Max Lohmeyer wird 98 Jahre alt
Der Prophet mit der Kamera

Borghorst -

Schwärme von Kiebitzen, die über den Feldern ihren charakteristischen Trudelflug vollführen. Der Große Brachvogel, der im Emsdettener Venn mit seinem lautstarken Balzgesang die gefiederte Damenwelt beeindruckt. Feldlerchen, die sich tirilierend in den Himmel schrauben und dann pfeilschnell Richtung Erde fallen lassen: Max Lohmeyer hat diese Bilder nicht nur im Kopf, sondern auf 16-Millimeter-Farbfilm.

Dienstag, 09.05.2017, 17:05 Uhr

Max Lohmeyer wird schon bald 98 Jahre alt. Vor über 60 Jahren drehte er die ersten Naturfilme. Eulen und Greifvögel – auf dem Foto zwei junge Waldkäuze – päppelt er noch heute auf.
Max Lohmeyer wird schon bald 98 Jahre alt. Vor über 60 Jahren drehte er die ersten Naturfilme. Eulen und Greifvögel – auf dem Foto zwei junge Waldkäuze – päppelt er noch heute auf. Foto: Axel Roll

60 Jahre und älter sind die Aufnahmen, die nicht nur rund um Borghorst , sondern zum Teil auch im europäischen Ausland entstanden sind. Sie sind für den mittlerweile fast 98 Jahre alten Naturschützer untrügliches Zeichen dafür, dass sich Pflanzen und Tiere immer weiter auf dem Rückzug befinden. Trotz einiger positiver Beispiele – wie der Rückkehr des Uhus.

Der erfahrene Naturfreund muss gar nicht so weit zurückgehen in die Zeit, als bei ihm die Tierfotos laufen lernten. „Als wir am Deelweg die ersten Krötenzäune spannten, waren die Eimer jeden Tag voll mit Erdkröten“, erinnert sich der wohl dienstälteste Aktivist des Naturschutzbundes. „Heute sind es nur wenige Amphibien, die die Helfer über die Straße tragen.“

Ganz besonders schlimm sieht es nach den Beobachtungen Lohmeyers für die Insekten aus. „Wo sind sie geblieben, die Schmetterlinge?“, fragt er nach den auffälligsten Vertretern der artenreichsten Tierklasse. Es sind noch keine zehn Jahre her, da konnte Lohmeyer noch Larven von Hirschhornkäfern im Buchenberg präsentieren.

Die alten Naturfilme sind der Beweis auf Zelluloid, dass der Borghorster auf seinem Fachgebiet vieles vorhergesehen hat, was heute tatsächlich eingetreten ist. Schon damals ließ Lohmeyer Kinder mit Gasmasken an der Bundesstraße entlang laufen und filmte Starfighter in Rheine bei Starts und Landungen, um auf die Folgen von Luftverschmutzung und Lärm für Mensch und Natur aufmerksam zu machen. Schon vor 60 Jahren war dem Naturschützer offensichtlich klar: Wenn der Mensch so weitermacht, schaufelt er sich sein eigenes Grab. Heute in der Rückschau bilanziert der 97-Jährige: „Es geht auf keine Kuhhaut, was der Mensch schon alles vernichtet hat.“

Das hohe Alter kann nicht verhindern, dass sich Max Lohmeyer weiter für die Natur engagiert. So betreibt er immer noch die Greifvogel-Ausgewöhnungsstation in Wilmsberg, wo er Bussarde, Habichte, Turmfalken und Eulen wieder aufpäppelt. Erst vor wenigen Tagen nahm er zwei junge Waldkäuze unter seine Fittiche, denen ein Stacheldraht zum Verhängnis geworden war. Erste Hilfe leistet in solchen Fällen immer Monika Tuul, die die Tierbabys zu Hause füttert, bis sie wieder Kraft bekommen haben. Auf dem Nabu-Hof in Ostendorf legt sich Renate Waltermann für den Nachwuchs ins Zeug. So unterhält sie zum Beispiel eine Aufzuchtstation für Igel-Waisenkinder.

Aufhalten, darüber ist sich der Naturschutz-Senior im klaren, lässt sich das Aussterben der Tiere und Pflanzen nicht. „Dafür haben wir schon zu viel kaputt gemacht.“

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