Freiwilligendienst in Ghana
„Wie eine zweite Heimat für mich“

Steinfurt/Accra -

Seit September vergangenen Jahres absolviert die 19-jährige Sarah Koç einen Freiwilligendienst in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Für unsere Zeitung schildert die junge Burgsteinfurterin ihre Eindrücke vom Leben in der westafrikanischen Metropole, in der sie an einer Grundschule Bildungsarbeit leistet.

Sonntag, 23.07.2017, 13:07 Uhr

Von den Naturschönheiten bis hin zum Großstadtstau: Die Burgsteinfurterin Sarah Koç hat während ihres Ghana-Aufenthaltes die verschiedensten Facetten des afrikanischen Landes kennengelernt.
Von den Naturschönheiten bis hin zum Großstadtstau: Die Burgsteinfurterin Sarah Koç hat während ihres Ghana-Aufenthaltes die verschiedensten Facetten des afrikanischen Landes kennengelernt. Foto: privat

„Wenn mich jemand fragt: ,Sag mal, Sarah , wie ist das eigentlich in Ghana zu leben?‘ dann ist das eine gute, aber für mich gleichzeitig auch schwierig zu beantwortende Frage. Denn schon nach wenigen Wochen hat sich ein bestimmter Alltag entwickelt, den ich genauso wie in Deutschland lebe – mit allen Hoch- und Tiefpunkten, die dazu gehören.

In den letzten Monaten ist viel passiert. Nachdem ich in den Winterferien ganz viel gereist bin, habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt und Silvester mit meinen Freunden am Strand verbracht. Im zweiten Schulabschnitt hatten meine Mitfreiwillige und ich im Projekt eine Menge zu tun, da wir neben dem Unterrichten noch den Großteil der Büroarbeiten erledigt haben. Im März waren wir an einem der schönsten Strände Ghanas und haben dort ein Festival besucht.

Zwei Monate später kam der lang ersehnte Besuch meiner Eltern. Sie sind mit in mein Projekt gekommen, ich habe ihnen Accra gezeigt und wir sind zusammen an der Küste im Westen entlang gereist. Es war interessant, die beiden herum zu führen und natürlich wunderschön, sie nach sieben Monaten endlich mal wieder zu sehen. In der Zeit ist mir auch bewusst geworden, wie sehr ich mich hier eingelebt habe und wie gewohnt viele Dinge für mich sind, die für meine Eltern komplett neu und überraschend waren.

Nach dem erneuten Abschied, kam ein großes Reise-Highlight auf mich zu: der Norden Ghanas. Meine Mitfreiwillige und ich haben dort neun Tage verbracht und sind herum gereist. Höhepunkt dieser Reise war für mich der Mole-Nationalpark, in dem wir mehrere Elefanten in wenigen Metern Entfernung beobachten konnten und eine große Vielfalt an verschiedenen anderen Tieren.

Anschließend begann der dritte und letzte Schulabschnitt, in dem wir deutlich weniger im Office arbeiteten, da es einen neuen ,Administrator‘ (Sekretärin) gibt. Dafür kümmern wir uns aber nun intensiver um die Website, damit diese bis zum Ende unserer Arbeitszeit fertiggestellt ist.

Nun neigt sich mein Freiwilligendienst dem Ende zu und ich beginne, auf die gesamte Zeit zurück zu blicken. Ich kann auf jeden Fall schon sagen, dass Ghana eine zweite Heimat für mich geworden ist und ich im dieses Land und seine Leute lieben gelernt habe. Anfangs war alles ungewohnt, in der Schule waren ich und meine Mitfreiwillige oft etwas isoliert und die Kinder hatten wenig Vertrauen zu uns. Doch nun kommen sie offen auf uns zu gerannt.

Mein Horizont hat sich auf vielfältige Weise erweitert. Dadurch, dass sich die Kultur von der deutschen in vielerlei Hinsicht unterscheidet und ich mit verschiedenen Personen ausgetauscht habe, habe ich unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Thema kennengelernt. Ich denke, dass sich dadurch meine Toleranz zu anderen Meinungen stark erhöht hat und bin darüber sehr glücklich.

Was mir an Ghana besonders gefällt, bestätigt ziemlich die Klischees, die man über Afrikaner hat. Es gibt hier sehr viele Menschen, die total hilfsbereit und gastfreundlich sind. Außerdem bin ich sehr beeindruckt von der Landesnatur. Von menschenleeren Traumstränden über grüne Berglandschaften mit atemberaubenden Wasserfällen bis hin zu gigantischen Baobab-Trees (Affenbrotbäume) – Ghana hat viel zu bieten.

Wenn ich darüber nachdenke, worin die Kulturen und mein Leben hier sich unterscheiden, dann fällt mir spontan das Wort Gelassenheit ein. Wenn ich in einem Stau stecke, dann ist das halt so. Außerdem ist das Wetter natürlich ganz anders, was mich aber auch nicht wirklich gestört hat. Ganz im Gegenteil, es war ein interessantes Gefühl, keinen Winter zu haben und stattdessen Weihnachten und Silvester bei 34 Grad zu verbringen! Teils lustig, teils nervig ist das Zeitgefühl vieler Ghanaer. Pünktlichkeit wird meistens nicht sehr groß geschrieben.

In wenigen Wochen werde ich zurück nach Deutschland fliegen – mit vielen Erfahrungen und Erkenntnissen im Gepäck. In diesem Jahr habe ich eine Menge gelernt. Ich habe viel über mich als Person gelernt, über meine Persönlichkeit und Einstellungen. Ich habe gelernt, dass man versuchen sollte, sich nicht unnötig Sorgen über Sachen zu machen, die sich dann letztendlich doch oft von alleine klären. Ich habe gelernt, dass jede Kultur in bestimmten Aspekten anders ist. Und das ist auch gut so. Außerdem habe ich hier erst richtig gemerkt, wie wichtig mir meine Familie ist und wie sehr ich es wertschätze, so in einem Land wie Deutschland aufgewachsen zu sein. Ich habe Ghana als Land mit allem, was dazu gehört, sehr ins Herz geschlossen, aber trotzdem bin ich froh, eine Erziehung und eine Bildung, wie ich sie in Deutschland erleben durfte, bekommen zu haben. Zu guter Letzt sollte man auch niemals vergessen: ,Sharing is caring‘. Ich weiß jetzt schon, dass ich Ghana und die Menschen hier sehr vermissen werde.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5028877?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
Nachrichten-Ticker