Stolperstein-Verlegung
Erinnerung an 22 Schicksale

Burgsteinfurt -

Der Borghorster Schwesterverein hat zu Jahresanfang am Standort der ehemaligen Villa Heimann den Auftakt gemacht, jetzt folgt die Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt: In Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger im Zweiten Weltkrieg wird Künstler Gunter Demnig am Dienstag (21. Februar) nach Stemmert kommen, um Gedenksteine vor deren ehemaligen Wohnhäusern in das Pflaster zu integrieren.

Montag, 13.02.2017, 16:36 Uhr
An der Rottstraße 7 sind bereits einige Stolpersteine im Gedenken an die jüdische Familie Hirsch verlegt worden. Mit Fritz Hirsch, Sohn von Otto und Selma Hirsch, kommt nun ein weiterer hinzu. Weitere Station ist das Haus Goldstraße 42, wo einst die Familie Funk wohnte. „Es hat sich seitdem kaum verändert“, sagt Ursula Kunze (kl. Bild).
An der Rottstraße 7 sind bereits einige Stolpersteine im Gedenken an die jüdische Familie Hirsch verlegt worden. Mit Fritz Hirsch, Sohn von Otto und Selma Hirsch, kommt nun ein weiterer hinzu. Weitere Station ist das Haus Goldstraße 42, wo einst die Familie Funk wohnte. „Es hat sich seitdem kaum verändert“, sagt Ursula Kunze (kl. Bild).

Der Borghorster Schwesterverein hat zu Jahresanfang am Standort der ehemaligen Villa Heimann den Auftakt gemacht, jetzt folgt die Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt mit einer weiteren Aktion wider das Vergessen: In Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger im Zweiten Weltkrieg wird Künstler Gunter Demnig erstmals seit 2013 am Dienstag (21. Februar) wieder nach Stemmert kommen, um Gedenksteine vor deren ehemaligen Wohnhäusern in das Pflaster zu integrieren.

„Insgesamt 22 Steine an sieben Standorten werden an diesem Tag verlegt“, kündigte Ursula Kunze im Gespräch mit dieser Zeitung an. Seit Wochen schon laufen die Vorbereitungen der Initiative-Verantwortlichen, zu denen neben Ursula Kunze auch Oliver Löpenhaus und Karl-Friedrich Herhaus gehören. Es ist die bislang umfangreichste Stolperstein-Verlegung in Burgsteinfurt: Wenn Demnig am Dienstag sein Werk vollendet hat, werden es stolze 74 Messing-Mahner sein, die an die lokalen NS-Opfer erinnern. „Für das relativ kleine Burgsteinfurt ist das schon sehr viel“, betont Ursula Kunze. Gleichwohl gebe es noch viel Potenzial für weitere Verlegungen.

Wie auch vor vier Jahren sind Schüler des Gymnasiums Arnoldinum am kommenden Dienstag mit im Boot. Das hat gute Gründe: Zum einen sind es gleich mehrere ehemalige Arnoldiner, denen mit der Aktion gedacht werden soll. Zum anderen soll vor allem auch die junge Generation für das damalige Geschehen sensibilisiert und so stark gemacht werden gegen wiederraufflammende rechtsextremistische Tendenzen. Die Kontakte zur Schule hat wiederum Karl-Friedrich Herhaus hergestellt, früher Lehrer am Burgsteinfurter Gymnasium.

Weil es dieses Mal so viele Stolpersteine sind, die verlegt werden, beginnt das Programm bereits um 10.45 Uhr. Erste Station ist das Haus Goldstraße 42, in dem einst die Familie Funke wohnte. Es werden drei Steine für Leopold, Hildegard und Harry Funke verlegt. In einem eng gesteckten Zeitplan geht es dann bis in den Nachmittag weiter: Zweite Station ist das ehemalige Wohnhaus der Familie Eichenwald an der Leerer Straße 38. Dort wird für Paul Eichenwald ein Stein gesetzt, der die bereits existierenden Exemplare für seine Eltern Louis und Emma und seine Schwester Käthe ergänzt. Im Gegensatz zu Letzteren hat Paul den Holocaust überlebt. „Es ist uns wichtig, auch für die Überlebenden und Geflüchteten ein Zeichen zu setzen“, sagt Ursula Kunze. Warum das so ist, lässt sich beim Blick auf die Biografie von Paul Eichenwald erahnen. Der Burgsteinfurter, der 1978 in Hamburg starb, musste während der Nazi-Diktatur zahlreiche Drangsalierungen über sich ergehen lassen, ehe es ihm kurz vor Kriegsausbruch 1939 gelang, auszureisen.

Weiter geht es zu den Häusern Rottstraße 7 bis 9 sowie Steinstraße 22, wo steinerne Mahner für Fritz bzw. Hermann, Julie, Karl und Helmut Hirsch verlegt werden. Weitere Verlegungen sind an der Steinstraße 10 bis 12 und am Drepsenhoek 4 bis 6 für die Geschwister Heimann und die Eheleute Willy und Anna Hirsch mit Sohn Hans vorgesehen. Letzterer starb 1990 in Chile und war einst ebenfalls Arnoldiner. Zum Abschluss werden gegen 14 Uhr sieben Gedenksteine vor dem Haus An der Stadtmauer 7a gesetzt. Dort wohnten einst die Familien Erich und Felix Simons.

Die Verlegung ist öffentlich, Interessierte sind zur Teilnahme eingeladen. Zudem freut sich die Initiative über Spenden, denn es sind weitere Verlege-Aktionen geplant. Die existierende Dokumentation über die jüdischen Mitbürger und ihre Schicksale während der NS-Zeit soll aktualisiert werden. Ein Spendenkonto ist bei der VR-Bank Kreis Steinfurt (IBAN DE96 4036 1906 4160 3035 00) eingerichtet.

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