Dr. Heinrich Kreft ist jetzt Botschafter in Luxemburg
„Der Nachname reicht“

Borghorst/Luxemburg -

Wenn es protokollarisch ganz korrekt sein soll, dann muss Heinrich Kreft künftig mit Exzellenz angesprochen werden. Aber dieser Titel ist ihm eher unangenehm: „Der Nachname reicht“, sagt er. Zumindest im Büro. Das hat der promovierte Politikwissenschaftler seit knapp vier Wochen in Luxemburg. Kreft ist neuer Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im angrenzenden Großherzogtum.

Donnerstag, 08.09.2016, 06:09 Uhr

Der Borghorster Dr. Heinrich Kreft ist zum neuen Botschafter der Bundesrepublik in Luxemburg ernannt worden.
Der Borghorster Dr. Heinrich Kreft ist zum neuen Botschafter der Bundesrepublik in Luxemburg ernannt worden. Foto: Körber-Stiftung

Auch wenn er schon umgezogen ist und die ersten Arbeitstage hinter ihm liegen – um richtig anzufangen, muss der Berufsdiplomat das Beglaubigungsschreiben des Bundespräsidenten an das luxemburgische Staatsoberhaupt übergeben. Der Termin dafür steht: Am 28. September empfängt Großherzog Henri von Nassau den gebürtigen Borghorster.

Zwei Jahre war der Familienvater Gesandter und stellvertretender Botschafter in Madrid, ein Wechsel nach dieser Zeit ist nicht ungewöhnlich und war für die Familie keine große Überraschung. Weil alle vier Kinder in Deutschland leben, hatte Kreft den Wunsch geäußert, in der Nähe bleiben zu wollen. Dass sein nächstes Einsatzland Luxemburg sein würde, darauf hatte er keinen Einfluss: „Die Stelle wurde frei.“ Allerdings, räumt er ein, sei das Großherzogtum in Diplomatenkreisen als Arbeitsplatz sehr beliebt. Nicht nur, weil die Lebensqualität in dem kleinen Nachbarland mit nur 500 000 Einwohnern hoch ist.

Ein Grund ist auch die enge Beziehung zwischen der Bundesrepublik und dem Großherzogtum: „Deutschland und Luxemburg ticken politisch ähnlich, in vielen Fragen haben die Staaten gleiche Positionen“, erklärt der neu ernannte Botschafter. Die Außenminister beider Länder, weiß Kreft, hätten ein gutes Verhältnis. In Luxemburg gebe es außerdem viele europäische Institutionen, die das politische Leben mitbestimmen. Seit dem Brexit würden sich viele auf den Ursprung der Europäischen Union besinnen. Luxemburg gehörte damals zu den Gründerstaaten der Gemeinschaft.

Erste Gespräche in seinem neuen Amt führt Heinrich Kreft bereits, doch für die wichtigen Kontakte, beispielsweise zum luxemburgischen Ministerpräsidenten, muss der 58-Jährige erst beim Großherzog gewesen sein – so will es das Protokoll. Das schreibt auch genau vor, wie dieser formale Akt abzulaufen hat: Der Großherzog lässt den Botschafter samt Begleitung (wahrscheinlich Krefts Frau) mit einem seiner Wagen abholen und zum Palast bringen.

Die Kleiderordnung ist dem Anlass entsprechend vorgegeben: Frack für den Herrn und ein langes Kleid für die Dame. Das Beglaubigungsschreiben des Bundespräsidenten übergibt Kreft dem Großherzog im Anschluss bei einem Gespräch unter vier Augen.

Heinrich Kreft wohnt zurzeit noch im Hotel. Bis zum Oktober soll die Residenz des deutschen Botschafters renoviert sein. Die Bäder, verrät er, seien noch aus den 1950er Jahren. Zeit also für etwas Neues. Seine Frau wird mit nach Luxemburg ziehen. In Madrid war der Borghorster meistens alleine. Damit der jüngste Sohn das Abitur in Deutschland machen konnte, blieb seine Frau in Berlin. Ab Herbst will der Sohn in Trier studieren. Die anderen drei Kinder sind in Münster, Bielefeld und Berlin verstreut.

La Paz, Tokio, Washington, Berlin, Madrid – Luxemburg wird sicher nicht die letzte Station für den Weltenbummler auf diplomatischem Parkett sein. Auch wenn die Zeit zwischen den vielen beruflichen Verpflichtungen knapper wird, nach Borghorst kommt Heinrich Kreft regelmäßig. Schon alleine, um seine Mutter in Dumte zu besuchen, aber auch, um die Geschwister zu sehen. Exzellenz hin oder her – bei Familientreffen bleibt er der Bruder, Schwager, Onkel und Cousin. Dann reicht der Vorname.

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