20-Jähriger muss für eineinhalb Jahre ins Gefängnis
Überfall auf K+K: „Kasse auf und Geld her“

Steinfurt/Rheine -

Der Raubüberfall auf K & K „Am Wippert“ in Steinfurt am 7. Januar wurde am Montag beim Jugendschöffengericht in Rheine gegen einen 20-jährigen Steinfurter verhandelt. Damals klaute er um 18.25 Uhr vier Flaschen Wodka und wurde an der Kasse von einer couragierten Mitarbeiterin gestellt. Er stieß sie zur Seite, ließ den Rucksack mit den Flaschen zurück und drohte: „Ich komm‘ wieder“. Eine Stunde später stand er vermummt mit einem Schal und einer Luftdruckpistole in der Hand vor dem Kassierer und forderte: „Kasse auf, Geld her“.

Dienstag, 09.05.2017, 12:05 Uhr

Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Er war unmittelbar nach dem Raubüberfall festgesetzt worden. Das Gericht verurteilte ihn am Ende wegen versuchten schweren räuberischen und einfachen Diebstahls bei verminderter Schuldfähigkeit zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Außerdem ordnete es die Zwangsunterbringung in einer Suchtanstalt an.

Der Haftbefehl blieb wegen Wiederholungsgefahr bestehen, so dass er direkt nach der Verhandlung zurück in die Zelle musste. Der Staatsanwalt hatte drei Monate mehr beantragt, obwohl der medizinische Sachverständige den Therapiezwang offen ließ.

Deswegen hatte sein Verteidiger ein Jahr und sechs Monate mit Bewährung in einem minder schweren Fall mit der Auflage einer ambulanten Therapie gefordert. „Aber die Gefahr des Rückfalls ist zu groß“, waren sich Staatsanwaltschaft und Gericht einig.

Der Angeklagte hatte bei der Tat 2,69 Promille. „Das ist sportlich, „ brachte der Richter seine Zielstrebigkeit trotz der Alkoholmenge auf den Punkt. „Wenn ich die Möglichkeit habe zu trinken, trinke ich. Es bleibt nicht bei einem Bier“, räumte der Angeklagte seine bisher unbehandelte Sucht ein.

An dem Tag hatte er weder Geld noch Alkohol und stahl deswegen die Wodkaflaschen. Als das misslang, war er zornig, nahm von zu Hause Schal und die Luftdruckpistole seines Bruders mit und ging zurück. „Ich wollte mir Geld besorgen, um meine Schulden zu bezahlen“, nannte er seine Motivation.

Die Angestellte, die schon bei dem Diebstahl die Polizei gerufen hatte, war sich sicher, dass er wiederkommen würde. Sie griff beherzt ein und schrie ihn an, als er vermummt vor dem Kassierer stand. Gleichzeitig telefonierte sie mit der Polizei und fragte, ob sie ihm Pfefferspray in die Augen sprühe dürfte. „Das hatte ich mir nach dem Diebstahl in die Tasche gesteckt“, sagte sie als Zeugin.

„Ein sehr couragierter Auftritt“, bezeichnete der Richter ihr Vorgehen. „Ich hatte ja die ganze Zeit die Polizei am Ohr“, antwortete sie. Aber auch der Kassierer verweigerte die Öffnung der Kasse und behauptete: „Die lässt sich so nicht öffnen“. Nach dem Einsatz von Pfefferspray kam die Polizei. Der Angeklagte schlug wild um sich. „Er war kaum zu bändigen“, sagte der Polizeibeamte, der hierdurch eine Bänderzerrung und einen Knorpelschaden erlitt. Er war mehrere Wochen krankgeschrieben. Der Angeklagte zahlt an ihn ein Schmerzensgeld von 1200 Euro in Raten ab Mai 2017.

Die 31-jährige Angestellte leidet noch unter den Folgen des Überfalls. Der Kassierer hat es ganz gut überstanden.

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