Planungen für 380-Kilovolt-Trasse beginnen
Stromautobahn führt auch durch Steinfurt

Steinfurt -

Es ist der Auftakt für ein Millionen-Projekt: Wenn am 9. Februar die Bezirksregierung Münster zu einem so genannten Scoping-Termin einlädt, werden auch Vertreter der Stadt Steinfurt mit am Tisch sitzen: Denn dann geht es um den Bau einer neuen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung, die auch auf Steinfurter Gebiet verlaufen soll.

Mittwoch, 11.01.2017, 06:01 Uhr

Durch die Bauerschaft Sellen verläuft die 220-Kilovolt-Leitung, die in Zukunft ausgebaut werden soll. Bis dahin wird es aber noch einige Jahre dauern.
Durch die Bauerschaft Sellen verläuft die 220-Kilovolt-Leitung, die in Zukunft ausgebaut werden soll. Bis dahin wird es aber noch einige Jahre dauern.

Die Amprion GmbH mit Hauptsitz in Dortmund plant den Bau der 150 Kilometer langen Leitung von Wesel nach Meppen. Dabei greift sie in Teilen auf bereits bestehende Stromtrassen zurück. In Nähe zu Wohngebieten soll die neue Leitung zudem in drei Abschnitten in der Erde verlaufen. Das gilt jedoch nicht für den Steinfurter Bereich. Dort soll die bestehende 220-Kilovolt-Leitung im Stadtwesten ausgebaut werden. Dafür muss die vorhandene Leitung verschwinden. Weniger, aber höhere Masten rücken an ihre Stelle. Zwischen 56 und 80 Metern hoch ragen diese dann in die Landschaft. Das Projekt soll bis zum Jahr 2021 abgeschlossen sein, kündigt Amprion an.

Ein ehrgeiziger Plan, denn mit dem Scoping-Termin beginnen nur die allerersten Vorbereitungen zum notwendigen Planfeststellungsverfahren bei der Bezirksregierung Münster .

Die betroffenen Kommunen werden beteiligt. Beim Scoping-Termin werden die Fachbehörden aufgefordert, auf eventuelle Umwelt- oder Artenschutzbelange, die das geplante Projekt betreffen, aufmerksam zu machen, erklärt Stefan Albers, Leiter der Fachdienstes Stadtplanung und Bauordnung in Steinfurt . Dabei könnten bereits erstellte Gutachten – beispielsweise für die Windkraftplanung – zu Rate gezogen werden.

Das Scoping-Verfahren ist eine Vorstufe zur notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfung. 50 Beteiligte hat die Bezirksregierung dazu eingeladen, sagt Thomas Peperhove , zuständiger Fachdezernent der Genehmigungsbehörde. Die Ergebnisse liefern Amprion eine Grundlage für den späteren Antrag. Diesen will der Netzbetreiber Mitte des Jahres einreichen, sagt Julian Knoop vom Presse-Team des Unternehmens.

Es folgen unter anderem die Beteiligung der Öffentlichkeit und ein Erörterungstermin. Bis zum endgültigen Beschluss können Jahre vergehen. „Es gibt viele Unwägbarkeiten“, sagt Thomas Peperhove und nennt Widerstand von Anwohnern als Beispiel. Alle vorgetragenen Argumente seien sorgfältig zu prüfen.

Wo genau die Trasse verlaufen wird, ist noch nicht klar. Auch das muss sich erst im Laufe des Planungsprozesses zeigen. Steinfurt wird wohl nur mit wenigen Kilometern davon betroffen sein.

Das Unternehmen rechnet mit einer Verfahrensdauer von zwei Jahren, so dass 2019 mit dem Bau begonnen werden könnte. Dieser sei notwendig, um mehr Strom transportieren zu können. Denn die Energie werde heute meist nicht mehr dort produziert, wo sie auch verbraucht wird, erläutert Knoop. Stattdessen kommt der Strom häufiger aus erneuerbaren Energiequellen, zum Beispiel den großen Windparks im Norden. Dort müssen mancherorts Windkraftanlagen vom Netz genommen werden, um einen „Stromstau“ im Netz zu verhindern. Das kostet auch die Netzbetreiber und letztlich die Kunden Geld. Deshalb will Amprion die Stromautobahn ausbauen, auch in Steinfurt.

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