Filmkritik
„Damals war auch scheiße!“

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein neuer Coming-Of—Age-Film auf die Kinoleinwände drängt. Auch unter den Kinostarts dieser Woche findet sich ein Film dieses Genres: Die deutsche Komödie „Radio Heimat – Damals war auch Scheiße!“.

Donnerstag, 17.11.2016, 19:11 Uhr

Radio Heimat basiert auf dem Buch von Frank Goosen.
Radio Heimat basiert auf dem Buch von Frank Goosen. Foto: Eichborn Verlag

Der Film von Regisseur Matthias Kutschmann erzählt von den vier pubertierenden Freunden Frank, Pommes, Spüli und Mücke, die in den 80er Jahren im tiefsten Ruhrpott auf der Suche nach der ersten Liebe sind, oder zumindest dem ersten Sex. Die Jungs versuchen alles, um bei der schönen Carola Rösler zu landen, bis auf Spüli, denn der ist schwul. Nachdem sie in der Tanzschule gescheitert sind, stellt die anstehende Klassenfahrt die beste Möglichkeit dar, endlich zum Mann zu werden.

Mit viel Liebe zum Detail lässt Regie-Debütant Matthias Kutschmann das Ruhrgebiet der 80er Jahre auferstehen. Auch die Schauspieler sind in ihren Rollen überzeugend. Abgesehen von den vier recht unbekannten Hauptdarstellern hat man sich auf die bewährte deutsche Resterampe verlassen und noch Platz für Ralf Richter, Elke Heidenreich und viele andere bekannte Gesichter gefunden. Schön sind die Szenen in den 60er-Jahren, in denen das Anbandeln der Elterngeneration inmitten von Cha-Cha-Cha und schüchternem Erröten dargestellt wird.

Trotzdem kann „Radio Heimat“ nicht überzeugen: Das penetrante Voice-Over des Erzählers Frank reißt den Film auseinander und verhindert, dass eine interessante Geschichte erzählt wird. Insgesamt wirkt der Film zu formelhaft und wird erst im letzten Drittel wirklich gut.

Trotzdem ist „Radio Heimat“ ein charmanter und witziger Blick in die Jugend unserer Eltern und stellt fest: „Damals war auch scheiße!“

Jonas Timmerhues

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