Kolpingbrüder bauen alle zwei Jahre Krautwald-Krippe auf
Tannengrün tarnt Schraubenköpfe

Borghorst -

Franz-Josef Rotterdam wischt sich mit dem Handschuhrücken übers Gesicht und behauptet in die Runde: „Das hat‘s noch nie gegeben, dass wir hier ins Schwitzen gekommen sind.“ Aber die Zapfen im vermaledeiten Schindeldach wollen einfach nicht in die Seitenwandlöcher des Stalls passen. Käme unter diesen Umständen die heilige Familie vorbei – das Bethlehemer Bauverwaltungsamt müsste das Gebäude wegen Einsturzgefahr räumen.

Samstag, 17.12.2016, 06:12 Uhr

Die Kolpingbrüder sind beim Krippenaufbau ein fest eingespieltes Team: Franz-Josef Rotterdam, Bernhard Brüggemann, Georg Tetenborg, Josef Pohlmann, Erich Merker, Paul Langer und Karl Kamer. Wenn nichts mehr hilft, kommt der Akkuschrauber zum Einsatz.
Die Kolpingbrüder sind beim Krippenaufbau ein fest eingespieltes Team: Franz-Josef Rotterdam, Bernhard Brüggemann, Georg Tetenborg, Josef Pohlmann, Erich Merker, Paul Langer und Karl Kamer. Wenn nichts mehr hilft, kommt der Akkuschrauber zum Einsatz. Foto: Axel Roll

Als auch das Hin- und Hergeruckel von Bernhard Brüggemann oben im Dachstuhl nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist die Zeit reif für Karl Kamers Akkuschrauber. „Nimm die 60er Schrauben“, ruft ihm Brüggemann noch zu. Dann macht es viermal „Ssssssssssst“ und der Stall steht – und muss sich auch vor dem Ansturm der Heiligen Drei Könige mit ihrem Gefolge keine Sorgen um seine Standfestigkeit machen. Bevor Küster Robert Badde zum Richtfest-Umtrunk ruft, tarnt „Chaos-Karl“, wie die Freunde ihren Mitstreiter augenzwinkernd frotzeln, den Schrauben-Frevel geschickt mit Tannengrün .

Alle zwei Jahren ist die Truppe des Borghorster Kolpings kurz vor Weihnachten in der Nikomedeskirche als Zimmermänner gefragt. Sie löst sich ab mit dem Heimatverein. Der Kolping ist für die Holzkrippe des Bildhausers Joseph Krautwald verantwortlich, die Heimatfreunde bauen dem Christkind der alten Pfarrkrippe ein Dach über dem Kopf.

Offensichtlich haben die Temperaturwechsel im Keller des Caritashauses gegenüber am Kirchplatz das Krippenholz mächtig zum Arbeiten gebracht. Aber die Kolpinger lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. „Das Schlimmste ist immer die Schlepperei der Einzelteile in die Kirche“, weiß Bernhard Brüggemann, ein Krippenbauer der ersten Stunde, aus 30 Jahren Erfahrung.

So vergeht keine Stunde, bis die wohl bekannteste christliche Notunterkunft bezugsfertig ist. Inklusive Elektroinstallation. Ein kleiner Strahler leuchtet schon jetzt den Platz aus, wo ab Heiligabend das Christuskind in seiner Strohkrippe alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Bleibt noch die Untergrundarbeit. In Plastiksäcken wartet feinster Pinienrindenmulch auf seinen Einsatz. „Früher haben wir Moos gesammelt. Das war aber auf Dauer viel zu aufwendig“, erinnert sich Karl Kamer. Darum jetzt der Rindenmulch. „Den können wir nachher wieder zusammenfegen und im nächsten Jahr wiederverwenden.“ Dieses Mal reicht die Ladung aber nicht für das komplette Krippen-Freigelände. Georg Tetenborg hat die rettende Idee: „Wir machen aus Sägespänen einen Weg mittendurch.“

Gesagt, getan. Der helle breite Streifen, der zielgenau in den Stall führt, kann den Christkind-Besuchern als zusätzliche Orientierungshilfe dienen – neben dem Stern von Bethlehem.

Mit der Gestaltung der Außenanlagen endet die Auftragsarbeit der Kolpingbrüder. Das Aufstellen der Figuren, die bis Heiligabend noch im Kirchenkeller schlummern, fällt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich. „Das macht der Pfarrer höchstpersönlich.“

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