier signiert, auf dem Krick das aus den Westfälischen Nachrichten ausgeschnittene Foto der Bundespräsidentenwahl aufgeklebt hat. Ein alter Autografensammler-Trick. So wollen sie sichergehen, dass die Büromitarbeiter keine von diesen automatenunterschriebenen Autogrammkarten ins Kuvert stecken.

Die Westfälischen Nachrichten helfen

Die Seite zwei der WN liest Romanus Krick darum besonders gerne. Oben rechts ist regelmäßig die Rubrik „Menschen“ zu finden. Und dort tauchen die Subjekte seiner Sammelleidenschaft in Wort und Bild auf. Wenn der Unterschriften-Experte dann die Schere ansetzt, muss er allerdings manchmal im Sinne seines Hobbys Pressezensur betreiben. „Wenn in dem Text über den Politiker etwas Negatives steht, muss das raus. Schlechte Nachrichten über sich selbst unterschreibt ja niemand gerne“, schmunzelt Krick.

WN-Bericht mit Autogramm - hier von Dimitri Medwedew.

WN-Bericht mit Autogramm - hier von Dimitri Medwedew. Foto: Axel Roll

Und selbst eine gute Nachricht in den WN ist lange noch keine Garantie dafür, dass die Einschreiben („damit hebe ich mich ein bisschen von den Wäschekörben von Post ab“) aus Borghorst auch beantwortet werden. Romanus Krick: „Einer von zehn Briefen kommt zurück.“ Und unter diesen finden sich nur ganz, ganz wenige, die noch einen netten Kommentar enthalten, wie zum Beispiel den von Martin Schulz, mittlerweile EU-Parlamentspräsident: „Ein weiteres Exemplar in der beachtlichen Sammlung von Romanus Krick.“

Leidenschaft seit Kindesbeinen

Er weiß es noch wie heute. Die Leidenschaft für die großen Namen der Weltgeschichte wurde im zarten Alter von elf Jahren bei ihm geweckt. Die Eltern verfolgten damals den Fortgang der Suezkrise im Radio – und Klein-Romanus schrieb fortan alle Namen von wichtigen Politikern aus der Zeitung ab. Die kleine Kladde hat er heute noch. Als Jugendlicher quartierte er sich bei seiner Cousine in Bad Godesberg ein und radelte in Bonn die Botschaften ab, um von den dortigen Chefdiplomaten eine Unterschrift zu erbitten. Heute undenkbar, damals eine äußerst erfolgreiche Sammel-Methode, wie ein weiteres kleines Album in der Krickschen Autografen-Sammlung beweist. „Wenn man bedenkt, dass jede Botschaft exterritoriales Gebiet ist, war ich schon in über 100 Ländern“, scherzt Krick.

5000 Unterschriften nennt der Borghorster mittlerweile sein Eigen. Welche ihm die wichtigste ist? Er kann es nicht sagen. Der 71-Jährige müsste aus weltpolitischen Schwergewichten wie Gorbatschow, Fidel Castro, Adenauer, Ludwig Erhard, Tito und Papst Paul VI. wählen.

Ein Ordner namens "Gruselkabinett"

Der gelernte Schriftsetzer hat einen Ordner mit „Gruselkabinett“ beschriftet. Darin finden sich ebenfalls Autogrammkarten und kurze Briefe bekannter Persönlichkeiten. Wenn auch der Laie keinen Unterschied ausmacht, für den Ehrenpräsidenten der Arbeitsgemeinschaft der Autografensammler dreht sich beim Blick auf die Bilder der Magen um. „Alles unecht“, schimpft Krick. Entweder Unterschriften, die der Roboter für den Promi gesetzt hat, oder, noch schlimmer, platte Drucke. Der ermordete amerikanische Präsident John F. Kennedy ist demnach besonders schreibfaul gewesen. Romanus Krick: „Von ihm existieren 21 bekannte Automaten-Unterschriften.“ Hitler brachte es übrigens auf fünf.

Musiker, Schauspieler oder Sportler lässt der Enthusiast links liegen. „Für mich war immer wichtig, welche geschichtliche Wirkung die Unterschriften haben“, erläutert Krick, der den Begriff Autogramm ganz bewusst vermeidet: „Das klingt schon nach Massenware.“ Darum lautet sein Leitspruch, an dem er selbst lange rumgefeilt hat, so: „Tinte wird erst dann besonders wertvoll, wenn sie von bewährter Hand in die besonderen Bahnen einer Unterschrift gelenkt wird.“ Damit hat er wohl recht.

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