Steine erinnern an Villa Heimann
Klinker-Spur führt zum Bahnhof

Borghorst -

Eine Spur aus gelben Steinen verläuft seit gestern entlang der neuen Feuerwache bis zum Bahnhof. Es sind Klinker aus der ehemaligen Villa Heimann, die Ralf Brökers und Norbert Münstermann vom Bauhof verlegt haben – von der Stelle, wo bis 2014 die Villa der jüdischen Familie Heimann stand, bis zu den Bahngleisen.

Dienstag, 07.02.2017, 22:02 Uhr

Vor der Feuerwache verläuft die Linie, die von der Initiative Stolpersteine Borghorst angestoßen wurde. Verbaut werden die gelben Klinker, die beim Abriss der Villa Heimann gerettet wordensind.
Vor der Feuerwache verläuft die Linie, die von der Initiative Stolpersteine Borghorst angestoßen wurde. Verbaut werden die gelben Klinker, die beim Abriss der Villa Heimann gerettet wordensind. Foto: Linda Braunschweig

Dort, wo die Spur endet, erinnert eine Hinweistafel an die Familie Heimann und an die Deportationszüge in den Tod, die im Zweiten Weltkrieg durch ganz Deutschland rollten. Josef Bergmann , Jupp Ernst und Werner Bülter haben sich dafür stark gemacht, dass die Villa Heimann auch nach ihrem umstrittenen Abriss zugunsten der Feuerwache nicht in Vergessenheit gerät. Bereits vor zwei Wochen wurden in etwa auf Höhe der früheren Villa die Stolpersteine wieder in den Gehweg eingelassen, die an die jüdische Familie erinnern. Sie waren schon vor Jahren unmittelbar vor der Villa vom Künstler Gunter Demnig gelegt worden. Für die Bauphase des Feuerwehrgerätehauses waren die stillen Mahner aus dem Boden genommen und beim Bauhof eingelagert worden.

Und auch die Erinnerungstafel hatte den Gleisen hatte weichen müssen: Sie stand bei den Arbeiten für die Bike-and-Ride-Anlage im Weg. Nun ist beides wieder am Platz und die Initiative Stolpersteine Borghorst mit Josef Bergmann an der Spitze will ihre Bemühungen um das Mahnen und Erinnern aus diesem Anlass noch intensivieren. „Erinnern und Zukunft gestalten: Punkt für Punkt auf ganzer Linie gegen jeden Flächenbrand“ haben sie das aktuelle Projekt der „Spuren 2017“ überschrieben. Eine Veranstaltung zur Einweihung ist geplant.

Für die Borghorster Initiative ist die Villa Heimann ein „verlorenes Denkmal“. Die Steine, die nun verlegt wurden, haben sie selbst aus dem Bauschutt gesucht. Sie sind neben einem Fenster, das jetzt im Heimathaus seinen Platz hat, das einzige, das von der Villa blieb, so Bergmann. Sie wurden gereinigt und geschnitten, damit sie in den neu gepflasterten Gehweg vor der Feuerwache passten. Sie sollen zum einen die Grundstücksgrenze der ehemaligen Villa Heimann markieren und mit dem Sprung zum Bahnhof auch an die Deportationszüge erinnern. Allerdings: Borghorster Juden wurden laut Bergmann nie vom Bahnhof aus deportiert. Der 84-Jährige hat sich intensiv mit der Geschichte der Juden im Ort und der Familie Heimann befasst. Als Sechsjähriger habe er miterlebt, wie die SA die Villa Heimann verwüstete, sagt Bermann. Das werde er nie vergessen – und das sollte auch niemand anderes, dafür setzt Bergmann sich ein.

Auch in Burgsteinfurt werden weitere 22 Stolpersteine zur Erinnerung an die jüdischen Bürger verlegt, unter anderem an der Goldstraße. Künstler Gunter Demnig kommt dazu am 21. Februar (Dienstag) nach Steinfurt.

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