Prädikant Felix Staffehl
„Eine urprotestantische Sache“

Burgsteinfurt -

Zusammen mit Claudia Bäurich ist er der erste Prädikant in der Evangelischen Kirchengemeinde Burgsteinfurt: Felix Staffehl. Wie kam es dazu, dass sich der 45-Jährige, der seit gut zwei Jahren Leiter des Altenhilfezentrums an der Tecklenburger Straße ist, entschieden hat, Laienprediger zu werden? Unserer Zeitung stand er Rede und Antwort.

Dienstag, 09.08.2016, 19:08 Uhr

Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Leiter des Ev. Altenhilfezentrums bald auch Prädikant: Felix Staffehl.
Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Leiter des Ev. Altenhilfezentrums bald auch Prädikant: Felix Staffehl. Foto: rs

An den 31. Juli erinnert sich Felix Staffehl gerne zurück. An diesem Tag hat der 45-Jährige einen großen Schritt getan – hin zu seiner Prädikanten-Tätigkeit. Auf den Probegottesdienst in der Evangelischen Kirchengemeinde mit der passend zum Israelsonntag gehaltenen Predigt über das Verhältnis von Juden und Christen, hatte sich der Leiter des Ev. Altenpflegezentrums Burgsteinfurt lange vorbereitet.

„Natürlich war ich auch ein wenig nervös“, berichtet der Laienprediger in spe rückblickend. Doch die Freude habe überwogen. Nicht nur über die positive Beurteilung durch den Vorstandsvorsitzenden des Pertheswerks, Rüdiger Schuch, Freude auch über den großen Zuspruch, den er von den zahlreich anwesenden Gemeindegliedern erhalten hat. Nach dem erfolgreichen Bestehen der „Feuertaufe“ wird Staffehl nun offiziell am 30. Oktober in sein Ehrenamt eingeführt – zusammen mit Claudia Bäurich. Beide sind die ersten Prädikanten in der Evangelischen Kirchengemeinde Burgsteinfurt und werden die beiden hauptamtlichen Pfarrer Guido Meyer-Wirsching und Hans-Peter Marker künftig in der seelsorgerischen Arbeit und der so genannten Sakramentenverwaltung unterstützen.

Den Schwerpunkt seiner Prädikanten-Tätigkeit wird Staffehl im Altenhilfezen-trum ausüben. Zum Dienst an Wort und Sakrament beauftragt wird er aber auch Gottesdienste in der Kirche halten sowie Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen begleiten. „Wie und wann ich eingesetzt werde, wird kurzfristig in Absprache mit den hauptamtlichen Geistlichen besprochen“, sagt Staffehl. Gelassen und mit viel Vorfreude sieht er seiner künftigen Tätigkeit als Prädikant entgegen.

Mit der Idee, Laienprediger zu werden, geht der Sohn eines Religionslehrers schon seit rund sechs Jahren schwanger. „Der Wunsch, der dahinterstand, war, nicht nur Einrichtungsleiter im Verwaltungssinne, sondern auch Seelsorger für die Bewohner zu sein. Ein Hausvater halt im ganz klassischen Sinn“, berichtet der 45-Jährige. Kleinere Andachten oder Aussegnungsfeiern gestaltet Staffehl im Dietrich-Bonhoeffer-Haus schon seit geraumer Zeit. Und während seiner früheren beruflichen Tätigkeit in einer Pflegeeinrichtung in Borken-Gemen war er auch schon im Presbyterium der dortigen Kirchengemeinde tätig. Vor diesem Hintergrund habe sich der Wunsch nach Weiterentwicklung ergeben, erklärt Staffehl.

Im November vergangenen Jahres nahm die Umsetzung der Idee konkrete Formen an: Im Rahmen von Kompaktseminaren im Ausbildungszentrum der Evangelischen Landeskirche für Westfalen in Schwerte, die bis zum Juni diesen Jahres andauerten, ist der gebürtige Münsteraner auf seine künftige Tätigkeit vorbereitet worden. Parallel dazu und praktischer orientiert führte ihn auch Mentor Guido Meyer-Wirsching in Themen wie Predigtlehre oder Liturgie ein. „Schritt für Schritt hat er mir mehr Verantwortung in Gottesdiensten übertragen“, berichtet Staffehl. Intensiv begleitet habe ihn in dieser Zeit aber auch sein Vater, wofür er sehr dankbar sei. Im Probegottesdienst Ende Juli schließlich wurde das Gelernte von offizieller Seite aus überprüft – und der Kandidat für geeignet befunden.

Auch wenn er der Erste in dieser Tätigkeit in der Burgsteinfurter Gemeinde ist: So ungewöhnlich findet Staffehl sein Beispiel gar nicht. „Das Prädikantentum ist im Grunde eine urprotestantische Sache“, macht er deutlich. Denn grundsätzlich sei jeder Gläubige durch seine Taufe aufgefordert, den Glauben und die Frohe Botschaft zu verkünden. „Im Laufe der Jahrhunderte ist das aber zunehmend verdrängt beziehungsweise in die Hände von Hauptamtlichen gelegt worden“, weiß Staffehl. Erst in jüngster Zeit sei wieder ins Bewusstsein gerückt, dass das Prädikantentum eine Bereicherung darstellt.

Wert legt Staffehl dabei auf die Feststellung, dass diese Tätigkeit stets nur einen ergänzenden, nicht aber einen ersetzenden Charakter haben darf. In diesem Sinne freut er sich auf die künftigen Aufgaben als Laienprediger – und die Burgsteinfurter Gemeinde sowie die Bewohner des Altenhilfezen-trums auf ihn.

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