Elisabeth und Hermann Wacker führen den elterlichen Hof gemeinsam
Rot- oder schwarzbunt zum Erfolg

Burgsteinfurt -

Die Rinderzucht hat in der Familie Wacker schon lange Tradition. Wer das Wohnhaus auf dem Hof in Hollich betritt, steht vor einer Galerie mit Fotos und Ehrenurkunden, die Hermann und Bernhard Wacker in den 70ern und 80ern gesammelt haben. Heute treten Elisabeth Wacker und ihr Bruder Hermann in die Fußstapfen ihres Vaters und Großvaters – und das mit Erfolg: Bei der jüngsten Zuchtviehauktion der Rinder-Union West in Hamm stellten die Geschwister Anfang Oktober die Preisspitze bei den Zuchtbullen. „Misfad“ überzeugte „mit Rahmen und Länge sowie einem klaren und parallel gestellten Fundament“ und ging für 2500 Euro in den Oberbergischen Kreis, teilen die Veranstalter in einem Pressetext mit.

Dienstag, 11.10.2016, 13:10 Uhr

Der nächste Siegertyp? Elisabeth und Hermann Wacker beginnen schon Wochen vorher mit dem Training für die Zuchtviehauktion in Hamm.
Der nächste Siegertyp? Elisabeth und Hermann Wacker beginnen schon Wochen vorher mit dem Training für die Zuchtviehauktion in Hamm. Foto: Linda Braunschweig

Das sind diese Tage, an denen Elisabeth und Hermann Wacker zufrieden nach Hause fahren und wissen, wofür sie sich die ganze Arbeit gemacht haben. Denn bis sie einen Jungbullen in Hamm präsentieren können, ist einiges zu tun. Etwa acht Wochen vor dem Termin bekommen die Tiere, die dann ein Jahr alt sind, einen Nasenring und werden an das Halfter gewöhnt. Anschließend beginnt das Führtraining. „Sie gewöhnen sich eigentlich recht schnell daran“, sagt Hermann Wacker. Dass die Tiere sich später sicher leiten lassen, ist wichtig: Bei rund 500 Kilogramm „Kampf“-Gewicht hätten die Wackers sonst keine Chance, die Rot- oder Schwarzbunten im Ring vorzuführen. Auch wenn die Bullen hornlos gezüchtet sind oder als Kälber die Hörner entfernt wurden: Die Arbeit mit den männlichen Rindern ist nicht ohne. „Man muss immer vorsichtig sein, selbst, wenn schon ein gewisses Vertrauen entstanden ist“, erklärt Elisabeth Wacker. Bullen neigen zudem dazu, mit den Jahren aggressiver zu werden. Deshalb endet die Zucht-Karriere meist mit vier oder fünf Jahren. Dann sind die Tiere oft auch zu schwer. Für die Präsentation im Ring werden die Tiere „gestylt“: Das Fell wird geschoren und die Bullen werden gewaschen. Dann müssen sich die Einjährigen dem strengen Blick der Kör-Kommission unterziehen. Werden sie für gut befunden, geht es kurz danach in den Auktionsring. Für die Wackers ist das der spannendste Moment und im besten Fall die Belohnung für eine gute Auswahl der Elterntiere. Manchmal nehmen die Geschwister auch Muttertiere mit zur Auktion . So sind es rund 50 Rinder, die sie jährlich in Hamm präsentieren.

Die Zucht ist für die Familie Wacker das zweite Standbein neben der Milchproduktion. 120 Kühe und deren Nachzucht werden auf dem Hof versorgt. Die Milchkühe sind deutlich länger auf dem Hof als ihre männlichen Kollegen. Da geht es den Wackers auch schon mal leid ab, wenn ein langgedientes Tier zum Schlachter muss. Vor allem bei so treuen Damen wie „Meryl“ und „Uletta“. Die vier und sechs Jahre alten Milchkühe brauchen keinen Nasenring, ein Halfter reicht, um sie zu führen. Mit „Meryl“ war Hermann Wacker gerade zu Besuch in einem Kindergarten. Aber nicht ihr sanftmütiger Charakter macht die Rotbunte so wertvoll: Dank ihres Körperbaus gilt sie auch als Anwärterin für weitere Zuchterfolge. Und „Uletta“ hat jüngst einen Preis für ihre Milchleistung und -qualität bekommen: 15 000 Liter in 305 Tagen. Die beste Kuh im Stall.

Ebenso wie ihr Bruder schätzt Elisabeth Wacker an ihrem Beruf den täglichen Umgang mit den Tieren. „Das ist eine enge Verbundenheit.“ Trotzdem sind die beiden Jung-Landwirte froh, die Arbeit mit den Eltern und einem Azubi teilen zu können. Auch die vier übrigen Geschwister schauen gerne zu Hause vorbei.

Die 29-jährige Elisabeth Wacker ist studierte Agrarwissenschafterin und hat den Betrieb vor einem Jahr von Vater Bernhard übernommen. Ihr Bruder, Agrarbetriebswirt, stieg mit ein. Nun führen die beiden Generationen den Hof gemeinsam, Hermann und Elisabeth Wacker sehen darin ihre Zukunft – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen immer mehr Milchviehbetriebe wegen sinkender Preise und Erträge aufgeben. „Das letzte Jahr war nicht einfach“, sagt Elisabeth Wacker. „Aber es gibt gute und schlechte Zeiten.“

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