Sie lassen ihn nicht fallen
Dritte Mannschaft des SV Wilmsberg kämpft gegen die Abschiebung von Said Boubker

Borghorst -

Silvester – ausgerechnet – kam der unheilvolle Brief. Der Marokkaner Said Boubker soll ausreisen. „Dabei hat er sich innerhalb nicht mal eines Jahres hier voll integriert“, kann Frank Gläser nur mit dem Kopf schütteln. Der Trainer der dritten Mannschaft des SV Wilmsberg und Saids Spielerkollegen machen sich für den 33-Jährigen stark.

Freitag, 06.01.2017, 16:01 Uhr

Für ihren Freund Said (M.) sind sie alle gekommen: Die Mannschaftskameraden des Marokkaners wollen alles tun, damit der 33-jährige in Deutschland bleiben kann.
Für ihren Freund Said (M.) sind sie alle gekommen: Die Mannschaftskameraden des Marokkaners wollen alles tun, damit der 33-jährige in Deutschland bleiben kann. Foto: Axel Roll

Donnerstagabend startete Daniel Crützen, von den Kumpels ob seines Organisationstalentes auch gerne „Party-Minister“ genannt, per Whats­App einen Rundruf: „Besprechung Mannschaftsaufstellung. Wer ist dabei?“ Eine halbe Stunde später steckten acht Spieler der Dritten des SV Wilmsberg ihre Köpfe zusammen. Mit dabei: Said Boubker.

"Das Team ist meine Familie"

Heute geht es zum Turnier nach Mönchengladbach . Auch da sitzt der 33-jährige Marokkaner mit im Mannschaftsbulli. „Das Team ist meine Familie“, sagt der hoch aufgeschossene Lockenkopf. Und wie das in Familien so ist, wollen die Spielerkollegen Said nicht gehen lassen. Wenn der Flüchtling aus Marokko aber keine Duldung bekommt, muss er schon bald zurück in die alte Heimat. „Dabei ist Said inzwischen einer von uns“, sagt Trainer Frank Gläser .

Eine tolle Truppe

Said hat einen Deutschkursus besucht, hilft den Flüchtlingsbetreuern als Dolmetscher, arbeitet zur Zeit als Praktikant bei einem Borghorster Installationsbetrieb, hat dort zum 1. August einen Ausbildungsplatz fest und ist in der dritten Mannschaft des SV Wilmsberg eine tragende Säule. Frank Gläser schwärmt: „Die Dritte stand vor einem Jahr vor dem Aus. Jetzt haben wir einen festen Stamm von 35 Spielern aus aller Herren Länder. Eine tolle Truppe. Ich habe so etwas noch nie erlebt.“

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Drohende Abschiebung

Und darum war für die Spielerfreunde auch sofort klar, nachdem Said beim Training von der drohenden Abschiebung erzählt hatte: „Wir müssen was tun.“ Da der Marokkaner nur eine Woche Zeit hatte, Klage und Beschwerde einzureichen, musste erst einmal ein Anwalt eingeschaltet werden. Jetzt geht es den Kollegen darum, eine möglichst große Öffentlichkeit herzustellen. „Wer sich so für seine Inte­gration ins Zeug legt, der muss hier bleiben“, sind die SVWler überzeugt. Inzwischen gibt es neben einer Face­bookseite auch eine Online-Petition .

"Meine Zukunft ist hier"

Wenn Said Boubker sagt „Meine Zukunft ist hier“, dann denkt er an seinen Heimatort nahe der Sahara, wo es nicht eine Firma gibt, wie er sagt, die Menschen wie ihm Arbeit geben könnten. „Ich hatte dort keine Perspektive.“

Die Hoffnung unter den Freunden ist groß, dass ihr Verteidiger in Borghorst bleiben kann. „Wenn Said seine Ausbildung beginnen kann, dann kann er sie wahrscheinlich auch hier beenden“, erklärt Frank Gläser. „Dann sind wir schon mal drei Jahre weiter.“ Und vielleicht habe sich bis dahin die politische Lage weiter entspannt. . .

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