Bürgerwindpark Hollich Sellen stellt Verkaufsprospekt vor
Beteiligungsverfahren ist eröffnet

Steinfurt -

Die Geschäftsführung des Bürgerwindparks Hollich Sellen hat nicht übertrieben. Das Interesse der Bevölkerung, sich an diesem 80-Millionen-Euro-Projekt zu beteiligen, ist riesig. So riesig, dass man schon jetzt von einem Zeichnungsüberhang ausgeht. Über 700 Personen aus „zeichnungsberechtigten Gebieten“ sind bereits gelistet. Dabei geht es nicht nur um alternative Anlagemöglichkeiten in einer anhaltenden Niedrigzinsphase, sondern insbesondere auch darum, regionale Wertschöpfung vor Ort zu schaffen und Energieerzeugung in Bürgerhand zu legen.

Freitag, 17.03.2017, 17:03 Uhr

Aufmerksam verfolgten die Besucher der Informationsveranstaltung im Martin-Luther-Haus am Donnerstagabend die Erläuterungen, wie sie sich an dem Bürgerwindpark Hollich Sellen beteiligen können.
Aufmerksam verfolgten die Besucher der Informationsveranstaltung im Martin-Luther-Haus am Donnerstagabend die Erläuterungen, wie sie sich an dem Bürgerwindpark Hollich Sellen beteiligen können. Foto: Drunkenmölle

Sowohl am Donnerstag als auch gestern Abend war der Saal im Martin-Luther-Haus voll mit Frauen und Männern, die sich für eine Investition in den Bürgerwindpark interessieren. Die Geschäftsführer Jörg Tiemann und Gerd Göckenjan hatten sich zusammen mit Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Kai Plümer gut vorbereitet, um ihren Zuhörern das Verkaufsprospekt und Beteiligungsangebot vorzustellen. Angesprochen wurden unter anderem Gesellschaftsstruktur, Finanzierungsplan, Sicherheitskonzepte, Kündigungs- und Rückgabemöglichkeiten, Mitbestimmung sowie Prognosen zu Gewinnen und Verlusten. Ziel war es, Transparenz zu schaffen. Chancen wurden genauso aufgezeigt wie die unternehmerischen Risiken, die mit der Beteiligungen verbunden sind.

Nach einem kurzen Blick auf die Entstehungsgeschichte und der Vorstellung einiger Grundsätze der Betreiber machte Jörg Tiemann die Dimensionen des Projekts deutlich. Die Vorfinanzierung des Eigenkapitals haben der alte Windpark Hollich sowie ein Bankenkonsortium aus der DKB, der Kreissparkasse Steinfurt und der VR-Bank Kreis Steinfurt geleistet. „Es wurde erst gebaut, dann prospektiert“, wies Gerd Göckenjan darauf hin, dass die Anleger in Windkraftanlagen in ein fertiges und erprobtes Projekt investieren, das bereits seit zwei Jahren Strom ins Netz einspeist.

Der Schwesterwindpark in Hollich betreibt bereits seit 2001 Windenergieanlagen und erzielt jährliche Stromerlöse von 4,5 bis fünf Millionen Euro und zahlt zurzeit jährlich Gewerbesteuern in Höhe von rund 300 000 Euro an die Stadt. Der neue Park wird mit seinen 16 Stromriesen durchschnittlich über zehn Millionen Euro Umsatz pro Jahr erzielen.

Ziel ist es, 1000 Kommanditisten zu gewinnen und von den 80 Millionen Euro Investitionsvolumen 15,5 Millionen Eigenkapital zu bilden. Im Hinblick darauf, welche Renditen die Anleger in dem Planungszeitraum von 2016 bis 2036 erzielen können, ist mit aller Vorsicht, und wie die Geschäftsführer betonten, „mit größter Sorgfalt“ gerechnet worden. Plümer legte dazu umfassende Gewinn-, Verlust- und Ausschüttungspläne vor. Die Prognosen sind ausführlich in dem fast 160-seitigen Prospekt (von den Erlösen aus dem Stromverkauf auf der Grundlage von 8,79 bis 8,9 Cent je kWh bis zu den Kosten für einen Anlagenrückbau) beschrieben. Vereinfacht ausgedrückt: Wer sich mit 1000 Euro an dem Windpark beteiligen möchte, kann nach 20 Jahren Laufzeit möglicherweise etwa 1720 Euro Gewinn erzielen – abzüglich, und darauf ist wiederholt hingewiesen worden, der Abgaben (persönliche Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer), die an den Fiskus gezahlt werden müssen. So lässt sich, wie Jörg Tiemann im Gespräch mit unserer Zeitung vorrechnete, bezogen auf die ursprüngliche Einlage eine durchschnittliche Rendite von etwa acht Prozent im Jahr vor persönlichen Steuern (172 Prozent innerhalb von 20 Jahren) erzielen. Garantien gibt es nicht. Darin besteht das Risiko der Anleger. Wie hoch das bei Abweichungen von der Prognose sein kann, auch darüber sind sogenannte Sensitivitätsanalysen angestellt worden.

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