Buchprojekt
„Schön hier!“: Sehnsuchtsorte in der Kreisstadt

Steinfurt -

Der Steinfurter Autor Matthias Engels hat 2016 zusammen mit Thomas Kade und Torsten Trelenberg ein besonderes Buchprojekt gestartet: 28 Autoren wurden nach ihren Lieblingsplätzen in Westfalen gefragt. Dabei herausgekommen und jetzt ganz frisch auf dem Buchmarkt ist die Textsammlung „Schön hier!“, in der 35 liebenswerte Orte der Region beschrieben sind.

Freitag, 11.08.2017, 21:08 Uhr

In dem neu erschienen Band „Schön hier!“ beschreiben Autoren der Region ihre Lieblingsplätze und Herzensorte in Westfalen – darunter das Bagno..
In dem neu erschienen Band „Schön hier!“ beschreiben Autoren der Region ihre Lieblingsplätze und Herzensorte in Westfalen – darunter das Bagno..

Doch wer nun den ultimativen Reiseführer „Westfalia – 35 places to see before you die“ erwartet, ist auf dem völlig falschen Pättken. Im Gegenteil, „einsam muss er bleiben, nur für mich allein“ so schreibt die Hammerin Marion Gay , und beschließt, eine falsche Fährte zu legen, damit die Wandergruppen ihren Lieblingsplatz nicht finden. Andere Autoren der Anthologie sind da offener und nennen ihr Lieblingscafé oder ihre Herzensburg beim Namen, oft sind es aber völlig unspektakuläre Plätze, die ihren Reiz allein aus der persönlichen Zuneigung der Schreibenden beziehen.

Mit Matthias Engels sind vier Stemmerter Autoren vertreten, und so wundert es nicht, dass sich drei der ausgewählten Sehnsuchtsorte in der Kreisstadt befinden. Das Bagno hat es dem Herausgeber besonders angetan: „. . . mit seinem pittoreskem See, seinen verschlungenen Wegen und alten Bäumen – ich komme dort zur Ruhe.“ In seinem Gedicht Landschaft, in der Brühe, klingt es allerdings nicht ganz so romantisch, dort besiedeln „Gehandycapte Golfer im Bunkerschlamm“ und „im Niemandsland ausgesetzte Frauengruppen“ den weitläufigen Park.

Der eigentlich als Bildhauer bekannte Künstler Andreas Laugesen hat der inzwischen abgerissenen Villa Heimann ein Gedicht gewidmet, das sich passenderweise um schmerzliche Erinnerungen und Vergänglichkeit dreht.

Ganz anders, auf Stöckelschuhen nämlich, kommt Heide Bertram daher, wenn sie ihren Lieblingsfeldweg über den Seller Hügel beschreitet. Auf der Suche nach vasentauglichen Wiesenblumen pflückt sie lustvoll Sichelgras, Kornblumen, Spitzwegerich und die quietschgelbe Ackerwucherblume. Sowohl die erotischen Anspielungen („Der Klatschmohn lockt unverschämt verschämt mit seiner glutroten Farbe…“) als auch die Einblicke in ihre unkonventionelle Lebensphilosophie machen ihren Text zu einem äußerst vergnüglichen Lesegenuss.

Die vierte Steinfurter Autorin, Antonia Kruse, hat ihre Heimatstadt Greven als nicht zweifelsfreien Herzensort gewählt. Dazu kam es nämlich erst, nachdem sie lange Zeit woanders gelebt hat, als eine Art Rückbesinnung auf glückliche Kindheitstage sozusagen.

Beim Durchlesen und -blättern dieses bebilderten Buches wird klar, dass die Frage nach dem Lieblingsort eine sehr intime Frage ist, unter anderem, weil die Schreibenden dort in einer besonderen, gelösten Stimmung sind. Dass diese Stimmung wiederum das Schreiben sehr begünstigt, dafür ist „Schön hier!“ ein gelungener Beweis. Auf einen besonderen Höhepunkt im Rahmen dieser Buchveröffentlichung freuen sich nicht nur die Ideengeber. Die Buchpräsentation findet mit einer Premierenlesung im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Westfälischen Literaturfestivals „hier!” statt. Am 26. August präsentieren sich die Beteiligten auf der Burg Hülshoff im Münsterland dem Publikum. „Gedeihlicher kann die Förderung lokaler Schreibender nicht sein”, so Trelenberg.

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Weitere Lesungen sind geplant. Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

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