Neuer Bedarfsplan verabschiedet
Rettungsdienst wird aufgestockt

KREIS STEINFURT -

Der Kreisausschuss hat den neuen Bedarfsplan für den Rettungsdienst am Dienstag (28. März) verabschiedet. Für alle überraschend: sogar einstimmig. Was bedeutet dies nun konkret?

Mittwoch, 29.03.2017, 18:30 Uhr

Investitionen in mehr Sicherheit: Das Rettungspersonal im Kreis wird um zehn Prozent aufgestockt. Es gibt drei weitere Wachen sowie neue Fahrzeuge.
Investitionen in mehr Sicherheit: Das Rettungspersonal im Kreis wird um zehn Prozent aufgestockt. Es gibt drei weitere Wachen sowie neue Fahrzeuge.

Lange wurde in den Ausschüssen und in den 24 Kommunen diskutiert und kritisiert. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Der Kreis Steinfurt kann in Kürze auf deutlich mehr Rettungspersonal und Rettungsfahrzeuge bauen. Denn: Der Kreisausschuss hat den neuen Bedarfsplan für den Rettungsdienst am Dienstagabend verabschiedet. Für alle überraschend: sogar einstimmig. Was bedeutet dies nun konkret?

Das Rettungspersonal im Kreis wird um zehn Prozent aufgestockt. „Das ist eine deutliche Verbesserung“, betonte Landrat Dr. Klaus Effing. Auch gut: Bereits jetzt ist klar, dass die Krankenkassen die Finanzierung des Bedarfsplans übernehmen werden. Die jährlichen Kosten werden laut Gutachten auf 30 Millionen Euro beziffert.

Unterversorgung wird korrigiert

Vor der Abstimmung plädierte Kreisdirektor Dr. Martin Sommer für schnelles Handeln, um das Leistungsniveau des Rettungsdienstes im Kreis zügig und bürgernah verbessern zu können.

Um seinem Auftrag nachzukommen, eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten sowie eine Erreichbarkeit (Rettungssanitäter oder Notarzt) in 90 Prozent der Fälle und das innerhalb von zwölf Minuten (2015 lag die Zahl bei 85 Prozent), hat der Kreis – als Folge des Gutachtens – den neuen Rettungsdienstbedarfsplan aufgestellt. Die Gutachter hatten für den ländlichen Raum eine erhebliche Unterversorgung festgestellt. Dies muss korrigiert werden – das ist für den Kreis klar.

Rettungswache wird aufgestockt

Demnach soll die Zahl der Rettungswachen von zwölf auf 15 aufgestockt werden. Der Kreisausschuss stimmte somit zu, dass in Altenberge und in Westerkappeln zwei neue Rettungswachen eingerichtet werden. Die Stadt Mettingen bekommt ein Notarzt-Einsatzfahrzeug aus Ibbenbüren .

In Rheine entsteht zudem eine weitere Wache „rechts der Ems“. Dort soll ein zweiter Rettungswagen und ein zweite Notarztsystem stationiert werden.

Insgesamt sollen 20 neue Stellen eingerichtet sowie der Einsatz der Rettung- und Krankentransportfahrzeuge optimiert werden.

Emsdetten

Lange diskutiert wurde der „Sonderfall Emsdetten“, vor allem nach Schließung des Krankenhauses. Die Einsatzzahlen schnellten in die Höhe. Von 1749 auf 2100. Zunächst wollte der Kreis den Rettungswagen 2 nicht mehr rund um die Uhr fahren lassen.

Der Emsdettener Stadtrat forderte ihn daraufhin in einer Resolution auf, den Bedarf noch einmal zu überprüfen. Außerdem signalisierte die Stadt, die Kosten für den 24-Stunden-Betrieb auch des zweiten Rettungswagens ab diesen Sommer selbst übernehmen zu wollen – um die Inbetriebnahme aufrechterhalten zu können.

Doch das wird, so Kreisdirektor Martin Sommer, von der Bezirksregierung Münster abgelehnt. Dabei geht es auch um Fragen der Haftung. Der Kreis entschied sich daher zu einen neuen Lösung für Emsdetten.

Der Kompromiss: Der Rettungstransportwagen 2 in der Emsdettener Wache bleibt auch über den 30. Juni hinaus rund um die Uhr einsatzbereit. Zunächst befristet bis zum Jahresende 2017 – als Krankentransportwagen. Bis November werden dann die Erfahrungswerte eingeholt, anhand derer geschaut werden soll, wie es 2018 dann in Emsdetten weitergeht.

Westerkappeln

Überraschenderweise wurde im Kreisausschuss nicht mehr über den zweiten „Sonderfall Westerkappeln“ diskutiert. Sieben Kommunen, darunter Ibbenbüren hatten heftig in Frage gestellt, ob die neue, größere Wache wirklich Sinn mache.

Sie wollen nicht, dass einer von zwei in Ibbenbüren stationierten Notarzteinsatzfahrzeugen künftig in Mettingen (Umfang: 84 Stunden pro Woche) seinen Standort haben soll. Bei wachsenden Einsatzzahlen sorgen sie sich um die heimische Versorgung vor Ort. Ihrer Meinung nach gehe das Gutachten zum Rettungsdienstbedarfsplan auch auf veraltete Zahlen von 2015 ein, nicht aber auf aktuelle Werte, die deutlich höher seien.

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Präsenzzeit des RTW soll sich erhöhen

Für Kreisdirektor Dr. Martin Sommer ist die Kritik völlig unbegründet. „Die tatsächliche Präsenzzeit des RTW I in Ibbenbüren wird sich erhöhen.“ Er nannte im Ausschuss auch einen weiteren Vorteil: „Bislang musste der Notarzt immer im Krankenhaus abgeholt werden. Künftig sitzt er direkt in der neuen Rettungswache.“

Der Kreisausschuss sah es schließlich auch so und stimmte für den Rettungsbedarfsplan und damit auch für die neue Rettungswache in Westerkappeln. Bis Ende 2018 will der Kreis diese an der Mettinger Straße in Betrieb nehmen.

Der Fahrzeugbestand wird allgemein aufgestockt. Im nichtöffentlichen Teil beschloss der Ausschuss den Kauf eines Rettungstransportwagens und die Vergabe des Auftrages zur Lieferung von drei Krankentransportwagen. „Ein Fahrzeug kann bereits zum 1. Mai eingesetzt werden“, freute sich auf Nachfrage Kreisdirektor Martin Sommer: „Ich bin froh, dass der Bedarfsplan beschlossen wurde und das auch einstimmig. Jetzt können wir endlich loslegen.“

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