"Biggis" Ehemann verurteilt
Gynäkologe bekommt neun Jahre für Totschlag an Ehefrau

Borghorst/Landsberg/Erding -

Vor mehr als dreieinhalb Jahren fand die gebürtige Borghorsterin Brigitte B. einen gewaltsamen Tod im Badezimmer ihrer Wohnung im bayerischen Erding. Seit Freitag steht fest: Ehemann Prof. Michael B. hat am 4. Dezember 2013 bei einem Streit auf die 60-Jährige eingeschlagen und sie erwürgt. Er hatte sich zwischenzeitlich nach Chile abgesetzt.

Montag, 24.07.2017, 19:07 Uhr

"Biggis" Ehemann verurteilt : Gynäkologe bekommt neun Jahre für Totschlag an Ehefrau
Symbolbild Foto: dpa

Das Landgericht Landshut verurteilte den 58 Jahre alten Gynäkologen zu neun Jahren Haft wegen Totschlags. In einem ersten Prozess vor zwei Jahren war der bekannte Arzt noch freigesprochen worden.

Als lebenslustige Frau in Borghorst bekannt

Nach dem ersten Urteil waren auch in Borghorst die Wogen hochgeschlagen. „ Biggi “, wie die 60-Jährige in ihren Jugendjahren überall hieß, kennen in der Stadt noch viele. Der Freispruch wurde damals in ihrem Bekanntenkreis heiß diskutiert. „Biggi“ war als lebenslustige Frau in Borghorst bekannt. Sie war Mitglied in einer großen Clique, die sich damals unter anderem in Max Lohmeyers Milchbar an der Münsterstraße regelmäßig traf. Biggi war außerdem Mitglied der Tanzmariechen des Turnvereins. Ihr Elternhaus stand auf dem Gelände des jetzigen BWS-Einkaufszentrums. Sie hatte zwei Brüder.

Ihre Ausbildung macht die Borghorsterin in Münster, hält aber weiterhin Kontakt zur Familie. Später tritt sie eine Stelle als Chefsekretärin in einem Osnabrücker Krankenhaus an – und lernt dort Michael B. kennen und lieben.

Im Rosenkrieg getrennt

So trennte sich der Chefarzt von seiner ersten Frau, heiratete seine Brigitte und befand sich seitdem im Rosenkrieg mit der verlassenen Ehefrau und den vier Kindern. Sie soll dafür gesorgt haben, dass der Mediziner zwei Chefarztstellungen verlor. In Erding machte sich Michael B. dann selbstständig mit einer eigenen Praxis.

Hatte die Borghorsterin die ersten Jahre ihren Ehemann noch angehimmelt, sorgte nachher ihr häufiger Alkoholkonsum für Streit in der Beziehung. Die Staatsanwaltschaft hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Trinkgewohnheiten der 60-Jährigen auch Auslöser für den verhängnisvollen Streit im Badezimmer waren.

Ehemann durfte den Tatort reinigen

Nach dem Tod von Biggi B. war ihr Mann schnell ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Der erste Prozess, bei dem der Gynäkologe auf der Anklagebank saß, endete mit einem Freispruch zweiter Klasse. Das Landgericht Landshut sah damals durchaus, dass es einige Anhaltspunkte dafür gab, dass der Ehemann auch der Täter war. Allerdings konnte damals dieser Verdacht unter anderem wegen Ermittlungspannen der Polizei nicht erhärtet werden.

So sollen die Ermittler trotz der zahlreichen Verletzungen an der Leiche erst von einem normalen Unfall ausgegangen sein. Außerdem wurden Spuren am Gesicht beseitigt, der verdächtige Ehemann durfte selbst den Tatort reinigen.

Gynäkologe setzte sich nach Chile ab

Mit dem Freispruch war das Drama aber lange noch nicht zu Ende. Als der Gynäkologe Wind davon bekam, dass Staatsanwaltschaft und Nebenklage das Urteil anfechten wollten, setzte er sich nach Chile ab. Wohl aus dem Grund, dass die Bundesrepublik kein Auslieferungsabkommen mit dem südamerikanischen Land unterhält. Zielfahnder kamen dem Flüchtigen aber schnell auf die Schliche – und nachdem klar war, dass der Prozess noch einmal aufgerollt wurde, wurde Michael B. tatsächlich ausgeliefert.

Zwei Umstände wurden ihm zum Verhängnis

In dem am Freitag zu Ende gegangenen Verfahren wurden dem Angeklagten zwei Umstände zum Verhängnis. Beim Reinigen des Tatorts übersah er einen Blutspritzer auf seiner Brille und unter einer Flasche fehlte die Weinlache. Für die Richter ein Indiz dafür, dass sie nicht umgefallen sein konnte, sondern hingelegt wurde.

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