Computerspiele
Der Rausch vor dem Computer

Steinfurt -

Der gebürtige Steinfurter Prof. Dr. Stefan Gesmann ist Professor für Erwachsenenbildung/Weiterbildung in der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Münster. 2006 hat er sich in seinem Buch „Friendly Fire – im Kinderzimmer“ mit dem Thema Computerspiele auseinandergesetzt. Anlässlich dem Start der Messe „Gamescom“ in Köln sprach Redakteurin Linda Braunschweig mit dem 39-Jährigen über die Faszination von so genannten Ballerspielen – und deren Gefahren.

Freitag, 19.08.2016, 13:08 Uhr

Computerspiele : Der Rausch vor dem Computer
Besucher spielen auf der Spielemesse Gamescom in Köln am Stand von Blizzard das Spiel "Heroes of the Storm". Foto: Marius Becker/dpa

Am Mittwoch ist in Köln die Gamescom gestartet . Die neuesten Trends und Spiele locken tausende Computerspielbegeisterte, die dort ihrer Leidenschaft frönen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Kritik, vor allem an den so genannten Ballerspielen. Was halten Sie von Computerspielen?

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Rät zur Aufmerksamkeit: „Wenn Spieler Anreize für Glücksgefühle nur noch virtuell finden, wird‘s kritisch“, sagt Prof. Dr. Stefan Gesmann. Foto: Wilfried Gerharz

Gesmann : Egal, ob wir es gut oder schlecht finden, die Spiele gehören heute zur Lebenswellt von Kindern und Jugendlichen dazu. Das muss man so akzeptieren.

Vor allem Kinder und Jugendliche lieben es, stundenlang vor dem Bildschirm in andere Welten abzutauchen. Für ihre Eltern ist die Faszination oft nicht nachvollziehbar. Warum schlagen diese Spiele Kinder und Jugendliche so in ihren Bann?

Gesmann: Es gibt vier Faktoren: Es handelt sich um interaktives Erlebnis, das sich so deutlich beispielsweise vom Fernsehen abgrenzt. Dann ist da die Möglichkeit, das Schicksal des Avatars in der virtuellen Welt zu bestimmen. Die Spieler können relativ schnell und ohne langes Üben Erfolge erzielen. Und die Spiele sind immer ein soziales Ereignis. Die Kinder und Jugendlichen sitzen in der Regel nicht allein vor dem Rechner, wie viele Erwachsene denken. Sie spielen in der virtuellen Welt mit anderen. Schließlich ist da dieser Rausch , dieses Glücksgefühl durch den Erfolg in der virtuellen Welt. Spätestens dann, wenn Spieler Anreize für dieses Glücksgefühl nur noch virtuell finden, wird’s kritisch.

Das Gamescom-ABC 2016

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  • Unter dem Leitthema „Heroes in New Dimensions“ öffnet die weltweit größte Messe für interaktive Unterhaltungselektronik wieder ihre Pforten. Doch welche Trends warten auf die Gäste? Mit einem Gamescom-ABC geben wir einen ersten Einblick:

    Foto: gap (Montage)
  • A wie Aussteller

    Nach Angaben der Messe werden rund 850 Aussteller aus 50 Ländern ihre Neuerungen präsentieren.

    Foto: Koelnmesse Bilddatenbank
  • B wie Besucher

    Etwa 500.000 Besucher werden erwartet. Damit zieht die Messe mehr als vergleichbare wie beispielsweise die Cebit in Hannover.

    Foto: Koelnmesse Bilddatenbank
  • C wie Cosplayer

    Kostümbegeisterte Computerspielfans sind seit Jahren fester Bestandteil der Gamescom. Sie ahmen mit Verkleidung ihre Lieblingsfiguren aus den Spielen nach.

    Foto: Koelnmesse Bilddatenbank
  • D wie Dom

    Wer nicht nur zocken will, genießt am Abend elektronische Klänge im Kölner Dom. Die Kirche ist von 22 bis 2 Uhr geöffnet und wird vom DJ-Duo Blank & Jones beschallt. Im Bild: Die Musiker Andy Kaufhold, Dompropst Gerhard Bachner, Piet Blank, Jaspa Jones und der Professor für Pastoralforschung, Matthias Sellmann (von links) 

    Foto: dpa
  • E wie E-Sports

    Das wettkampforientierte Spielen von Video- und Computergames kann als Einzel- oder Mannschaftssport ausgeübt werden, wobei neben geistigem auch körperlicher Einsatz gefordert ist. E-Sports hat sich mittlerweile zu einer neuen, digitalen Sportart entwickelt, die eigene Stars hervorbringt und von knapp elf Millionen Menschen allein in Deutschland verfolgt wird.

    Foto: Koelnmesse Bilddatenbank
  • G wie Games

    Im Zentrum der Messe stehen Video- und Computerspiele. Was früher noch als Daddelei für Technik-Freaks galt, ist heute längst bei der Masse angekommen.

    Foto: dpa
  • I wie Infos

    Tickets: Für den Messebesuch gibt es laut Aussagen der Veranstalter noch Tagestickets. Grund dafür sind nicht eingelöste Gutscheincodes, die nun anderen Besuchern zugutekommen. Die ­Tickets seien im Online-Shop zu den regulären Verkaufspreisen verfügbar – so lange der Vorrat reicht. Besucher können auch Nachmittagstickets an den Tageskassen erwerben. Der Verkauf und Einlass startet am jeweiligen Tag um 14 Uhr. Wartezeiten – auch wegen verschärfter Kontrollen –  sind einzuplanen: Der Zugang zum Gelände hängt von den Austritten der Besucher ab.

    Anfahrt: Der Autobahnring um Köln führt direkt zum Messegelände mit 14 500 Parkplätzen. Be­sucher können kostenlos mit Pendelbussen zum Gelände fahren. Bahn­reisende steigen am Bahnhof Köln Messe/Deutz aus. Zusätzlich zur Eintrittskarte erhalten Gäste einen Fahrausweis, der im Messezeitraum sowohl zur An- als auch zur Abreise in ausgewählten Verkehrsmitteln berechtigt.

    Foto: dpa
  • M wie Mobile Gaming

    Smartphones feiern aktuell ihr 20-jähriges Bestehen. Etwa 85 Prozent der Gamer nutzen es mittlerweile unterwegs, was dem derzeitigen Hype um "Pokémon Go" (Foto) besonders entgegenkommt.

    Foto: dpa
  • N wie Nvidia

    Der Nvidia Grafikchip GeForce GTX 1060 ist eine der Neuerungen und verspricht Notebook-Zockern durch seine Full-HD-Auflösung Leistung auf Desktop-Niveau.

    Foto: Nvidia
  • O wie Online-Helden

    Teil der Gamescom sind auch die Videodays (19. bis 20. August 2016), bei denen vornehmlich jugendliche Fans auf bekannte Youtuber (im Bild: "Y-Titty" Matthias Roll und Philipp Laude) treffen. Sie geben Schminktipps, drehen Comedy-Clips oder kommentieren Videospiele.

    Foto: dpa
  • P wie Pixel-Look

    Erfolgreiche Spiele wie „Minecraft“ (Foto) erfahren derzeit einen Retro-Trend aufgrund ihres Pixel-Looks. Für Zeitzeugen der früheren Videospiel-Formate zeigt die Messe Konsolen und Computer aus den 80er und 90er Jahren.

    Foto: dpa
  • V wie Virtual Reality

    VR, zu Deutsch: Virtuelle Realität: Obwohl die ersten Virtual-Reality-Brillen erst vor wenigen Wochen ihren Verkaufsstart feierten, ist das Interesse der Verbraucher bereits groß. Dabei finden sie nicht nur Verwendung für Gamer. Auch künftige Reiseziele können von zuhause aus angeschaut, virtuelle Führungen durch Museen unternommen oder Konzerte sowie Sportereignisse verfolgt werden. „Ich gehe davon aus, dass „virtual Reality“ bereits in zehn Jahren den Massenmarkt erobern wird“, so Werner Ballhaus von PwC Deutschland.

    Foto: dpa
  • W wie Waffenverbot

    Aufgrund der schrecklichen Ereignisse in den vergangenen Wochen werden die Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen angepasst, weshalb auf waffenähnliche Gegenstände verzichtet werden sollte. Unser Foto zeigt die Einlasskontrolle.

    Foto: dpa
  • Y wie Youtube

    Die Plattform YouTube Gaming ist offiziell gestartet. Über sie können Gamer anderen beim Spielen zuschauen oder ihre eigenen Partien ins Netz streamen.

    Foto: Screenshot

Wie merken zum Beispiel Eltern, wenn dieser Punkt erreicht ist?

Gesmann: Wenn sie keinen Zugang mehr zu ihren Kindern finden und für den Nachwuchs alles andere zweitrangig ist, sollten Eltern hellhörig werden.

Auch nach Amokläufen wie in Winnenden oder jetzt in München geraten Spiele wie „ Counter Strike “ in den Fokus. Senken solche Spiele womöglich die Gewalt-Hemmschwelle und können sie Jugendliche für Gewalttaten „trainieren“?

Gesmann: Da gibt es einen sehr weiten Korridor aus Hypothesen und Theorien. Laut der aktuellen Statistik des Spiele-Betreibers haben zum Beispiel am Mittwochabend elf Millionen Menschen weltweit „Counter Strike“. Gäbe es tatsächlich diese Auswirkungen, hätten wir ein gigantisches Problem. Die Theorien sind empirisch belegt, widersprechen sich aber bisweilen. Es gibt somit keine allgemeingültige Theorie. Das entlässt Eltern und Pädagogen aber nicht aus der Verantwortung. Sie sollten ihre Aufmerksamkeit breit streuen.

Zum Thema

Wer Computerspiele wie „Counterstrike“ spielt, wird nicht automatisch zum Gewalttäter, sagt Uni-Professor Thorsten Quandt. Er spricht sich daher gegen ein Verbot solcher Spiele aus.

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Gibt es auch positive Auswirkungen?

Gesmann: Studien haben gezeigt, dass Computerspieler oft ein gutes räumliches Denken haben und Multi-Tasking-fähig sind. Das ist aber nichts, was man nicht auch in der realen Welt lernen kann. Gerade Spiele wie das Geo-Caching verbinden aber Bewegung in der Natur und Orientierungssinn mit dem, was Kinder reizt: das Technische.

2006 haben Sie Ihr Buch „Friendly Fire im Kinderzimmer“ veröffentlicht. Was hat sich seitdem verändert?

Gesmann: Im technischen Zeitalter sind zehn Jahre praktisch eine Ewigkeit. Der Grundgedanke bei den Spielen, das Räuber-und-Gendarme-Spiel, und das Spiel als soziales Event sind beispielsweise bei LAN-Partys gleich geblieben. Aber Hard- und Software wurden massiv ausgebaut. Der Hype um „Pokemon Go“ zeigt es gerade: Die neuen virtuellen Realitäten begeistern. Das wäre grundsätzlich auch für „Counter Strike“ denkbar.

Die Gamescom 2016 in Köln

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  • Die wahren Freaks verkleiden sich als Figuren aus Computerspielen. "Cosplayer" nennen sie sich.

    Foto: dpa
  • So sehen Fachbesucher aus? Scheint so. Am Mittwoch war ihr Tag.

    Foto: dpa
  • Die Einlasskontrollen sind in diesem Jahr besonders streng - aus Angst vor Anschlägen.

    Foto: dpa
  • Die wahren Freaks verkleiden sich als Figuren aus Computerspielen. "Cosplayer" nennen sie sich.

    Foto: dpa
  • Besucher spielen auf der Spielemesse Gamescom am Stand von Blizzard das Spiel "Heroes of the Storm". 

    Foto: dpa
  • Rund 500.000 Besucher werden in diesem Jahr erwartet. Die ersten waren am Donnerstag schon da . . .

    Foto: dpa
  • Trend: VR-Brillen - wie diese von Sony mit dem Computerspiel Batman.

    Foto: dpa
  • Plötzlich real: Besucher mit Pokemon-Verkleidung.

    Foto: dpa
  • Ein Fachbesucher testet mit einer VR-Brille (Virtual Reality) von Sony ein Computerspiel. 

    Foto: dpa
  • Sieht schon irgendwie blöd aus, wenn Leute mit VR-Brillen spielen. 

    Foto: dpa
  • Ein Besucher der Gamescom testet das Spiel Hearthstone. 

    Foto: dpa
  • Besucher warten am 18. August 2016 in Köln vor der Computerspiel Messe Gamescom auf den Einlass. 

    Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes durchsuchen die Taschen der Besucher der Gamescom.

    Foto: dpa
  • Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes durchsuchen die Taschen der Besucher der Gamescom.

    Foto: dpa
  • Fachbesucher machen mit der VR-Brille (Virtual Reality) von Gear VR von Samsung eine vierdimensionale Achterbahnfahrt. 

    Foto: dpa
  • Ein als Joker verkleideter Besucher auf der Spielemesse Gamescom in Köln.

    Foto: dpa
  • Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes durchsuchen die Taschen der Besucher der Gamescom.

    Foto: dpa
  • Marlene macht einen virtuellen Fallschirmsprung mit einer VR-Brille (Virtual Reality Brille). 

    Foto: dpa
  • Sicherheit geht vor: Sabrina aus Aachen (r) wird mit ihren Schwertern vor der Computerspiel Messe Gamescom vom Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes abgewiesen. 

    Foto: dpa
  • Foto: dpa
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