Mit der ruhigen Hand eines Konzertpianisten
Einstein zollte dem Sport Respekt

Borghorst -

Mit Poolbillard kann man viel Geld verdienen. Leider nur, wenn man Paul Newman oder Tom Cruise heißt und auf der Leinwand den Queue schwingt.

Mittwoch, 10.05.2017, 18:05 Uhr

Bei den Aktionstagen zum Billardspielen verfolgten zahlreiche Interessierte das Spiel der Kugeln zwischen den Banden.
Bei den Aktionstagen zum Billardspielen verfolgten zahlreiche Interessierte das Spiel der Kugeln zwischen den Banden. Foto: Rainer Nix

Wenn Kinoenthusiasten den Begriff „Billard“ hören, denken sie vor allem an den Film „Die Farbe des Geldes“ von Martin Scorsese aus dem Jahr 1986. Die Geschichte um den ehemaligen Poolbillard-Profi „Fast Eddie Felson“, dargestellt von Paul Newman , ist noch heute faszinierend. Manch einer mag so auf diesen Sport aufmerksam geworden sein, auch oder gerade weil es in dem Streifen nicht unwesentlich um Dollars geht.

Finanzielle Interessen stehen bei der Billardabteilung des TV Borghorst gewiss nicht im Vordergrund. Hier ist es das Spiel, das all diejenigen lockt, die gern ihre Konzentration und Geschicklichkeit beweisen wollen. Jetzt machte die Abteilung mit beim bundesweiten Aktionswochenende „Deutschland spielt Billard“. Abteilungsleiter ist Robert Hirschner.

Schnupperbillard, Trick­shots und Showmatches standen auf dem Programm. Wer die neuen Räumlichkeiten in der Nikomedesschule Borghorst aufsuchte, lernte viel über den Sport. Das Prinzip des Poolbillardspiels ist einleuchtend und vielen bekannt: Es gilt, mit einem weißen Spielball nummerierte farbige Objektbälle in sechs „Taschen“ einzulochen, die sich in den Ecken und am Rand des Billardtisches befinden.

Worin der besondere Kick liegt? „Es ist ein Präzisionssport“, so Markus Leskow, der bereits viele Jahre im Verein spielt. „Wer den Spielstock, Queue genannt, sicher zu handhaben weiß, kann mit den Kugeln ganz verblüffende Aktionen ausführen“, erklärt er. Jeder Enthusiast hat zwei Queues, mit denen er die Kugeln stößt. Einen für den Anstoß und einen weiteren für das laufende Spiel. Auch das weiß kaum ein Laie.

Zu erleben gab es verschiedene Stoßvarianten, so zum Beispiel den „Zugball“ oder den „Jumpshot“, bei dem die weiße Kugel abhebt, um über eine andere zu springen. Das hat schon etwas Akrobatisches.

Schöner als der berühmte Physiker Albert Einstein kann man es nicht ausdrücken: „Billard ist die hohe Kunst des Vorausdenkens. Es ist nicht nur ein Spiel, sondern in erster Linie eine anspruchsvolle Sportart, die neben physischer Kondition das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten erfordert.“ Damit dürfte alles erklärt sein, was an dieser Sportart herausfordert.

„Zeitweise waren wir 60 Mitglieder, heute sind wir 35“, sagt Leskow. Fluktuation gibt es schließlich in jeder Gemeinschaft. In Spitzenzeiten gingen vier Mannschaften, eine ausschließlich aus Damen bestehend, an den Start. Jetzt spielen zwei Teams beim TV Borghorst, eins in der Oberliga Westfalen, das andere in der Kreisliga. Über neue Mitspieler freut sich die Abteilung jederzeit.

Seit Anfang der neunziger Jahre waren die Billard-Sportler in einem Pavillon der Realschule am Buchenberg zu Hause, jetzt findet man sie in ihrem neuen Domizil Nikomedesschule. Die Stadt Steinfurt stellte dort in Kooperation mit dem TV zwei neue Räume zur Verfügung. In Eigenarbeit wurden sie hergerichtet, vier Tische stehen zur Verfügung. Während in den ersten Raum auch eine Theke integriert ist und daneben ein Tisch steht, sind im zweiten drei Billardtische zu sehen. Videoübertragung erlaubt auch Gästen an der Theke, das Spielgeschehen genau zu verfolgen.

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