Sommerserie Angepackt
Zwischen Fitness und Meditation

burgsteinfurt -

Wie vielseitig die Aufgaben der Gärtner und Auszubildenden im Kreislehrgarten sind, das hat WN-Reporterin Theresa Gerks live erfahren. Dort ist gerade Erntezeit: Für den dritten Teil der Serie „Angepackt“ mussten Äpfel gepflückt und sortiert werden. Aber auch das Unkraut schläft nicht.

Mittwoch, 09.08.2017, 20:08 Uhr

Der angeknabberte Apfel ist ganz klar Wirtschaftsobst, der andere kommt als 1a-Ware in den Verkauf: mit Andre Wolter packt WN-Reporterin Theresa Gerks bei der Ernte und Beetpflege an. Gärtner Florian Stücker erklärt, an welcher Stelle man die Rosen am besten beschneidet (Bild oben).
Der angeknabberte Apfel ist ganz klar Wirtschaftsobst, der andere kommt als 1a-Ware in den Verkauf: mit Andre Wolter packt WN-Reporterin Theresa Gerks bei der Ernte und Beetpflege an. Gärtner Florian Stücker erklärt, an welcher Stelle man die Rosen am besten beschneidet (Bild oben). Foto: Bernd Schäfer

Ich bin so was von nicht im Training. Meine Knie zittern schon nach einer Stunde Unkrautrupfen im Staudenbeet. Neben mir hockt Florian Stücker und gräbt mit einer kleinen Harke die Erde um. Er ist Gärtner im Kreislehrgarten und ich frage ihn, ob er denn zu Hause auch einen Garten habe und ob er nach seinem Arbeitstag noch die Lust hat, den in Schuss zu halten. Florian Stücker lächelt. Ja, er hat einen Garten. Und nein, langweilig werden würde das nie.

Schnell merke ich bei meiner Mini-Hospitation: Fürs Gärtnern musst du geboren sein. Ein grüner Daumen, der wäre auch nicht schlecht. Und: Wenn ich mal still bin und gerade keine Fragen habe, dann kann die Arbeit richtig meditativ sein.

Kreislehrgartenleiter Klaus Krohme empfängt mich an diesem supersonnigen Morgen. Ich habe auf seinen Rat gehört, feste Schuhe und eine robuste Jeans anzuziehen. In der ist eh ein Grasfleck drin. „Drei Gärtner arbeiten hier und aktuell haben wir vier Auszubildende“, erzählt mir Krohme. Wir machen einen kleinen Rundgang übers Gelände und legen bei den Obstwiesen einen längeren Stopp ein. Ich darf verschiedene Apfelsorten probieren. Und nehme mir direkt vor, öfters herzuradeln und Äpfel einzukaufen, so frisch und knackig, wie sie sind.

„Die Hälfte unseres 30 Hektar großen Gartens nutzen wir für den Obstanbau. Deshalb bieten wir hier den Ausbildungsschwerpunkt Obstbau an.“ Und jetzt, mitten im August, gibt es Tag für Tag was zu ernten. Der Frühapfel „Galmac“ ist genussreif, auch die Zwetschge „Top Giant“ muss heute geerntet werden. Beim Galmac helfe ich mit, Stücker weist mich ein in die Apfelernte. „Wir pflücken heute durch. Das heißt, dass wir nur die Äpfel abdrehen, die schon eine schöne rote Backe haben. Wenn sich der Apfel leicht lösen lässt, dann ist die Frucht reif. Die übrigen Äpfel bleiben am Baum, wir lassen ihnen noch etwas Zeit zum Reifen, und pflücken in ein paar Tagen wieder durch.“

Mit einem Erntekorb bewappnet stürze ich mich zwischen die Zweige. Gar nicht so einfach zu entscheiden, ob der Apfel jetzt schon rot genug ist oder nicht. Deshalb darf ich nach kurzer Zeit mit Azubi Andre Wolter die gepflückten Äpfel sortieren. Wir werfen faules Obst in die Kompostschubkarre und ordnen die übrigen in 1a-Ware und Wirtschaftsware. Wolter erklärt: „Ich frage mich bei jedem Apfel, ob ich ihn essen würde. Dann ist das Ware, die wir im Verkauf anbieten. Alle anderen Äpfel, die zum Beispiel zu klein sind, große Druckstellen haben oder von Vögeln angepickt wurden, laufen als Wirtschaftsware weiter. Aus diesem Obst kann man zum Beispiel gut Apfelsaft machen.“ Das Sortieren macht Spaß, die praktischsten Griffe zum Apfelbetrachten hat man schnell raus und zu zweit füllen wir mindestens zehn Kisten mit jeweils 20 Kilo Äpfeln. Die stellen wir in den Kühlraum, direkt hinterm Hofladen.

Ich überlege, dass die Ernte nur ein Teil der vielseitigen Tätigkeiten im Kreislehrgarten ist, und dass man auf jeden Fall Leidenschaft, Muße und körperliche Fitness für die Arbeit hier mitbringen muss. „Jetzt gerade ernten wir, entfernen Unkraut, gießen und beschneiden Stauden und Rosen so, dass sie noch einmal angeheizt werden auszutreiben“, erzählt mir Florian Stücker. „Aber auch leichte Pflasterarbeiten, zum Beispiel für die Beetbegrenzung, gehören zum Job dazu. Und natürlich, für die Besucher und ihre Fragen da zu sein.“ Heute hält ein Reisebus vor dem Kreislehrgarten.

Zurück im Redaktionsbüro erwarten mich klingelnde Telefone und vom Denken stickige Luft. Da kommt einem der Arbeitsalltag draußen noch viel gesünder vor. So eine Viertelstunde Unkraut jäten, ganz konzentriert das Grün ausrupfen, das könnte ein neuer Pausentrend werden ...

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