Geigerin Mira Tujakbajewa und Pianist Nikolai Tokarev gaben außergewöhnliches Konzert im Bagno
Beethoven nicht wie auf der CD

Steinfurt -

Ein spannendes und die Meinungen polarisierendes Konzert erlebten die Zuhörer am Samstagabend im Bagno. Die Geigerin Mira Tujakbajewa , geboren in Kasachstan, und der Pianist Nikolai Tokarev aus Russland hatten Sahne­stückchen der Literatur in ihr Programmheft geschrieben. Während die einen laut „Bravo“ zum Applaus riefen, hatten die anderen auf dem Nachhauseweg doch Zweifel, ob das nicht teilweise etwas zu viel an Lautstärke, Tempo und Effekten war. Ohne Zweifel, die beiden hervorragenden Solisten musizierten ihr Programm mit großem Engagement und ohne jede technische Schwierigkeit.

Sonntag, 07.05.2017, 18:05 Uhr

Ein außergewöhnliches Paar: Die Geigerin Mira Tujakbajewa und Pianist Nikolai Tokarev gaben in der Konzertgalerie ein Konzert, das die Zuhörer polarisierte.
Ein außergewöhnliches Paar: Die Geigerin Mira Tujakbajewa und Pianist Nikolai Tokarev gaben in der Konzertgalerie ein Konzert, das die Zuhörer polarisierte. Foto: Monika Fahlbusch

Die Art ihres Spiels überzeugte absolut in der Sonate für Klavier und Violine aus dem Jahr 1922 von Leos Janácek. Die gut harmonierenden Musiker zauberten Bilder und Emotionen in die Köpfe der Zuhörerschaft von grazilen Balletttänzerinnen oder einem Sturm auf dem Meer. Ihre Spielweise war expressiv, die Violine hatte einen extrem präsenten Klang, die Tiefe glich fast einer Viola, die Flageolettöne erklangen zart und rein.

Der Pianist ließ die Diskanttöne wie Glaskügelchen virtuos perlen, konnte aber auch die aus wenigen Tönen bestehenden Motive in die Tasten hämmern. Nach der ebenfalls mit viel Leidenschaft musizierten Sonate op. 13 von Gabriel Fauré war das Publikum sehr gespannt, wie das Duo wohl die Kreutzersonate von Ludwig van Beethoven gestalten würde. Und auch da gab es Überraschungen: Dass Mira Tujakbajewa des Öfteren den Bogen von abgerissenen Haaren befreien musste, lag sicher an dem enormen Druck, den sie teilweise auf die Saiten brachte. Beethovens Kreutzersonate hat auch tatsächlich eine extreme Dynamik und Dramatik, die das Künstlerpaar gut herüberbrachte. Aus vielen Interpretationen kennt man die Sonate und bestimmte melodische Zusammenhänge sind eventuell durch abrupte Tempo- und Lautstärkewechsel sowie extrem rasantes Tempo verloren gegangen. Die beiden Künstler haben sich viel interpretatorischen Freiraum genommen und diesen gemeinsam überzeugend gestaltet. So hat man Beethoven halt mal etwas anders erlebt, interpretiert von einer kasachischen Seele. Warum geht man sonst in ein Konzert? So wie immer „geigt“ die CD im Wohnzimmer zu Hause.

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