Große Konferenz geplant
Nordbahn fährt in die Entscheidungsphase

Kreis Steinfurt -

Wird die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personenverkehr teurer als gedacht? Entsprechende Zahlen werden derzeit noch einmal überarbeitet. Im September sollen bei einer großen Konferenz in Recke dann alle Fakten auf den Tisch gelegt werden.

Dienstag, 09.08.2016, 17:08 Uhr

Wohin geht de Reise mit der Nordbahn? Noch im Herbst dieses Jahres soll die Richtung endgültig festgelegt werden.
Wohin geht de Reise mit der Nordbahn? Noch im Herbst dieses Jahres soll die Richtung endgültig festgelegt werden. Foto: Oliver Langemeyer

Knapp 30 Millionen Euro solle, so die Schätzung aus 2011, die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn für den Personenverkehr kosten. Die neueste Vorentwurfsplanung geht angeblich von 44,6 Millionen Euro aus. Damit aber würde die Kosten-Nutzen-Relation deutlich unter den Faktor Eins fallen – das Land NRW aber fordert einen Faktor deutlich größer als Eins, um Zuschüsse für Ausbau und Betrieb der Nordbahn zu gewähren. Eine Überarbeitung der Planung soll jetzt die Zahlen so korrigieren, dass der Nutzen die Kosten überwiegt und eine Landesförderung möglich bleibt.

Christoph Boll , Sprecher der UWG-Fraktion im Steinfurter Kreistag , spricht davon, dass hier Ergebnisse „schöngerechnet“ würden, weil die Reaktivierung ansonsten keine Chance auf Landeszuschüsse und damit auf Realisierung habe. 30 Millionen Euro, die beim Zweckverband SPNV Münsterland (ZVM) für das Projekt bereitlägen, drohten für den Kreis Steinfurt verloren zu gehen. Seine Forderung Dieses Geld müsse auch ohne die Nordbahn für Infra­strukturvorhaben im Kreis Steinfurt genutzt werden. „Andere sind schon am baggern“, fürchtet Boll.

Kreisbaudirektor Franz Niederau, der den Kreis in der ZVM-Verbandsversammlung vertritt, sagte jetzt auf Anfrage dieser Zeitung, dass es im September eine öffentliche Konferenz in Recke geben werden, an der die Fachausschüsse der Anliegergemeinden und des Kreises zusammen mit dem ZVM über den „Stand der Dinge“ informieren würden. Eine höhere Summe, die intern für die Realisierung genannt worden sei, könne wohl deutlich reduziert werden. „Leute aus der Praxis“ würden jetzt die Zahlen „kritisch durchleuchten“ und es habe sich bereits gezeigt, dass einige Ansätze zu hoch ausgefallen seien. Vor diesem Hintergrund sehe er durchaus Chancen für die Nordbahn, meinte Niederau, verwies aber darauf, dass das ganze ein Projekt des ZVM sei: „Da wird abgestimmt“.

ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler hielt sich gestern bei Nachfragen bedeckt und wollte weder die Summe von 44,6 Millionen Euro in der neuesten Kostenschätzung noch die ZVM-Reserve von 30 Mio. Euro bestätigen. Wohl aber bestätigte er, dass die Planungsphase für die Nordbahn im Herbst diesen Jahres abgeschlossen werde.

Dass der ZVM über 30 Mio. Euro aus den Ausschreibungsgewinnen der Vergangenheit verfüge, sei „reine Spekulation“: „Ich weiß nicht, woher diese Zahl kommt.“ Ob Zuschüsse des ZVM auch statt für die Nordbahn für andere Projekte im Kreis Steinfurt, wie den Ausbau von Bahnhöfen in Lengerich oder Ibbenbüren, möglich seien, bezeichnete er ebenfalls als „Spekulation“. Die Strecke der Nordbahn gehöre der RVM Eisenbahn, die letztlich entscheiden müsse, ob es eine künftige Nutzung gebe oder nicht.

Johann Ubben, Betriebsleiter der RVM Eisenbahn sieht die Planungen ebenfalls nun in der entscheidenden Phase. Mit der großen Konferenz in Recke würden alle Zahlen auf den Tisch gelegt. Für ihn habe das Projekt in den letzten Monaten absolute Priorität gehabt, es habe „immer mehr Fahrt aufgenommen“ und er sei zuversichtlich, dass die erste Hürde genommen werden könne: „Dann können wir das Projekt einem Aufgabenträger vorstellen“. Ohne Landeszuschüsse werde die Nordbahn aber nicht zu realisieren sein.

Insgesamt, so der ZM, gebe es drei Reaktivierungsprojekte in Westfaken-Lippe: Die Tecklenburger Nordbahn, die Westfälischen Landes-Eisenbahn zwischen Münster und Sendenhorst und die Teutoburger Waldeisenbahn im Kreis Gütersloh. Alle drei seien für den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes angemeldet und es gebe seitens des ZVM „definitiv keine Priorisierung“. Eine solche werde aber wohl das Land vornehmen.

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