22-jähriger Burgsteinfurter verurteilt
6 Monate für 16 Schwarzfahrten

Burgsteinfurt -

Schwarzfahren ist im Vergleich zu vielen anderen Vergehen fast ein Kavaliersdelikt. Am Donnerstag aber stand ein 22-jähriger Mann aus Burgsteinfurt vor Gericht, der 16 Mal ohne Ticket in der Euregiobahn nach Enschede erwischt wurde. Der Angeklagte wurde in Handschellen aus der Jugendstrafanstalt Hövelhof bei Paderborn vorgeführt. Er muss nun ein halbes Jahr länger hinter Gittern bleiben.

Freitag, 12.05.2017, 16:05 Uhr

„Ist das eine öffentliche Verhandlung und darf meine Oma dabei sein?“, fragte der Angeklagte gleich bei Prozessbeginn – sie durfte. Der Richter erlaubte nach der Urteilsverkündung auch noch, dass sich beide unterhielten.

13 Vorstrafen hatte der 22-Jährige auf dem Kerbholz: Diebstahl, unerlaubter Drogenbesitz oder Verstoß gegen das Waffengesetz lauteten einige der Vergehen, für die er seit dem 5. Oktober vergangenen Jahres eine einjährige Freiheitsstrafe absitzt.

Zunächst war der Burgsteinfurter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, erfüllte aber die Auflagen nicht. Am 13. Juni 2016 wurde er zu der Gefängnisstrafe verurteilt, konnte sie aber erst später antreten. Obwohl vorbelastet, erwischten Kontrolleure den Angeklagten zwischen dem 27. Juni und dem 26. September vergangenen Jahres 16 Mal ohne Fahrschein in der Bahn von Burgsteinfurt nach Enschede und zurück.

„Zu der Zeit ging es mir wegen meiner Drogensucht sehr schlecht. Ich habe auf der Straße gewohnt“, erklärte der Beschuldigte und weiter: „Nach der Haft will ich eine Drogentherapie machen. Deswegen versuche ich mich im Knast aus allem rauszuhalten. Ich habe dort nur Kontakt zu zwei Mithäftlingen, die mir vertrauenswürdig erscheinen.“

Sein Verteidiger bestätigte, dass sein Mandant „einen erstaunlichen Entwicklungsschritt nach vorne“ gemacht habe: „Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, konnten wir kein vernünftiges Gespräch führen.“

Die Staatsanwältin rang mit sich, ob die zu erwartende Knast-Verlängerung zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, auf die der Verteidiger plädierte: „Schließlich wird mein Mandant zum ersten Mal nach Erwachsenenrecht verurteilt.“ Mit brüchiger Stimme bat dieser um Nachsicht: „Noch ein Jahr im Knast halte ich nicht aus. Ich will unbedingt ein neues Leben ohne Drogen und ohne Straftaten anfangen.“ Doch der Richter unterstrich in seinem Urteil, dass er die sechs Monate Gefängnis nicht auf Bewährung aussetzen könne: „Ich befürworte aber eine Drogentherapie. Vielleicht wird ihnen ja ein Teil der Haftstrafe erlassen.“

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